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Zuerst waren die Spitzenkandidaten dran: Reinhard Loske und Karoline Linnert nutzten am Mittwochabend noch einmal die Chance, die Bremer von sich und den Grünen zu überzeugen. Dann kam der Star des Abends: Jürgen Trittin, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bundestag. Wie lange er reden wolle, wisse er noch nicht, verriet er, bevor er die Bühne betrat. Wie lang seine Rede denn sei? Auch das wollte er nicht verraten. Am Pult zückte er dann einen kleinen, zwei Mal gefalteten DIN A4-Zettel.
Etwa 400 Zuschauer waren zur Stromwechselparty auf den Marktplatz gekommen. Sie begrüßten den Fraktionschef mit einem höflichen aber nicht ausgelassenen Applaus. Das steigerte sich erst während der Rede. Denn Trittin wurde laut und emotional. Seine Rede war allgemein, um Bremen ging es nur am Rande. Trittin, selbst gebürtiger Bremer, nutzte seine Redezeit, um den Zuhörern die Missstände in Deutschland, Europa und der Welt zu erklären. CDU und Co könnten diese Probleme nicht lösen, ihre Ansätze seien zynisch oder dreiste Lügen – je nachdem worum es ging.
"Wollen ist nicht gleich Können"
Viele Dinge, wie die Verkleinerung der Bundeswehr, habe die Ökopartei bereits vor 20 Jahren gefordert. Jetzt würden auch die anderen Partei zugeben müssen: „Die Grünen haben Recht gehabt.“ Die wollen doch alle so werden wie wir, erklärte Trittin und hatte damit die Lacher auf seiner Seite. Trittin nahm sich in seiner Rede eine Partei nach der anderen vor und sparte nicht mit Kritik. „Sie sind am Anfang einer Lernphase, die können das nicht so gut, wie wir.“ Die logische Konsequenz sei es also, die Ökopartei zu stärken, damit könnten richtige Entscheidungen auch tatsächlich umgesetzt werden. Denn „Wollen ist nicht gleich Können“, so Trittin.
Der CDU warf er vor, sich nicht für eine europäische Einheit einzusetzen: Grenzen dürfe es nicht mehr geben, Flüchtlinge müssten aufgenommen werden. „Die Grünen streiten für Europa und verteidigen damit das Erbe Helmut Kohls“, so seine Anklage. Trittin sprach weiterhin über Steuersenkungen und deren Folgen für Gemeinden im Allgemeinen und forderte die Einführung einer Vermögenssteuer. Und auch den Bremer Koalitionspartner SPD kritisierte er scharf. „Das Problem der SPD ist ihre Angst vor der Zukunft, sie flüchtet sich in Scheingewissheiten.“
Auch die grünen Grundsatzthemen wie den Ausstieg aus der Atomkraft und die Einführung von subventionierten Elektroautos brachte er in seiner Abrechnung zur Sprache – und stieß damit auf große Zustimmung im Publikum. „Es kommt auf die Grünen an“, so sein Fazit. Für Bremen forderte er die Wähler auf, die Grünen als zweite Kraft zu stärken. Und damit ein Signal im Bundesrat zu setzen.


