Die guten Noten kommen vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft. Demnach erzielt Bremen neben Berlin und Brandenburg die beste Quote bei der Umstellung der Studiengänge. Gelobt werden außerdem der hohe Anteil an Praxissemestern – hier ist Bremen unter allen Bundesländern mit weitem Abstand Spitzenreiter –, die sehr ausgeprägte Wechselwilligkeit der Studierenden und die große Attraktivität der Hochschulen für ausländische Studierende. Am schlechtesten schneiden der Studie zufolge in allen diesen Punkten Hessen, Nordrhein-Westfalen und Thüringen ab.
Der vor zehn Jahren in Gang gekommene Bologna-Prozess soll die Hochschulabschlüsse europaweit vergleichbar machen und so erst die Möglichkeit schaffen, häufiger mal die Hochschule zu wechseln und vermehrt auch im Ausland zu studieren. Dass diese Reform in Bremen rekordschnell in die Praxis einziehen konnte, während Bayern zum Beispiel erst die Hälfte der Studiengänge umgestellt hat – ein Grund vielleicht, warum an der Universität und den Hochschulen niemand auf die Barrikaden geht und es den Kommilitonen in den anderen Bundesländern gleichtut. Gut möglich nämlich, dass sie schlicht keine Zeit haben, um zu protestieren.
Die Bremer Grünen haben am Montag ein Positionspapier vorgelegt, in dem sie zwar hervorheben, dass Bremen außergewöhnlich weit sei mit den Zielen von Bologna, gleichzeitig aber Schwachstellen benannt und einen erheblichen Nachbesserungsbedarf festgestellt. „Die Hochschulen in Bremen haben sich damals als erste auf den Weg gemacht und sehr gute Arbeit geleistet“, lobte Silvia Schön, wissenschaftspolitische Sprecherin der Grünen.
Kritik äußerte sie indes an der starken Verschulung des Studiums: „Da wurde das Kind mit dem Bade ausgeschüttet.“ Ein straffes Studium, schön und gut. Stärker auf den Beruf ausgerichtet, auch nicht schlecht. „Aber wenn sich Prüfung an Prüfung reiht und die Studierenden 60 Stunden in der Woche auf dem Buckel haben, ist das einfach zu viel“, sagte Schön. Ihre Fraktion fordere deshalb, die Klausuren zu reduzieren und die Fächer nicht länger mit Lehrinhalten zu überfrachten, um so Freiräume zum Denken zu schaffen. „Das Studium ist ja keine Sekundarstufe III. Es geht nicht allein darum, Wissen anzusammeln, sondern auch um die Fähigkeit, darüber zu reflektieren.“
Nebenbei sorge die Büffelei auch für eine soziale Auslese. „60 Prozent der Studierenden müssen Geld verdienen, um ihr Studium teilweise zu finanzieren“, sagte Schön. Nur fehle eben die Zeit dafür. Die Folge: „Wer nicht genügend von zu Hause bekommt, verlässt die Hochschule wieder.“
Ein klares Bekenntnis zum Bologna-Prozess und die Forderung nach deutlichen Korrekturen – für die Bremer Grünen passt das zusammen und für die deutsche Kultusministerkonferenz (KMK) offenbar auch. KMK-Präsident Henry Tesch (CDU), Kultusminister in Mecklenburg-Vorpommern, stieß am Montag ins gleiche Horn wie Silvia Schön. Bei allen Erfolgen seien nun aber auch Korrekturen notwendig, erklärte Tesch. „Der Bologna-Prozess darf nicht dazu führen, dass einfach nur alter Wein in neue Schläuche gegossen wird.“ Auch Tesch sprach an, dass die Fächer mit Lernstoff überfrachtet seien, dass es eine zu hohe Anwesenheitspflicht für die Studierenden gebe und sie zu häufig Prüfungen schreiben müssten.
Völlig unbeleckt von Protesten wird Bremen nicht bleiben, auch wenn an der Universität nach Auskunft der Studierendenvertretung keine Aktionen geplant sind. Dafür gehen die Schülerinnen und Schüler auf die Straße. Sie wollen am Nachmittag in der Innenstadt für eine „selbstbestimmte und kostenlose Bildung“ demonstrieren.

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