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Ann-Marie Wolff sieht sich als Vorreiterin für berufstätige Frauen und Mütter und erzählte, wie ihr persönlicher beruflicher Lebensweg verlaufen ist. Die Versammlung wurde auch genutzt, um andere gesellschaftliche Themen zu diskutieren.
Der BPW Club stellt eines der größten Netzwerke für berufstätige Frauen dar. Es gibt 43 Verbände bundesweit. 1800 Frauen nutzen ihre Mitgliedschaft, um sich gegenseitig in ihren beruflichen Anliegen zu unterstützen und sich für Interessen berufstätiger Frauen einzusetzen.
Überzeugte Richterin
Zurück zu Ann-Marie Wolff: Sie ist gebürtige Bremerin und absolvierte ihr erstes und zweites Staatsexamen in Göttingen und Hamburg. "Ich bin zutiefst überzeugte Richterin mit Leib und Seele", sagte Ann-Marie Wolff. Ihr Vater war auch als Richter tätig, doch engen Kontakt hatte sie nicht zu ihm, da ihre Eltern geschieden lebten. Sie arbeitete seit 1991 als Richterin in Bremen, zunächst beim Landgericht und Amtsgericht und schließlich auch beim Oberlandesgericht. 2008 war die Richterin dann als Direktorin im Amtsgericht Bremen-Blumenthal eingesetzt.
Anschließend stieg sie um auf Strafrecht. Seit Oktober ist Ann-Marie Wolff in die Bereiche des Senators für Justiz und Verfassung als Leiterin der Zentralabteilung in den Bereichen Personal, Haushalt und Organisation abgeordnet. Reizvoll an dem Karrieresprung sei für sie gewesen, "die Justizorganisationen von A bis Z kennenzulernen".
Für Ann-Marie Wolff war es schwierig, während der Arbeitszeiten Unterbringungsmöglichkeiten für ihre beiden Kinder zu finden. Kinderkrippen gab es zu der Zeit noch nicht. Also hat sie sich mit einer Tagesmutter beholfen. Ihre Töchter sind elf und 14 Jahre alt. Auch heute ist es nicht leicht, wenn beispielsweise der Unterricht der jüngeren Tochter ausfällt. Doch ihr Richterberuf lässt ihr da viele Freiheiten und ist gut zu organisieren mit dem Familienleben. Viele Frauen hätten Angst, nach dem Mutterschaftsurlaub, nicht wieder in den Beruf einsteigen zu können. "Man sollte das gar nicht so materialistisch sehen. Ich sehe, was ich an meiner Familie habe, mir tun die Menschen leid, die nicht solch eine soziale Atmosphäre haben, weil sie keine Kinder haben", erzählte die Richterin.
Barbara Oltmann verlangt nach einer Frauenquote bei den Einstellungen in Unternehmen. Ann-Marie Wolff hingegen meint: "Frauen sollten nicht darauf abzielen, dass es eine Quote gibt, das haben wir gar nicht nötig". Mittlerweile müsse in ihrem Beruf schon darauf geachtet werden, dass auch Männer eingestellt würden, sagte sie weiter. Denn die Frauenquote dort befinde sich schon bei 52 Prozent. Was auch daran liege, dass die Frauenquote auch schon im Studium überwiege und Frauen in der Regel bessere Examina absolvierten.
Weiteres Thema war, dass sich viele Frauen gar nicht erst bemühten, einen "Männerberuf" zu erlernen, aus Sorge, an ihrem Arbeitsplatz nicht ernst genommen zu werden. Die Richterin hat solche Erfahrungen nur einmal erlebt, und zwar vor Kurzem: Auf einer Veranstaltung seien ihr "chauvinistische Sprüche" entgegengebracht worden.
Auch über Migration wurde gesprochen, vor allen Dingen darüber, dass es sehr wichtig für ausländische Kinder sei, einen Platz in einem Kindergarten zu haben, um mit der deutschen Sprache vertraut zu werden. Unter anderem war auch die Kriminalität in Deutschland Thema. Ann-Marie Wolff hält die Idee der unsichtbaren DNA zur leichteren Identifikation von Straftätern für sinnvoll: "Man muss andere Möglichkeiten finden als nur geldintensive Prävention". Weiterhin wurde auch über die Relevanz von guten Jugendhilfen gesprochen, welche sie für sehr wichtig hält.
Ann-Marie Wolff hat noch ein Jahr lang Zeit sich zu entscheiden, ob sie in ihrem jetzigen Amt weiterhin tätig sein möchte. "Ich könnte auch wieder zurück, solange ich nicht endgültig versetzt bin", sagte sie. "In Blumenthal war ich meine eigene Frau", in ihrer jetzigen Position muss sie sich zum Beispiel fragen, wie man mit der Senatorin für Finanzen verhandelt. Unter anderem ist sie zuständig für die Einstellung von Richtern in allen Bereichen.
Zum Abschied überreichte Barbara Oltmann ihr einen Blumenstrauß als Dankeschön für den Besuch und wünschte ihr eine "gute Entscheidung".



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