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Wir starten vom Bootssteg des Kanuclubs Hanseat direkt an der Wümme und kommen nach gut drei Stunden gemütlicher Paddeltour dort wieder an. Von der unteren Wümme aus geht es über den Torfkanal Semkenfahrt durch die Kleine Wümme, vorbei am Stadtwaldsee bis zum Haus am Walde, dann über den Kuhgraben und über die Schleuse Kuhsiel zurück in die Wümme.
Es ist mit rund zwölf Kilometern der kürzeste Rundweg, den das Blockland zu Wasser zu bieten hat und ist unter Rennsportkanuten auch als "kleine Trainingsstrecke" bekannt. Das Gute an der Tour: Wir können in beide Richtungen starten und sind damit unabhängig von der Tide. Ein weiterer Vorteil: Das lästiges Boote verholen und die Fahrerei zwischen Startpunkt und Ziel entfallen. Und geübte Kanuten schaffen die Runde locker in eineinhalb Stunden.
Erholung und Entspannung erwarten uns am Sonntagnachmittag. Der Duft von Kamillepflanzen entspannt angestrengte Gemüter. Wildkräuter am Rande des Ufers sorgen für eine Aromatherapie ganz nebenbei. Insgesamt betrachtet ist die Tour allerdings eher ein wenig verwunschen. Gerade Ziehwege bestimmen einen Großteil der Strecke. Das kurze Stück auf der kurvenreichen Wümme ist ein Highlight der Tour, das blumige Ufer der Semkenfahrt ein weiteres.
Im Oberblockland starten wir auf der Wümme in Richtung Ritterhude. Der Fluss schlängelt sich durch ein Blumenmeer. Hausdächer am Ufer lugen wie kleine Zipfelmützen aus Stockrosen, Hortensien und wildgewachsenen Büschen hervor. Ab und zu winkt jemand vom Ufer aus. Ansonsten ist es einsam und ganz, ganz still. Nach gut eineinhalb Kilometern biegen wir links ab und kommen zum Anleger in Höhe der Schleuse Gartelmann. Wanderwart Jürgen Schweichler und Hartmut Rebers vom Kanu-Club Hanseat tragen gemeinsam die Kajaks um. Wer mag, kann hier schon eine Pause in Gartelmanns Gasthof einlegen.
Ufer wie Bergwiesen
Es sind nur knappe 100 Meter bis zur nächsten Einstiegstelle auf der anderen Seite des Deiches. Die Boote tauchen in das seichte Wasser der Semkenfahrt ein. Der Graben, der einst den Torfschiffern gehörte, führt uns bis zur Müllverbrennungsanlage. Er ist vielen vom Schlittschuhlaufen bekannt. Im Sommer gleicht sein Ufer einer Bergwiese. Bunte Blumen wuchern in den Kanal hinein und verströmen einen leicht-süßlichen, unaufdringlichen, herrlich frischen Duft. Die Semkenfahrt führt anfangs durch ein Kleingartengebiet. Sie ist ab Juli befahrbar, vom 15. März bis zum 30. Juni ist der Graben während der Brutzeit gesperrt. Im Winter hat der Bremer Eisverein die Flächen rund herum gepachtet.
Wir paddeln lang und ruhig durch den Kanal. An einem kleinen Wiesenstau nach knapp 500 Metern müssen wir die Boote noch einmal umtragen - und finden eine schöne Picknickstelle und eine Blumenwiese wie aus dem Bilderbuch. Aus den anliegenden Kleingärten winken Kinder. Kurzzeitig wird die angenehme Stille unterbrochen vom Lärm der Autobahn. "Wo wollen die bloß alle hin, hier ist es doch so schön?", fragt sich Hartmut Rebers.
Als langjähriges Mitglied des Kanuclubs an der Wümme, kennt Rebers die Strecke wie seine Westentasche. Er erinnert sich an Zeiten in den 70er-Jahren, als die Wasserstraßen beliebte Ausflugsziele waren. Wir passieren die Autobahnbrücke der A27 in Richtung Bremerhaven und tauschen wilde Romantik gegen industriellen Vorstadtcharme, rechter Hand ist die Müllverbrennungsanlage zu sehen.
Die Kleine Wümme führt zu einer Selbstbedienungsschleuse. Jürgen Schweichler steigt über eine kurze Leiter aus. Wir anderen fahren in die Schleuse hinein und werden eine Etage höher gekurbelt. Rechter Hand geht es in den Torfkanal Richtung Findorff, wir halten uns weiterhin geradeaus auf der Kleinen Wümme. Linker Hand befindet sich der Stadtwaldsee, den wir allerdings nicht vom Boot aus sehen können. Die Kleine Wümme ist an dieser Stelle zehn Meter breit und wenig befahren. Ein älteres Ehepaar in einem Zweier grüßt freundlich, ansonsten sind keine weiteren Boote anzutreffen. "Paddeln scheint ein bisschen aus der Mode geraten zu sein", überlegt Hartmut Rebers. "Früher war hier mehr los."
Am Haus am Walde passieren wir eine kleine Fußgänger- und Radfahrer-Brücke und fahren links in den Kuhgraben. Rechter Hand befindet sich ein Holzsteg. Bänke und Tische am Ufer sind optimal für ein Picknick. Nach kurzer Stärkung lassen wir die Boote wieder zu Wasser und haben nun die drei langweiligsten Kilometer der Strecke vor uns: den Kuhgraben - glücklicherweise ohne Gegenwind. Am Ende der Geraden die Belohnung: die Schleuse Kuhsiel.
Die Selbstbedienungsschleuse ist ein weiteres Highlight der Tour. Über eine meterhohe Leiter gelangen wir zum Schleusen-Cockpit und bedienen die roten und grünen Knöpfe nach schriftlich vorliegender Anweisung des Deichverbandes. Ein riesiger Spaß! Schleusenklappen senken und heben sich, Wasser läuft in die Schleuse. Die Boote gleichen kleinen Papierschiffchen in einer Badewanne, die mit Wasser gefüllt wird. Am Ende hebt sich die Schleusenklappe, und es geht noch ein kleines Stückchen flussabwärts zurück zum Ausgangspunkt. Das Niedrigwasser legt am Ufer malerische Sandbänke frei. Am Steg wird Kaffee getrunken.
Wir atmen noch einmal tief durch - und stürzen uns anschließend in den Trubel am Deich.



Regenwahrscheinlichkeit:



