| Das Bürgerschaftswahl-Quiz » |
Nach dem offiziellen Ergebnis kommt die SPD auf 38,6 Prozent der Wählerstimmen, die sich durch das neue Wahlrecht dieses Mal aus Listen- und Personenstimmen zusammensetzen. Die Grünen erreichen als zweitstärkste Kraft im Land Bremen 22,5 Prozent, die CDU 20,4 Prozent. Als vierte Partei zieht die Linke in die Bürgerschaft ein – sie kommt auf 5,6 Prozent. Die FDP scheitert mit 2,4 an der Fünf-Prozent-Hürde und ist in der kommenden Legislaturperiode nicht mehr im Landtag vertreten. Dafür sind die „Bürger in Wut“ mit einem Abgeordneten vertreten, da sie in Bremerhaven 7,1 Prozent erreicht haben (Stadt Bremen: 3,1 Prozent).
63 Stimmen machen den Unterschied
Insgesamt haben 57 Prozent der wahlberechtigten Stadt-Bremer von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht, in Bremerhaven waren es 48,1 Prozent (Land Bremen gesamt: 55,5 Prozent). Immerhin 3,3 Prozent aller Stimmzettel waren durch fehlerhaftes Ausfüllen – zum Beispiel zu viele Stimmen, Durchstreichen aus Protest oder andere Gründe – ungültig. Wahlamtsleiterin Maren Zilm berichtete von einem Fall, bei dem auf einem Stimmzettel mehr als 160 Kreuze gemacht wurden – irgendwann hätten die Wahlhelfer aufgehört zu zählen. Es sei kein Einzelfall gewesen, dass deutlich mehr Kreuzchen gemacht wurden, als zulässig.
Rund 70 Prozent der Wähler, die es ernst meinten, sind einer Partei treu geblieben und haben ihre Listen- und Personenstimmen somit nicht aufgeteilt. Es soll aber auch Kombinationen wie Linke und NPD auf einem Stimmzettel gegeben haben. Vor allem junge Kandidaten profitierten von den Personenstimmen: So ziehen zum Beispiel die 23-jährige Linda Neddermann und die 25-jährige Marie Hoppe von den Grünen ins Parlament ein. Dass auch mal äußerst wenige Stimmen darüber entscheiden, welcher Bewerber innerhalb einer Partei in die Bürgerschaft einzieht oder nicht, wurde bei Sandra Ahrens von der CDU deutlich.
Sie bekam durch die Personenwahl das letzte Mandat ihrer Partei zugesprochen, mit zunächst 56 Stimmen Vorsprung vor Oguzhan Yazici. 56 Stimmen – das können theoretisch nur zwölf Wähler gewesen sein (mal fünf Stimmen), und so muss in einem solchen Fall noch einmal nachgezählt werden. Am Ende waren es dann 63 Stimmen Vorsprung für Sandra Ahrens, wie Jan Morgenstern aus der Geschäftsstelle des Wahlleiters berichtet.
Mehr als 500 Helfer waren bei dieser Bürgerschaftswahl 2011 teilweise im Dauereinsatz und arbeiteten sich im Auszählzentrum im ehemaligen Postamt 5 wieder und wieder durch die 24-seitigen Wahlhefte, die wegen der Komplexität die bisherigen Stimmzettel ersetzt haben. 56 Lastwagen und Transporter haben die großen Tonnen mit den Wahlheften dorthin gebracht, wo das Papier zunächst durchgezählt wurde, bevor die Helfer die Ergebnisse in rund 140 Computer eingaben. „Für uns war diese Wahl mit keiner vorherigen zu vergleichen“, sagte Landeswahlleiter Jürgen Wayand. Vorbereitung und Organisation seien eine Mammutaufgabe gewesen, mit „übermenschlichem Einsatz einiger Kolleginnen und Kollegen“. In knapp vier Jahren geht das Spiel von vorne los.