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Borgfeld. Klaus Meyer bringt eigentlich so schnell nichts aus der Ruhe. Doch jetzt ist der stellvertretende Leiter der Borgfelder Grundschule sichtlich in Fahrt - seit die Liste mit den möglichen Standorten für offene Ganztagsgrundschulen bekannt ist. "Diese Entscheidung ist eine Katastrophe", sagt Meyer. Die Grundschule Borgfeld wird auf der Liste von Bildungssenatorin Renate Jürgens-Pieper nicht genannt. Wohl aber die Grundschule Am Borgfelder Saatland. Beantragt hatten beide Einrichtungen den Status der offenen Ganztagsschule.
15 Bremer Grundschulen standen ursprünglich auf der Liste. Doch dann entbrannte zwischen den beiden Koalitionsparteien ein Streit um die Einführung der Ganztagsschulen. "Ich habe mich darüber geärgert, dass die Bürgerschaftsfraktion der Grünen da reingegrätscht ist", sagt Borgfelds Beiratssprecher Gerd Ilgner (SPD). "Aus 15 offenen Ganztagsschulen sind letztlich nur zehn geworden. Dabei ist die zweite Borgfelder Grundschule auf der Strecke geblieben", resümiert der Beiratssprecher enttäuscht. Dass jetzt an einem Standort mit gleichen Voraussetzungen nur ein Angebot geschaffen werden soll, gehe nicht. Beide Schulen würden jeweils mehr als 40 Kinder durch den pädagogischen Mittagstisch betreuen. "Das zeigt schon den Bedarf", so Ilgner. Hinzu komme, dass an beiden Schulen die Eltern, Kollegien und Schulleitungen mit Tatkraft auf die offene Ganztagsschule hingearbeitet hätten. "Und nun bleibt deren Arbeit auf der Strecke", klagt Ilgner.
Alle im Borgfelder Beirat vertretenen Parteien hatten die Bildungssenatorin im Januar einmütig aufgefordert, noch dieses Jahr zwei offene Ganztagsschulen im Stadtteil zu schaffen. Entsprechend fallen jetzt auch die Reaktionen aus. "Nach Ansicht der Borgfelder Grünen muss die Bildungsbehörde die Festlegung der Ganztagsschulen in erster Linie nach dem Bedarf treffen. Und der kann in Borgfeld nicht von einer Grundschule alleine gedeckt werden", gibt Rainer Filser die Position der Grünen wieder. In Borgfeld sei "die Zahl der Kinder zwischen fünf und sechs Jahren in den vergangenen 15 Jahren von 50 auf 135 sprunghaft angestiegen", während die Zahl in ganz Bremen von 5175 auf 4292 gefallen sei, rechnet Filser vor. "Die jungen Familien in den Borgfelder Neubaugebieten, die diesen Zuwachs begründen, haben entsprechend Betreuungsbedarf." Die Borgfelder Grünen rechnen nun mit "großen Protesten" der Eltern. Das erwartet auch Ralf Behrend, Sprecher der CDU-Fraktion. In Borgfeld würden viele
Alleinerziehende leben sowie Eltern, "die auf eine doppelte Erwerbstätigkeit angewiesen sind", sagt Christdemokrat Karl-Heinz Bramsiepe. Seit Jahren gebe es hier einen Bedarf für ein offenes Ganztagsangebot.
Barbara Claussen, Schulleiterin der Borgfelder Grundschule, verweist zudem auf die Prioritätenliste der Bildungsbehörde. Die Grundschule Borgfeld steht dort - hinter der Shule am Borgfelder Saatland - an dritter Stelle. "Katastrophal" nennt ihr Kollege Klaus Meyer die Entscheidung, nur eine Borgfelder Schule zu nominieren. "Und dann auch noch die falsche", fügt er hinzu, was Meyer nicht als Konkurrenzkampf verstanden wissen will. "Es geht hier um die Not der Eltern, ihre Kinder unterzubringen. Und die delegiert man jetzt an eine Schule, die keine Räume hat." Die Borgfelder Grundschule frage sich, nach welchen Kriterien die Entscheidung getroffen wurde. Barbara Claussen: "Wir könnten im Sommer sofort loslegen." Es gebe eine Aula, zwei Küchen, zwei Betreuungsräume und fünf Fachräume mit eingerichtetem Forscherlabor und Computerraum
Die fehlenden Räume mag Kerstin Kinner, Leiterin der Schule am Borgfelder Saatland, nicht bestätigen. Die Fleetstube des benachbarten Stiftungsdorfes, das mit der die Schule kooperiert, biete viel Kapazität, sagt Kinner. "Dort ist unsere Mensa, in der 60 Kinder gleichzeitig essen können." Sie sei froh über die Entscheidung der Bildungsbehörde. "Wir kämpfen seit über anderthalb Jahren dafür und haben als erste Schule den Antrag gestellt", sagt sie.



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