Oskar Beulke ist Schüler am Alten Gymnasium in Bremen und hat den spontanen Protest mitorganisiert. "Wir haben erst am Freitag mit den Planungen begonnen. Der richtige Streik beginnt ja erst im Januar." Er protestiert gegen überfüllte Klassen, marode Schulen und vor allem die Ungerechtigkeit: "Viele Schüler müssen sich schon nach der vierten Klasse damit anfreunden, das sie niemals studieren können." Auch das Zwei-Säulenmodell biete kaum Verbesserungen. "Wir werden weiter in 'gute' und 'schlechte' Schüler unterteilt."
Studenten kritisieren Bildungspolitik
Vereinzelt mischten sich auch Studenten unter die Demonstranten. "Die Bildungspolitik ist katastrophal", sagt beispielsweise eine 24-jährige Geografie-Studentin der Bremer Universität. "Vor allem in den Bachelor-Studiengängen gibt es für kritisches Hinterfragen keine Zeit mehr." Auswendig lernen sei alles, was gefordert werde. Auch die Studienreformen im Zuge des sogenannten Bologna-Prozesses müssten rückgängig gemacht werden. Ziel der Reformen war es, eine bessere internationale Vergleichbarkeit der Abschlüsse zu erreichen.
Rückendeckung erhalten die Schüler und Studenten von der Gewerkschaften Erziehung und Wissenschaft (GEW) und ver.di. "Die Bildungsgewerkschaft erklärt sich solidarisch mit den jungen Leuten: Die Bundesrepublik braucht eine Kehrtwende in der Bildungspolitik", sagte der GEW-Vorsitzende Ulrich Thöne am Dienstag in Frankfurt a. M. Bildungsarmut zu bekämpfen, Chancengleichheit herzustellen und gute Bildung für alle Menschen zu garantieren: Das seien die gesellschaftlichen Herausforderungen, die gelöst werden müssen. Um der Unterfinanzierung des deutschen Bildungssystems entgegenzutreten, müsse jährlich rund 40 Milliarden Euro zusätzlich in den Bildungssektor investiert werden, so Thöne weiter.
ver.di fordert umfassendes Bildungsangebot
Auch ver.di fordert ein leistungsfähiges und gerechts Bildungssystem. "Bildung hat ihren Preis, und sie ist diesen Preis auch wert", sagte Petra Gerstenkorn, Mitglied des Bundesvorstands von ver.di. Wer am Bildungssystem spare, laste der Gesellschaft hohe Folgekosten auf. "Wir fordern ein umfassendes und hochqualifiziertes Angebot an Bildungseinrichtungen, ein hochwertiges, gebührenfreies Bildungsangebot, das von gut ausgebildeten Fachkräften erbracht wird", so Gerstenkorn weiter.
In zahlreichen deutschen Städten demonstrierten am Dienstag zehntausende Studenten für ein gerechteres Bildungssystem. Allein in Berlin und Köln wurden jeweils mehr als 5000 Teilnehmer erwartet. Auch in Österreich und Frankreich waren Proteste geplant.


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