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Darüber, was Medizininformatik ist, sprach Professor Richard Rascher-Friesenhausen in der Reihe "Wissen um elf" im Haus der Wissenschaft. Seit 2003 ist er an der Hochschule Bremerhaven im Studiengang Medizintechnik Professor für Medizininformatik und kooperiert mit Fraunhofer MEVIS.
Das Institut entwickelt mit großem Aufwand und in Abstimmung mit Medizinern Algorithmen, Programme und Software für die medizinische Bildverarbeitung. "Es muss von diagnostischer Relevanz sein, und es muss von therapeutischer Relevanz sein, was dort gemacht wird", sagt der Bremerhavener Professor.
"Medizininformatik ist Informatik für die Medizin", erläutert Richard Rascher-Friesenhausen den Begriff. Systematisch werden Daten in der Medizin und dem Gesundheitswesen verarbeitet. Die Anwendung von Medizininformatik umfasst dabei alle Bereiche: von der Diagnostik bis zur Abrechnung. Sie ist nicht nur auf die Nutzung durch Arztpraxen oder Krankenhäuser beschränkt, sondern findet auch bei Krankenkassen Anwendung.
"Mit der Krankenkassenkarte hat jeder ein persönliches Stück Medizininformatik in der Tasche", sagt Richard Rascher-Friesenhausen. Auf den alten 253 Byte großen Chip der Karte passen nicht gerade viele Informationen. Der Speicherplatz reicht gerade für alle auf der Karte zu lesenden Nummern, plus Namen, Anschrift und Geburtsdatum der Karteninhaber.
Die jetzt gerade eingeführte Gesundheitskarte kann mit ihrem 64000 Byte-Chip einiges mehr. Neben den bisherigen Daten werden dann auch Rezepte elektronisch gespeichert. Aber auch die neue Karte ist vergleichsweise klein. "Das reicht nicht, um dort Bilder unterzubringen", sagt Richard Rascher-Friesenhausen über ihre Speichergröße.
Moderne medizinische Geräte können enorme Mengen an Daten über eine Person aufnehmen. In Form von Biosignalen, wie beim Elektrokardiogramm (EKG) oder dem Elektroenzephalogramm (EEG), aber auch als medizinische Bilder, wie beim CT oder der Magnetresonanztomografie (MRT). Medizininformatiker arbeiten an Programmen, die bestimmte Daten bereits während der Aufzeichnung analysieren. Eine Technik, die bei Herzschrittmachern angewendet wird.
Für klare medizinische Bilder wird ein Computer gebraucht, der die Daten umrechnet. Bei einem Ganzkörper-Spiral-CT beispielsweise werden 15000 Schichten aufgenommen. Das ist eine Datenmenge von 15 Gigabyte. Jede Schicht einzeln zu analysieren, wäre nicht möglich. Durch Medizininformatik wurden Programme entwickelt, die diese Daten in 2D-, 3D- oder sogar 4D-Bilder umwandeln können. Ein Arzt kann sich dann ein exakteres Bild von Ausmaß und Schwere einer Krankheit machen.
An der Hochschule Bremerhaven haben Studenten ein Kontrastmittel-Phantom entwickelt. In einem Projekt wollen sie mit der Nachbildung einer weiblichen Brust die Auswirkungen verschiedener Darreichungsformen von unterschiedlichen Kontrastmitteln bei der Mammografie testen und sehen, ob es Unterschiede gibt. Da so etwas nicht an Patientinnen getestet werden kann, entwickelten sie ein Modell aus einem Material mit ähnlichen MR-Bildwerten, wie eine weibliche Brust. Aber noch steht das Projekt ganz am Anfang.
All diese Techniken sollen Ärzten helfen, schneller zu sehen, worauf es ankommt. Die Techniken werden verbessert und können Hinweise geben, worauf ein Arzt noch einmal seinen Blick richten sollte. Aber von einem Computer, der einen Scan durchführt und gleich eine differenzierte Diagnose mit Behandlungsempfehlung liefert, sind wir noch weit entfernt.



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