Liliane Skalecki und Biggi Rist haben ihren ersten Krimi geschrieben / Lesungen in Borgfeld und Worpswede

 - 09.02.2012

Mordspur führt in dunkle Vergangenheit

Von Ulrike Schumacher
Manchmal kommen Menschen beim Reiten auf ungewöhnliche Ideen. Liliane Skalecki und Biggi Rist inspirierte ihr Hobby zu ihrem ersten gemeinsamen Kriminalroman. Montag wird er erscheinen. Die Handlung führt den Leser auch an den Rand der Wümmewiesen.

Borgfeld. Hölzle heißt er, Vorname: Heiner. Wenn er denkt, klingt das schwäbisch. Gemütlich und sanft ziehen ihm die Worte durch den Kopf. Zu seinem Job will das so recht nicht passen. Zu der brutalen Realität, die ihn jetzt wieder auf den Plan ruft. In einem Wassergraben auf einem Reiterhof am Rande Bremens wurde die Leiche der jungen Russin Sonja Achmatova gefunden. Ein Fall für Kriminalkommissar Heiner Hölzle. Es ist sein erster überhaupt. Hölzle hat gewissermaßen erst das Licht der Welt erblickt.

Der Schwabe, den es aus Liebeskummer nach Bremen verschlagen hat, ist eine Erfindung der beiden Autorinnen Liliane Skalecki und Biggi Rist. Hölzle ist die zentrale Figur in ihrem Bremen-Krimi "Schwanensterben", der am Montag auf den Markt kommt und der ein Stück präzise recherchierte Bremer Geschichte mit einer spannenden Handlung verknüpft, erzählen die beiden Frauen. Inspiriert wurden sie zu ihrem ersten Kriminalroman just dort, wo die Beamten im Buch die Leiche aus dem Wasser ziehen: auf dem Reiterhof am Rande der Wümmewiesen.

Dort sind sich die beiden Frauen vor ein paar Jahren zum erstenmal begegnet. Sie haben sich angefreundet, und irgendwann wurde aus einer "Frühstücks-Kaffee-Prosecco-Laune" heraus die Idee geboren, gemeinsam einen Krimi zu schreiben. "Wir saßen auf dem Reiterhof zusammen und sagten: Über uns kannste ein Buch schreiben", erinnert sich Liliane Skalecki. Immerhin, das Schreiben liegt der Kunsthistorikerin mit Doktortitel nicht fern. Sachbücher, Fachartikel und Unternehmenschroniken hatte sie bisher veröffentlicht. Und nun drehten sich ihre Gedanken um ein neues, ganz anderes Projekt. "Warum machen wir das nicht wirklich?", fragten sich die beiden Frauen und hatten bereits die Idee: Es wird ein Kriminalroman, und es muss ein Thema sein, das auch historisch interessant ist. "Wir wollten in unserer Geschichte keinen Serienmörder und keinen Fall, bei dem aus jeder Seite das Blut fließt", erzählt Biggi Rist. Das Vorhaben gewann an Kontur. Ruhig und spannend sollte der Krimi werden, mit Bezug

zur Hansestadt und einer Titelfigur zum Gernhaben. Heiner Hölzle sei ein fröhlicher Mensch ohne Depression und ohne Alkoholproblem. "Ganz normale Figuren" wollten sie in ihrem Krimi auftreten lassen. Der Kommissar sollte gerade nicht so sein, wie die Kommissare in den Krimis, die sie beide gern lesen. "Das sind ja oft Fälle für den Psychiater", sagt Liliane Skalecki. Ein bisschen persönliche Geschichte haben die beiden Autorinnen auch einfließen lassen. Wie Hölzle sind beide aus Süddeutschland in den Norden gezogen. Liliane Skalecki kommt aus dem Saarland und lebt seit elf Jahren in Bremen, Biggi Rist wurde in Reutlingen geboren und lebt und arbeitet jetzt in Lilienthal.

Schon als Kind habe sie den Wunsch gehabt, unbedingt ein Buch zu schreiben, sagt Rist. Als Siebenjährige habe sie fabulierend an der Schreibmaschine gesessen und um sich herum die Welt vergessen. Nun konnte sie richtig loslegen. Im November 2008 machten sich beide ans Werk. Das Gerüst des Buches war schnell klar: Die junge Sonja findet im Nachlass ihrer Großmutter Unterlagen, die darauf hindeuten, dass diese 1943 in einem Arbeitslager nahe Bremen interniert war. "Sie möchte der Vergangenheit nachspüren, weil sie sich davon einen gewissen Profit verspricht", sagt Liliane Skalecki. Dies führt Sonja nach Bremen, was ihr zum Verhängnis wird. "Das Ende des Buches", sagt die Autorin, "birgt eine komplette Überraschung."

Die einzelnen Kapitel teilten die beiden Autorinnen untereinander auf. Mit unterschiedlichen Schreibstilen, die sich gut ergänzen würden. Fertige Textpassagen haben sie sich gegenseitig zum Lesen und zur Korrektur gegeben. Anfangs seien sie ein bisschen umeinander herumgeschlichen. "Aber das gab sich mit der Zeit. Nur konstruktive Kritik bringt einen weiter", erinnern sich beide an Texte, in denen der Rotstift viel Farbe zurückließ. Offenbar hatten sie das richtige Gespür für ihr gemeinsames Buch, das sie dem Gmeiner-Verlag zuschickten, der recht schnell Interesse signalisierte. "Normalerweise wird jedes 100. Manuskript überhaupt nur angeschaut", wissen die Frauen, die auch Band zwei bereits geschrieben und für Band drei schon Ideen im Kopf haben.

Die Autorinnen stellen ihr Buch am 1. März, ab 20 Uhr bei Thalia in der Obernstraße vor. Am 8. März lesen sie ab 19 Uhr in der Alten Molkerei in Worpswede und am 10. März ab 20 Uhr im Borgfelder Kinderbuchladen. "Schwanensterben" gibt es ab 13. Februar im Buchhandel und kostet 11,90 Euro.





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