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Sie putzen, kochen reihum, reparieren Spielgeräte, wechseln Glühbirnen aus und übernehmen, sobald die Erzieherin ausfällt, die Betreuung. Die Rede ist von Müttern und Vätern, die ihre Kinder in sogenannten Elternvereinen, selbstorganisierten Betreuungsgruppen, unterbringen und neben ihren Berufen ehrenamtliche Aufgaben übernehmen.
Neben dem Verbund Bremer Kindergruppen fordert der Paritätische Bremen als weiterer Dachverband vieler Bremer Elternvereine aufgrund ihrer Leistungen eine Gleichgestellung mit Einrichtungen anderer Träger. Gut zwölf Prozent der Betreuungsplätze in Bremen, so Herbert Förster von der Fachberatung des Paritätischen, würden immerhin von Elternvereinen gestellt. Sie sind damit auch Arbeitgeber von Fachkräften.
Die finanzielle Ausstattung der meisten Elternvereine liege aber zum Teil weit unter dem, was etwa Kita Bremen oder große Träger wie der Landesverband Evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder an Zuschüssen bekommt, kritisiert Anke Grünewald. "Wir müssen 50 Prozent der Kosten in unserer Einrichtung selbst aufbringen", sagt die langjährige Leiterin des Kindergartens "Borgfelder Butjer", der mit rund 100 Kindern in vier Kindergartengruppen, einem Mini-Hort und drei Spielkreisen zu den größten Elternvereinen Bremens gehört. Die Kunst des Rechnens dabei: Die Beiträge für die Eltern müssen noch bezahlbar sein, dabei aber die Kosten abdecken, der nicht durch öffentliche Zuwendungen getragen werden.
Die ehrenamtliche Arbeit der Eltern ist ein fester Posten im jährlichen Kalkül. Im Borgfelder Kindergarten, so Grünewald, werden Familien vertraglich zu einem Arbeitsdienst von jährlich jeweils fünf Stunden verpflichtet: Dazu gehören unter anderem die Gartengestaltung, Grundreinigung der Räume, Waschdienste, die Vorbereitung von Festen. Veranschlagt man die Arbeitsstunde mit je zehn Euro, macht das bei 85 Familien einen Betrag von 4250 Euro pro Jahr. "Dieses Geld könnten wir gar nicht aufbringen", sagt Anke Grünewald. Mit den Stunden der Eltern für die Vorstandsarbeit mit Buchhaltung und Rechnungswesen wird aus dem Ehrenamt leicht ein Halbtagsjob.
Die Kassenwartin im Verein für Interkulturelle Schule beispielsweise kommt mit ihren Aufgaben auf eine entsprechende Stundenzahl, erzählt Herbert Förster. Er hält den Kontakt zu den Einrichtungen, die im Landesverband des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Mitglied sind und bei ihm als Dienstleistungen Beratungen in Rechts-, Personal- oder Qualitätsfragen in Anspruch nehmen.
Über 2400 Bremer Mädchen und Jungen, so Herbert Förster, sind in Elternvereinen untergebracht. Der Verbund Bremer Kindergruppen, ebenfalls ein Dachverband, in dem sich nach Auskunft des Verbunds 90 Elternvereine organisiert haben, nennt sogar über 2700 Kinder im Land Bremen.
In den Forderungen sind sich die beiden Dachverbände einig: Elternvereine müssen anderen Trägern gleichgestellt werden. "Die Anforderungen sind ja auch die gleichen", sagt Förster. Ob es die Lern-Entwicklungs-Dokumentationen (LED) sind, die Erzieherinnen für ihre vielen Schützlinge im Jahr führen, Qualitätsversprechen oder Richtlinien für die eigene Betriebsführung. "Zugleich hat sich in den vergangenen Jahren die gesellschaftliche Situation verändert", sagt er. Bei immer mehr Elternpaaren seien beide berufstätig.
All diese Aspekte hat der Paritätische in der Broschüre "Elterninitiativen und Elternvereine als kleine Träger von Kindertageseinrichtungen" zusammengetragen und jetzt auch den jugendpolitischen Sprechern der Bürgerschaftsparteien präsentiert. Außerdem luden Förster und Kollegen sie zu einem Rundgang durch Einrichtungen von Elternvereinen ein.
Die Fakten der Broschüre hat Förster mit Vertretern von fünf anderen Landesverbänden, aus Sachsen, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz/Saarland und Brandenburg, erarbeitet. Ihr Blick über Landesgrenzen erlaubt Vergleiche. Danach zahlt Hamburg die gleichen Zuwendungen an alle Träger, kleine Elternvereine erhalten sogar Zuschläge, weil sie im Verhältnis zur Größe mehr aufwenden müssten, so Förster. Während manche Kommunen anderer Bundesländer nicht wie Bremen Anschubfinanzierung für die Einrichtung neuer Gruppen zahlten, hinke Bremen bei der Übernahme laufender Kosten hinterher. "Da gibt es sicher noch Nachholbedarf."



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