Plötzlich im Parlament - Teil IV

 - 20.07.2011

Eine Stadt - zwei Meinungen

Von Anne-Christin Klare
Bremen. Noch ist Sommerpause, doch bald wird in der Bürgerschaft wieder geredet, diskutiert, gestritten und abgestimmt. Linda Neddermann sitzt dann in den Reihen der Grünen-Fraktion, Luisa-Katharina Häsler in der Opposition bei den Christdemokraten. Schon jetzt haben sie mit WESER-KURIER Online über Verkehrs-, Sozial-, und Bildungspolitik diskutiert.
Ab ins Parlament: Linda (l.) und Luisa wissen genau, was in Bremen noch besser werden muss.
Ab ins Parlament: Linda (l.) und Luisa wissen genau, was in Bremen noch besser werden muss.

Eine Diskussionsrunde mit Luisa-Katharina Häsler und Linda Neddermann ist nett. Die beiden lassen einander ausreden, wirken ruhig und sachlich. Laut und beleidigend werden sie nicht, einig sind sie sich die Grüne und die Christdemokratin trotzdem nicht. Die größten Meinungsverschiedenheiten haben sie in der Verkehrspolitik, sind beide überzeugt. Linda wünscht sich eine grüne Stadt für Radfahrer und Fußgänger. Der motorisierte Verkehr sollte möglichst um die Innenstadt herumgeleitet, Tempolimits eingeführt werden. "Klar, der ÖPNV müsste gestärkt werden", stimmt Luisa zu. Doch sie will, im Gegensatz zu Linda, den Verkehrsfluss in der Innenstadt stärken – eine gute Verkehrspolitik stärke auch den wirtschaftlichen Standort. Kein Wunder also, dass sie auch die Einführung der Phase drei der Umweltzone, die das Befahren der City nur noch mit grüner Plakette erlaubt, als „ärgerlich“ empfindet.

Deutliches Verbesserungspotenzial in der Drogenpolitik

Weniger strittig geht es beim Thema Sozialpolitik zu. Luisa hält es immer noch für sinnvoll, Bereiche des Sozialressorts mit Bereichen des Bildungsressorts zusammenlegen, um enger zusammenarbeiten zu können. Linda hält das für falsch. Die Bereiche seien zu umfassend, als dass man sie bündeln sollte, sagt sie. Deutliches Verbesserungspotenzial sehen die beiden in der Drogenpolitik und in der Stärkung der bürger-aktiven Städte Bremen und Bremerhaven. Besonders wichtig ist ihnen die Stärkung der Jugendbeiräte und der Bürgerbeteiligung.

Verbessern wollen die beiden jüngsten Abgeordneten auch die Bildungspolitik. Luisa will – so wie ihre Parteikollegin Rita Mohr-Lüllmann – den Samstagsunterricht an Schulen wieder einführen. Aber nicht generell. Es gehe darum, Schülern, die vor dem Berufseinstieg stünden, einen Förderunterricht anzubieten. Linda hält den Samstagsunterricht für absolut falsch. „Viele Schüler haben jetzt schon so wenig Zeit für Freunde und Hobbys, da sie bis zum späten Nachmittag in der Schule sind“. Genauso wenig hält sie von der christdemokratischen Überzeugung, das Unterrichtsfach „Biblische Geschichte“ aufrechtzuerhalten. „Das ist überholt“, findet sie. Sie fordert einen allgemeinen Religionsunterricht, der ein breites Allgemeinwissen über unterschiedliche Glaubensgemeinschaften vermittelt.

Was Luisa von konfessionsgebundenen Religionsunterricht hält, wie die beiden die Pisa-Ergebnisse verbessern wollen, und welche Ideen sie für die Hochstraße am Bahnhof haben, erzählen die jüngsten Bürgerschaftsabgeordneten in drei Video-Interviews.






Bremens jüngste Abgeordnete

Sie sind Anfang 20, Studentinnen und seit der Wahl 2011 Abgeordnete in der Bremischen Bürgerschaft. Linda Neddermann und Luisa-Katharina Häsler sind die jüngsten Abgeordneten der Grünen und der CDU. In unserer Serie "Plötzlich im Parlament" begleiten wir sie.