Antwort aus dem Bildungsressort zum Sprachtest Cito war falsch

 - 22.01.2010

Bürgerschaft erfährt nicht die Wahrheit

Von Bernd Schneider
Bremen. Eine Erklärung aus dem Senat ist vielleicht nicht die Bibel. Aber erhöhte Ansprüche an den Wahrheitsgehalt darf eine Fraktion schon erheben, wenn die Regierung ihr in der Bürgerschaft Auskunft gibt. Nun zeigt sich: Im politischen Streit um den Cito-Sprachtest für Vorschulkinder ist das Bildungsressort gegenüber dem Parlament recht lax mit der Wahrheit umgegangen. Das haben empörte Eltern entdeckt. Vorsätzliche Täuschung oder Irrtum auf Verwaltungsebene?
Blick in die Bremische Bürgerschaft.
Die Bremische Bürgerschaft schlägt im Haushalt mit 18,3 Millionen Euro zu Buche.

'Cito' heißt ein Sprachtest für Vorschulkinder am Computer, entwickelt in Holland vom privatwirtschaftlichen Centraal Instituut voor Toets Ontwikkeling, Zentrales Institut für Test-Entwicklung. Nach dem neuen Schulgesetz wird Cito seit 2009 eingesetzt bei Vierjährigen, um herauszufinden, ob ihr Sprachvermögen ausreicht, um im Grundschul-Unterricht zu bestehen. Falls nicht, wird gezielt gefördert.

Doch um den Test entspann sich bald Streit: Der Landesverband Evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder lehnte ihn als 'wertlos' für die Förderung ab, der Zentrale Elternverband ZEV kritisierte unter anderem, dass er nur Sprachverständnis teste, nicht die Ausdrucksfähigkeit.

Im Sommer wollte die CDU-Fraktion vom Senat wissen, was der Test taugt. Der antwortete: Eine Studie des Deutschen Jugendinstituts (DJI) bestätige 'die Leistungsfähigkeit des Tests in wichtigen Kriterien der Testqualität'. Es seien die 'wichtigsten Sprachfähigkeiten' repräsentiert, der Test lasse 'angemessene Voraussagen auf den weiteren Verlauf der Sprachentwicklung' zu.

'Das ist falsch', räumt jetzt Karla Götz ein, Sprecherin des Bildungsressorts. Aufgefallen ist das, weil Eltern aus der Kindertagesstätte Thedinghauser Straße nicht locker ließen. Sie prüften die Antwort des Senats Wort für Wort und stellten fest: Die Zitate sind zwar der DJI-Studie entnommen, stehen aber in keinem Zusammenhang zu Cito. Über Cito urteilt das DJI auch, aber deutlich kritischer: 'Die vorläufigen Studien zur Validität (Aussagefähigkeit, d. Red.) werfen Fragen auf.'

In einem Schreiben an SPD-Bildungssenatorin Renate Jürgens-Pieper machten die Eltern ihrer Empörung Luft: 'Es drängt sich der Verdacht auf, dass Sie ... der Bremischen Bürgerschaft, den Bremer Bürgerinnen und Bürgern und damit uns Eltern lediglich suggerieren wollten, der Test sei wissenschaftlich abgesichert.'

In der Antwort des Senats heißt es zudem, der Test werde im 'breiten Einvernehmen' auch mit den Eltern umgesetzt. Das entspreche zumindest nicht der Wahrnehmung der Elternvertreter, sagt Hans-Gerhard Schmidt, Vorstandssprecher im Gesamtelternbeirat und Beiratssprecher im Kindergarten Thedinghauser Straße. 'Wir fühlten uns sehr schlecht informiert' und teils überrollt von der Umsetzung. Das habe sich allerdings inzwischen gebessert: 'Die Behörde zeigt sich derzeit sehr aufgeschlossen.'

Karla Götz räumt den Fehler in der Senatsantwort zwar ein. Er sei der Senatorin aber erst durch die Reaktion der Eltern bekannt geworden. Es dürfe daher nicht der Verdacht aufkommen, sie habe Cito in der politischen Auseinandersetzung gezielt in ein besseres Licht rücken wollen: 'Der Fehler ist auf der Arbeitsebene passiert.' Der Verdacht, 'dass hier jemand in betrügerischer Absicht etwas verdreht hat', sei klar zurückzuweisen. Der Vorfall solle jetzt 'lückenlos aufgeklärt' werden. 'Wir werden die Bürgerschaft ausführlich informieren.' Mit den Eltern vom ZEV seien zudem 'sehr konstruktive Gespräche' im Gang. Das kritische DJI-Urteil zu Cito beziehe sich zudem auf die zweisprachige Variante des Tests, die in Bremen nicht eingesetzt wird.

Die Eltern wollen den computergestützten Cito-Test kippen oder aus ihrer Sicht deutlich verbessern. Sie befürworten eine Beurteilung der Kinder durch eine Fachkraft. Cito produziere nach den Erfahrungen 2009 zu viele Fehldiagnosen. Der Test erkenne teils schwache Kinder nicht oder attestiere Kindern Förderung, die keine bräuchten. Ein Problem sei dabei, dass viele Vierjährige noch nie an einem Computer gesessen hätten. Fast jedes zweite getestete Kind bekommt Sprachförderung.





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