Sie sortiert noch mal ihre Unterlagen und stapelt sie sorgfältig am rechten Rand des Tisches. Linda Neddermann lehnt sich zurück und wippt ein bisschen nervös mit dem Fuß. Vor ihr liegt eine Rede zum hema "Hundeauslaufflächen". In wenigen Minuten wird Linda im Parlament sprechen – zum ersten Mal als junge Abgeordnete. Linda überfliegt noch mal die ausgedruckten Zeilen. Eine Parteikollegin kommt an ihren Tisch und drückt sie: „Viel Glück.“ Dann ist es soweit: Bürgerschaftspräsident Christian Weber bittet Linda nach vorne ans Rednerpult. Linda beginnt, souverän und mit fester Stimme. Nach den ersten Sätzen wird sie von ihrer Fraktion unterbrochen – Applaus. Die Anspannung weicht, Linda grinst. „Ich war total aufgeregt“, sagt sie später. „Aber ich bin zufrieden mit mir.“
Im Frühjahr hat sich Linda bei der Bürgerschaftswahl als Kandidatin aufstellen lassen und wurde mit 2357 Stimmen gewählt. Heute sitzt sie im Parlament. Ihre politische Laufbahn hat sie als Praktikantin bei den Grünen begonnen, kurze Zeit später wurde sie Sprecherin bei der Grünen Jugend - ehrenamtlich. Jetzt ist sie Parlamentsabgeordnete. „Die Arbeitsbedingungen haben sich natürlich verändert“, sagt Linda. "Ich bin aber dieselbe geblieben. Ich war und bin Realpolitikerin." Das, was sie durchsetzen wolle, sei realistisch und nicht idealistisch – schon immer.
Manchmal Gewissenskonflikte
Auch als Abgeordnete besucht Linda noch regelmäßig die Veranstaltungen der Grünen Jugend. „Wir treffen uns wöchentlich, diskutieren viel und planen Aktionen“, erzählt Linda. „Wir lassen uns nicht von der „altgrünen“ Partei lenken, sondern fassen selber Gedanken und bestimmen unsere eigenen Position“, steht auf der Homepage der Jugendorganisation. Für Linda, die Mitglied in der Grünen Jugend und der Mutterpartei ist, kann das zu Schwierigkeiten führen: Natürlich gebe es manchmal Gewissenskonflikte, gibt sie zu. Gerade in der Drogenpolitik vertreten ihre alten Freunde grundsätzlich andere Positionen als die Fraktionsmitglieder. Um nicht zwischen die Fronten zu geraten, hat Linda ihr ehemaliges Amt als Sprecherin der Grünen Jugend aufgegeben. Sie konzentriert sich jetzt voll auf ihren Beruf als Abgeordnete.
„Auf meine erste Rede in der Bürgerschaft habe ich mich etwa zwei Wochen vorbereitet“, sagt Linda. „Ich habe mich viel mit Parteikollegen ausgetauscht.“ Das Thema Auslaufflächen für Hunde ist für Linda eine Herzensangelegenheit. Wie in der Grünen Jugend setzt sie sich auch als Abgeordnete für den Tierschutz ein. Mit Erfolg: Der Antrag, Auslaufflächen zu schaffen, auf denen Hunde ohne Leine umhertollen können, wird mit Unterstützung von SPD und CDU verabschiedet. „Ich freue mich schon jetzt auf die nächste Rede“, sagt Linda und strahlt. Sie nimmt noch ein paar Glückwünsche von Parteikollegen entgegen und geht dann zurück an ihren Arbeitsplatz – in den Sitzungssaal der Bremer Bürgerschaft.