Der erste Bremer Wassersportverein, der sich im Blockland niederließ, feiert Jubiläum im Bootshaus Kuhsiel

 - 02.09.2011

Segelverein "Wümme" 100 Jahre alt

Von Jutta Barth
Blockland. Auch wenn die Stadt in den vergangenen hundert Jahren immer näher gerückt ist, so ist das Blockland weiterhin eine herrliche Landschaft. Dort hat sich einst auch der erste Bremer Wassersportverein niedergelassen hat. Jetzt konnten die Mitglieder auf die 100-jährige Geschichte des Segelvereins "Wümme" zurückblicken.

Gefeiert wurde das Jubiläum im Bootshaus Kuhsiel mit vielen Gästen, darunter Abordnungen der benachbarten Wassersportvereine, der Freiwilligen Feuerwehr Lehester Deich, der Wasserschutzpolizei sowie Stammgäste vom Kanu-Club Rönnebeck, Vertreter des Landeskanuverbandes Bremen sowie die Schiffsmodellbauer aus dem eigenen Hause.

Zum Jubiläum wurden auch treue Mitglieder geehrt. Die goldene Ehrennadel für 50 Jahre Mitgliedschaft erhielt Dieter Tarnowsky. Bernd und Dörte Meyer sowie Wolfgang Sauer können auf eine 40-jährige Mitgliedschaft zurückblicken.

In seiner Festansprache blickte Vorsitzender Werner Lehmann zurück auf die 100-jährige Vereinsgeschichte. Auf den Blocklandgewässern gab es bis zur Gründung des Segelklubs "Wümme" 1911 noch keinen organisierten Wassersport. Damals verkehrten auf Wümme, Hamme, St.-Jürgen-Kanal, Wörpe und Semkenfahrt hauptsächlich Torfschiffe. Zum Torfverkauf segelten die Torfschiffer auf der Hamme in Richtung Bremen und zurück zu den Moordörfern. Auf ihren Wegen mussten zahlreiche Stauwerke überwunden werden. Davon betroffen waren auch die Segler, die sich später zu einer Gemeinschaft zusammenschlossen, um gemeinsam die Hindernisse zu bewältigen zu können.

Aus einer solchen Gemeinschaft heraus beschlossen vier sportbegeisterte Segler am 23. August 1911, den " Segelklub Wümme" zu gründen. Maßgeblich beteiligt waren Hermann Wedermann und Hermann Beckröge. Die erste Vereinsanlage entstand 1912 an der Munte zwischen dem heutigen Hotel und der Bahnstrecke. Der Verein hatte zwar einen kleinen, aber immerhin eigenen Hafen. Der Segelklub bestand im Jahr der Gründung nur aus wenigen Mitgliedern. Das änderte sich jedoch bald, denn kurze Zeit später erlebte der Wassersport im Blockland einen ungeahnten Aufschwung.

Weil der Anmarsch über den Kuhgraben zeitraubend und aufwendig war, entstand bald der Gedanke, in Kuhsiel ein Bootshaus zu errichten. Für jeweils 25 D-Mark erwarben die Mitglieder Bausteine, um den Bau zu finanzieren, und mit viel Eigenleistung entstand 1926 das heutige Bootshaus.

Der Klub wurde bald darauf in "Segelverein Wümme" umbenannt. Das 50 Jahre alte Vereinsschild ist im Frühjahr dieses Jahres durch einen Sturm vom Bootshaus heruntergerissen worden. So war es für die Vereinsmitglieder jetzt eine Überraschung, als der Schiffsmodellclub Bremen zur Feier des Tages ein neues Schild enthüllte.

Als 1965 das Schöpfwerk für die Entwässerung Bremens gebaut wurde, erhielt der Verein überraschend einen neuen Wasserlauf direkt hinter dem Bootshaus und damit auch eine neue Steganlage. Seit dieser Zeit ist der Segelverein "Wümme" der einzige Verein seiner Art, der auf einer Insel beheimatet ist. Weil das umliegende Revier den Segelsport nicht mehr zuließ, suchten sich die Segler des Vereins eine neue Bleibe in Hasenbüren. Übriggeblieben sind von den einstigen vielen Seglern nur fünf Boote. Eines davon gehört Werner Borchers. Er kam zur Feier des Tages mit seinem Segelboot extra von Hasenbüren herüber.

Sein Boot musste er am Ufer der Wümme festmachen, weil es mit 1,35 Metern Tiefgang keine Chance hat, durch die Schleuse in den nur einen Meter tiefen Kuhgraben zu gelangen. Die Schleuse war es auch, die dem Verein 1993 die größte Sorge bereitete. Nachdem sie sich nicht mehr öffnen ließ, hieß es, sie würde nicht mehr repariert werden. Alle größeren Boote wurden damals mit einem Tieflader vom Kuhgraben zur Wümme gebracht. Damit hatte der Verein etliche Vereinsmitglieder verloren, die auch nicht wiederkamen, als die Schleuse dann doch noch repariert wurde.

Als die neue Schleuse 1997 eingeweiht wurde, war die Vereinsanlage bis auf ein paar Paddelboote leer. Die Gewinnung von neuen Vereinsmitgliedern erwies sich als schwierig. Junge Leute waren für den Sport des Wasserwanderns kaum zu begeistern. Der Verein zählt heute 65 Mitglieder, die Jüngste ist 23, Ehrenmitglied Hermann Tesch ist mit 88 Jahren der Älteste. Mit seinem Schiff "Ottchen Alldag" Baujahr 1960, ist er schon über 40 Jahre im Verein. "Früher bin ich oft bis Bederkesa gefahren", erzählt er. Heute begleitet ihn sein Sohn auf seinen Fahrten.

Schiffsmodellclub zog mit ein

Neu belebt wurde das Vereinsgelände im Jahr 2000, als der Schiffsmodellclub (SMC) mit in das Bootshaus einzog. Von den 65 Mitgliedern ist etwa die Hälfte aktiv dabei, wenn sie sich jeden Mittwoch um 19 Uhr treffen. Dann werden Schiffsmodelle gebastelt, die einmal im Jahr an der großen Veranstaltung am Achterdieksee teilnehmen. Vom 16. bis 18. September ist es wieder soweit. Für drei Tage schlagen dann rund 120 Teilnehmer dort ihre Zelte auf und führen ihre Schiffsmodelle vor.

Bei der Jubiläumsfeier bastelten die SMC-Mitglieder mit den Kindern eine ganze Flotte Minisegelschiffe, die sie anschließend gemeinsam ins Wasser ließen. Die Modelle schwammen fast so gut wie das "MS Kuhsiel" von Dörte Meyer, das im ganzen Umkreis älteste Motorboot aus dem Jahre 1925. "Es braucht einen Liter Diesel pro Stunde", erklärt Dörte Meyer beim Ablegen zu einer Rundfahrt um die Insel. Zurück an Land erwartet die Gäste bereits der Shanty-Chor Beckedorf, der nach dem morgendlichen Regen für richtig gute Laune bei Kaffee und Kuchen sorgt.

Der elfjährige Finn ist mit seinem Freund Djenis gekommen. Beide sind oft mit den Eltern am Bootshaus, die einen großen Kanadier haben, und lassen ihre Schiffsmodelle fahren. Finn hat auch ein eigenes Kajak, mit dem die beiden Jungs gerne mal die Umgebung erkunden. Dabei können sie viele Tiere beobachten und manchmal auch einen schönen Sonnenuntergang. Beide haben auch schon mal eine Kajaktour zu zweit zum Hof Kaemena gemacht, um dort ein Eis zu essen. "Für Stadtkinder ist der Segelverein eine tolle Möglichkeit, die Natur und die schöne Landschaft hautnah zu erkunden", sagt Stephanie Wolter-Rebihic, die Mutter von Djenis.

Vieles hat sich in den Jahren verändert, das Vereinsleben aber funktioniert. Alle sind dabei, wenn es heißt "Klar Schiff machen, es geht los!". Die Motorboote tuckern langsam durch Wümme, Lesum und Weser. Und die Paddler erleben beim fast lautlosen Dahingleiten durch die Wiesen die Natur hautnah.





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