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Ganderkesee. Als ob Prinz Volker I. (Kreye) der musikalischen Vielfalt des Abends eine eigene Facette hinzufügen wollte, hatte er für die Generalprobe am Mittwochabend in der Festhalle am Steinacker das Elvis-Kostüm gewählt. Seine Prinzessin Jana I. (Westermann) sowie die vier Ehrendamen Janna, Katharina, Franziska und Pia erschienen in gepunkteten Kleider im Stil der 50er Jahre als seine Groupies. Das Kinderprinzenpaar Karim I. (Chouchane) und Gesa II. (Bücking) ließ sich zur Generalprobe von Tim Burtons Film "Charlie und die Schokoladenfabrik" inspirieren, wobei Karim als Charlie und Gesa als Schokoladenfabrikant Willy Wonka in die Halle marschierten. Die offiziellen Festgewänder der Majestäten werden bekanntlich erst bei der heutigen Büttenabend-Premiere präsentiert.
Besuchern sei an dieser Stelle auch aus einem anderen Grund ein pünktliches Erscheinen dringend angeraten. Denn wer zu spät kommt, der verpasst einen der gelungensten Programm-Auftakte der vergangenen Jahre. Die beiden Tanzmariechen Gina Sperling und Alicia Gold, die bereits beim Faschingsauftakt in Immer ihr Debüt gaben, zeigen, dass sie in der Zeit seit dem 11. November intensiv trainiert haben. Ihr Auftritt kam schon am Mittwochabend so gut an, dass bereits die Beobachter der Generalprobe eine Zugabe forderten.
Ansonsten kommen im ersten Teil des Abend erstmal die Schlagerfreunde auf ihre Kosten: Der Spielmannszug erinnert daran, dass eine neue Liebe wie ein neues Leben ist, und dazu passt folgerichtig: "Schatzi, schenk mir ein Foto." Im Anschluss singen die Ex-Prinzenpaare den Faschingsschlager der Saison "Ja, das ist prima", der aus der Feder von Urgestein Werner Lüdeke stammt und diesmal von Petra Hubmann-Lübbe betextet wurde.
Doch schon mit dem Auftritt der "Ladykracher" wird es rockiger, wobei die neue Sängerin Lena Fronczak der Musik von Van Halen ("Jump") und Beth Ditto eine leicht soulige Note verleiht. Spektakulär am Auftritt der Ladykracher sind auf jeden Fall die Medusa-Kostüme, in denen sie auch beim Umzug durchaus Chancen auf eine Prämierung hätten. Die Rot-Blaue Garde bewegt sich zu Amii Stewarts Soul-Klassiker "Knock on Wood" musikalisch in einem ähnlichen Fahrwasser.
Starke Tänze und Sänger
Als erster Redner tritt "Schreiberling" Hergen Schelling in die Bütt, der sich diesmal des Themas Klimawandel angenommen hat. Da liegen Seitenhiebe in Richtung Nachbarstadt Delmenhorst auf der Hand: "Die Welt wird wärmer, sie wird nasser, Delmenhorst steht schon im Wasser. Vielleicht ist bald ja gar kein Land mehr da, wo Delmenhorst mal stand. Wer erzählt denn dann so'n Mist, dass Klimawandel schädlich ist...", lästert Schelling, nicht ohne später jedoch auch noch leidenschaftlich über den Saunabau in Ganderkesee und die "Wetterderivate" herzuziehen.
Eine echte Neuentdeckung versteckt sich beim Tanz der "Lollipops" am Bühnenrand: Mit welcher Präsenz und Leichtigkeit Sänger Philipp Mehrtens gemeinsam mit Uta Seidel und Christina Everts Robbie Williams' "Let Me Entertain You" singt, ist schwer beeindruckend. Dazu setzen die Lollipops in einer mit Hebefiguren gespickten Choreographie auch in tänzerischer Hinsicht Akzente. Man muss es so deutlich sagen: Mehrtens, inzwischen Schwager von Lollipops-Chefin Kirstin Rohlfs, ist eine absolute Lichtgestalt. Eine bessere Gesangsdarbietung haben die Ganderkeseer Büttenabende vielleicht noch nie erlebt. Das ist allerdings auch nicht wirklich verwunderlich, blickt der ausgebildete Sänger auf eine professionelle Showbiz-Karriere zurück. Ende der 90er Jahre war er Mitglied der Bremer Boygroup "First Love", die mit dem Song "Freaky" immerhin einen Top-30-Hit in Deutschland hatte. Letztlich floppte das Projekt des Produzenten Jack White zwar, doch immerhin tourte Mehrtens schon im Vorprogramm von
Pink, Anastacia und Britney Spears durch die USA. Da ist Lena Fronczak mit ihrem Nena-Medley direkt im Anschluss ein bisschen unglücklich platziert, auch wenn sich die Newcomerin aus Delmenhorst allein auf der großen Bühne wacker schlägt.
Torge Kublank als "Baron von Ganterteich" poltert wieder über die kommunale wie nationale Politik, wobei er sich erneut ein paar Gags unter der Gürtellinie erlaubt, die durchaus an der Grenze des guten Geschmacks sind. Aber dafür liebt ihn das Ganderkeseer Publikum. Unmittelbar vor der Pause feiert mit dem Dance Center aus Delmenhorst eine neue Tanzgruppe ihre Büttenabend-Premiere: Die sechs Tänzerinnen unter der Leitung von Andrea Leifholz entführen das Publikum mit einem ABBA-Medley in die 70er Jahre..
Fast schon traditionell eröffnet die Band Querbeat den zweiten Teil des Programms. Diesmal präsentiert sich das wandlungsfähige Quintett um Bassmann Thomas Fleischer unter dem Spider-Murphy-Motto "Mir san a bayerische Band" in Krachledernen und Karohemden. Bernhard Jürgens als "Buur ut Twistern" gilt als einziger Redner, der aufgrund seines kräftigen Organs auch in der zweiten Halbzeit noch mühelos durchdringt. Die Grüne Garde ist mit einem neuen Gardemajor (Malte Bross) und einem neuen Funkenmariechen (Mandy Würdemann) dabei. Schon allein größentechnisch werden die beiden Nachwuchstänzer in den kommenden Jahren sicher noch reichlich Gelegenheit haben, in die Gruppe hineinzuwachsen. Unterstützt von zwei tanzenden Affen wagt die Männergarde im Anschluss einen Ausflug nach Schottland, bei dem auch die Frage, was die Herren unter dem Schottenrock tragen, nicht unbeantwortet bleibt.
Einen Parforceritt durch die (Hard)rock-Geschichte von Deep Purple über AC/DC bis zu den Rolling Stones bieten zum Abschluss die Bookhorn Allstars: Dabei wagt sich Sänger Michael Pleus auch an Stücke, die stimmlich durchaus ambitioniert sind.
Insgesamt erwartet die Besucher ein Büttenabend, der nicht ganz so lang ist wie in vergangenen Jahren, aber mit neuen Gesichtern Perspektiven für die Zukunft des Ganderkeseer Faschings bietet. Um die braucht man sich nicht zu sorgen, wenn es gelingt, die interessanten Neuzugänge bei der Stange zu halten.



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