| Das Wilhelm Kaisen-Quiz » |
Mit vielen bislang unveröffentlichten Fotografien und Kartenmaterial verdeutlichte Rehder-Plümpe die besonderen Merkmale der zwischen 1750 und 1828 gegründeten Findorff-Siedlungen zwischen Hamme, Wümme und Oste. "Charakterisiert werden diese Siedlungen durch einen Schiffsgraben, den Kommunikationsdamm und die etwa 50 Morgen große Moorbauernstelle", so Rehder-Plümpe. Auch die Anpflanzung von Birken am Schiffgraben, die dem Damm die nötige Stabilität verleihen, ist typisch für diese Ansiedlungen. Bei den Strassen im Moor, in denen die Pferdefuhrwerke tiefe Rillen hinterließen, handelte es sich nur um aufgeschüttete Dämme.
Auf einem Netz von Entwässerungsgräben und -kanälen beförderten Torfschiffe und- kähne unterschiedlicher Größe den Torf der Moorbauern nach Bremen. Nicht nur Moorbauernstellen, auch kleine Werften, auf denen die Torfschiffe gebaut wurden, waren typisch für die Region, so Rehder-Plümpe. Beispiel für eine dieser kleinen Werften ist noch heute in Schlussdorf zu sehen, hier wurden etwa 700 Torfschiffe gebaut. Sowohl zur Entwässerung, als auch zur Sicherung ihrer Existenz gruben die Moorbauern den Torf ab und verschifften ihn nach Bremen.
Rehder-Plümpe verdeutlichte in seinem Vortrag das mühevolle Leben der Moorbauern, die noch vor 1850 die Kähne über die Deiche ziehen mussten, um sie über den kleinen Schiffgraben in Hamme und Wümme Richtung Bremen zu bringen. Noch bis in die 60er-Jahre des 20.Jahrhunderts war der alte Kuhgraben entlang der Parkallee zu sehen, der im Torfhafen am Dobben endete. Ziel der Moorkolonisation durch Jürgen Christian Findorff (1720-1792) war es, das Moor zu entwässern und das Land durch Kolonisten urbar zu machen. 1820, nach fast einem Jahrhundert schwerster Arbeit, waren allerdings nur etwa 20 Prozent der Moorfläche landwirtschaftlich nutzbar, fasste Rehder-Plümpe die Entwicklung der Moorkolonisierung zusammen. Ostersode ist das erste Dorf, dessen Gründung auf Findorff zurückzuführen ist. Aber auch die nach 1800 entstandenen Bebauungen unterliegen noch dessen Einfluss, beruhen sie doch auf den von Findorff angefertigten Plänen.
Insgesamt 68 Dörfer in der Region stehen mit dem Moorkolonisator in Verbindung. Auch heute noch ist die Struktur der von Findorff geplanten Moordörfer erkennbar, gutes Beispiel hierfür ist Ostersode.
Zu den Aufgaben der Bauern gehörte nicht nur die Entwässerung, der Ausbau des Schiffsgrabens, sondern auch der Bau einer Zweifach-Hofstelle. Die von Johannes Rehder-Plümpe gezeigten Fotografien zeugten eindrucksvoll von noch bis 1937 existierenden Nurdachhäusern, die zu den ersten einfachen Unterkünften im Moor zählten.
Am meisten von den Strukturen der alten Findorff-Siedlungen, bestehend aus Graben, Baumreihe und Klinkerstrasse, ist heute noch in Eickedorf zu sehen, beschloss Rehder-Plümpe den Vortrag und verband damit die Hoffnung, dass dieses Kulturerbe erhalten bleibt.
"Die Findorff-Siedlungen im Teufelsmoor bei Worpswede", Edition Temmen, 24,90 Euro.



Regenwahrscheinlichkeit:



