Johannes Rehder-Plümpe referiert in Borgfeld über Entstehung und Bedeutung der Findorff-Moordörfer

 - 28.01.2012

Blick zurück in die Siedlungsgeschichte

Von Sabine von der Decken
Auch im vierten Jahr des Arbeitskreises Dorfgeschichte(n) gehen dem Bürgerverein Borgfeld die Themen nicht aus. Das belegte die erste Veranstaltung dieses Jahres eindrucksvoll. Johannes Rehder-Plümpe referierte über die Entstehung der Findorff-Siedlungen im 18. Jahrhundert.

Borgfeld. Wie sind die Findorff-Siedlungen im 18. Jahrhundert eigentlich entstanden? Als Co-Autor des im Temmen-Verlag erschienenen Buches "Die Findorff-Siedlungen im Teufelsmoor bei Worpswede"gab Johannes Rehder-Plümpe bei der jüngsten Veranstaltung des Arbeitskreises Dorfgeschichte(n) in der Reihe zur Geschichte Borgfelds Antworten. Rehder-Plümpe erläuterte die Struktur der Findorff-Siedlungen und deren Gebäude.

Mit vielen bislang unveröffentlichten Fotografien und Kartenmaterial verdeutlichte Rehder-Plümpe die besonderen Merkmale der zwischen 1750 und 1828 gegründeten Findorff-Siedlungen zwischen Hamme, Wümme und Oste. "Charakterisiert werden diese Siedlungen durch einen Schiffsgraben, den Kommunikationsdamm und die etwa 50 Morgen große Moorbauernstelle", so Rehder-Plümpe. Auch die Anpflanzung von Birken am Schiffgraben, die dem Damm die nötige Stabilität verleihen, sei typisch für diese Ansiedlungen. Bei den Straßen im Moor, auf denen die Pferdefuhrwerke tiefe Rillen hinterließen, handelte es sich nur um aufgeschüttete Dämme.

Auf einem Netz von Entwässerungsgräben und -kanälen beförderten Torfschiffe und -kähne unterschiedlicher Größe den Torf der Moorbauern nach Bremen. Nicht nur Moorbauernstellen, auch kleine Werften, auf denen die Torfschiffe gebaut wurden, waren laut Rehder-Plümpe typisch für die Region. Eine dieser Werften ist noch heute in Schlussdorf zu sehen: Etwa 700 Torfschiffe wurden dort gebaut.

Mühevolles Leben

Sowohl zur Entwässerung, als auch zur Sicherung ihrer Existenz stachen die Moorbauern den Torf ab und verkauften ihn. Der Vortrag verdeutlichte das mühevolle Leben der Menschen, die vor 1850 die Kähne noch über die Deiche ziehen mussten, um sie über den kleinen Schiffgraben in Hamme und Wümme Richtung Bremen zu bringen.

Ziel der Moorkolonisation durch Jürgen Christian Findorff (1720-1792) war es, das Moor zu entwässern und das Land urbar zu machen. 1820, nach fast einem Jahrhundert schwerster Arbeit, waren allerdings nur etwa 20 Prozent der Moorfläche landwirtschaftlich nutzbar, fasste Rehder-Plümpe die Entwicklung der Moorkolonisierung zusammen.

Ostersode ist das erste Dorf, dessen Gründung auf Findorff zurückgeht. Aber auch die nach 1800 entstandenen Bebauungen unterliegen noch dessen Einfluss, beruhen sie doch auf den von Findorff angefertigten Plänen. Insgesamt 68 Dörfer in der Region stehen mit dem Moorkolonisator in Verbindung, berichtete der Referent. Auch heute noch ist die Struktur der von Findorff geplanten Dörfer erkennbar.

Zu den Aufgaben der Bauern gehörte nicht nur die Entwässerung und der Ausbau des Schiffsgrabens, sondern auch der Bau einer Zweifach-Hofstelle. Die von Johannes Rehder-Plümpe gezeigten Fotos zeugen von noch bis ins Jahr 1937 existierenden Nurdachhäusern, die zu den ersten einfachen Unterkünften im Moor zählten.

Am meisten von den Strukturen der alten Siedlungen sei heute noch in Eickedorf zu sehen, so Johannes Rehder-Plümpe, der mit seinem Vortrag die Hoffnung verband, dass dieses Kulturerbe erhalten bleibt.





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