Bremer Gruppe von Amnesty International sucht weitere Mitstreiter / Mitglieder berichten über ihre Arbeit

 - 02.02.2012

Aktion zum Schutz der Menschenrechte

Von Sandy Bradtke
Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) hat weltweit mehr als drei Millionen Unterstützer. In Deutschland setzen sich rund 650 Gruppen für Männer, Frauen und Kinder ein, die von schweren Menschenrechtsverletzungen betroffen sind. Eine kleine Gruppe in Bremen, die sich derzeit abwechselnd in Schwachhausen, Horn-Lehe, Mitte und Lilienthal trifft, beschäftigt sich derzeit mit Fällen aus Syrien und Ägypten. Die Gruppe sucht weitere Mitstreiter.

Bremen-Nordost· Bahnhofsvorstadt. Es ist der dritte Dienstag im Monat. Die Mitglieder der Amnesty-International-Gruppe (AI) 1115 haben an diesem dritten Dienstag und an allen dritten Dienstagen eines jeden Monats einen festen Termin. An diesem Abend hat sich die kleine Gruppe in der Wohnung von Simone Zeeck und Stefan Abeln eingefunden. Die beiden Studenten leben in der Bahnhofsvorstadt und gehören seit drei Monaten der Gruppe an. Vor ihrem Studium des Steuer- und Wirtschaftsrechts absolvierten Zeeck und Abeln eine Ausbildung zum Steuerfachangestellten.

Auf dem Wohnzimmertisch stehen Knabbereien, und regelmäßig macht eine Teekanne die Runde. "Ich würde heute nicht mehr auf die Gruppenarbeit verzichten wollen", sagt die Gruppensprecherin Brigitte Olk-Koopmann aus Lilienthal: "Man lernt so viel über die einzelnen Länder und es macht Spaß, sich auszutauschen." Koopmann engagiert sich neben ihrem Beruf als Literatur- und Religionswissenschaftlerin bereits seit 1983 in dem Team, das 1968 als zweite Bremer AI-Gruppe gegründet wurde. Manchmal sei es aber auch schwer, über die Schicksale von Gefangenen oder Opfern von Folter und Hinrichtungen zu lesen, sagt Olk-Koopmann. Als Gruppensprecherin steht die AI-Aktivistin im Kontakt mit der deutschen AI-Zentrale in Berlin. Von dort bekommt sie alle nötigen Informationen und bereitet diese für die Gruppe auf, die vorwiegend sogenannte Kampagnenarbeit macht.

Wenn die Mitglieder der AI-Gruppe auf der Straße Unterschriften sammelten, seien die Reaktionen der Passanten nicht immer schön, erzählt Stefan Abeln: "Das tut schon manchmal weh, wenn die Leute einfach abwinken und sagen, dass es sie nicht interessiert." Gleichzeitig findet es der Student spannend, zu erleben, welche Leute stehen bleiben und sich Zeit nehmen.

Weltweit recherchiert AI zur Menschenrechtssituation und geht mit Aktionen gegen Menschenrechtsverletzungen vor. Im Jahresbericht der Organisation ist ein Überblick über die Lage der Menschenrechte in fast allen Länder der Erde dargestellt. "Dadurch wird Öffentlichkeit geschaffen und das ist schlimm für die Länder, die die Menschenrechte missachten. Denn sie verlieren ihr Gesicht", erläutert Olk-Koopmann.

Öffentlichen Druck stellt AI vor allem mit Hilfe von Massenprotesten her. Wenn Menschenrechtsverletzungen bekannt werden, senden die Mitglieder der Organisation weltweit Briefe, E-Mails und Faxe an die zuständigen Regierungen und Behörden. "Die werden mit unseren Petitionslisten und Appellbriefen regelrecht bombardiert", sagt Olk-Koopmann. Ungefähr 35 Prozent dieser Aktionen haben nach AI-Angaben Erfolg, die Menschenrechtsverletzung werde gestoppt.

AI setzt sich für Menschen ein, die wegen ihrer regierungskritischen Haltung, ihrer Herkunft, Hautfarbe, Sprache oder Religion politisch verfolgt, gefangengehalten, gefoltert oder ermordet werden. Die Organisation fordert außerdem öffentliche und faire Prozesse.

Für Simone Zeeck haben die Unterschriftenaktionen und Briefe auch einen psychologischen Aspekt: "Selbst wenn die Betroffenen nicht freikommen, geben die Briefe den Gefangenen Kraft, weil sie merken, dass es auf der ganzen Welt Menschen gibt, die ihnen helfen." Für viele Gefangene würden sich außerdem die Haftbedingungen bessern, sobald die Fälle an die Öffentlichkeit gelangten. Zeeck: "Man sollte nicht vergessen, wie schnell man selbst betroffen sein könnte, wenn man in Länder reist, in denen es mit den Menschenrechten nicht so weit her ist." Wäre sie selbst betroffen, würde Zeeck nach eigenen Worten auch wollen, dass man ihr hilft.

Olk-Koopmann zufolge werden die Briefe, in denen die Verstöße eines Landes aufgelistet werden, nicht übersetzt. So müssten die betroffenen Regierungen Übersetzer beauftragen, was wiederum zu mehr Mitwissern führe. "Aus diesem Grund müssen Leute, die AI unterstützen wollen, auch keine Fremdsprachenkenntnisse mitbringen", sagt die Gruppensprecherin. Für die Appellbriefe, die an die Regierungen und Behörden der verschiedenen Länder geschickt werden, gebe es mittlerweile Vorlagen, erläutert Olk-Koopmann. Das habe den Vorteil, dass die Vervielfältigung schnell gehe. Allerdings seien die Briefe dadurch nicht mehr individuell. "Früher hat man sich noch hingesetzt und seine eigenen Formulierungen ausgedacht", sagt Olk-Koopmann.

Ursprünglich bestand die Bremer Gruppe 1115 aus zwölf Mitgliedern. Viele davon waren Studenten und gingen nach ihrem Abschluss in andere Städte. Nun wünschen sich die Verbliebenen, dass sie wieder Zuwachs bekommen. "Je mehr desto besser, denn dadurch gibt es auch mehr Ideen", sagt Olk-Koopmann.

"Jeder kann so viel machen, wie er möchte, und eigene Ideen mit einbringen", erzählt Andrea Wiggert aus Schwachhausen. Sie gehört der Gruppe seit 2001 an. Irmgard Laaf kam 2006 nach ihrer Pensionierung als Lehrerin dazu. "Ich wollte das schon immer machen, denn für die Menschenrechte kann nicht genug getan werden", so Laaf. Das Schöne an der Gruppenarbeit sei, dass sich die Mitarbeit nach der verfügbaren Zeit und dem Können richte, sagt Laaf: "Dadurch gerät niemand unter Druck."

Für Menschen, die helfen wollen, aber keine Zeit haben, zu den Gruppentreffen zu kommen, bietet Irmgard Laaf einen besonderen Service an: "Ich wohne in Horn und bringe jedem aus den umliegenden Stadtteilen gern Petitionslisten und Appellbriefe vorbei", sagt sie. Dazu müssten sich die Leute nur beim Bremer AI-Büro melden und nach ihrem Kontakt fragen.

Über die Möglichkeiten der ehrenamtlichen Mitarbeit hat das Bremer AI-Büro noch am gestrigen Mittwoch bei einem Treffen in seinem Raum in der Villa Ichon am Goetheplatz 4 informiert.

Weitere Informationen über die Organisation gibt es auch unter www.amnesty-bremen.de oder unter der Telefonnummer 327937 montags, dienstags und mittwochs jeweils von 17 bis 19 Uhr. Kontakt zur AI-Gruppe 1115 vermittelt die Lilienthalerin Brigitte Olk-Koopmann, Telefon 04298/ 465894.





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