Was genau Volker mit seinem Ausruf gemeint hat, weiß Olsen nicht, nickt aber vorsichtshalber zustimmend. Er wollte mehr wissen über das Leben in deutschen Imbissen, wollte seine Rolle in der Dittsche-Serie mit Hintergrund füttern, sagt Olsen zu seinem Motiv, einen Sommer lang in die deutsche Imbisslandschaft abzutauchen. Ihm geht es dabei aber ganz eindeutig mehr um die Menschen und ihre Geschichten als um die Wurst und ihre Herkunft.
Sehr liebevoll, ungeschminkt und detailliert beschreibt er die Umgebungen und die Menschen, die ihm darin begegnen. Und so finden sich die Zuhörer gleich zu Beginn der gut eineinhalbstündigen Lesung in besagtem Imbiss von Lude in Nordfriesland wieder, wo der immer etwas zu laute Volker gerade seinen zweiten - vielleicht auch schon dritten - Schnutenwischer herunterstürzt und auf Olsen einredet. Der verhält sich ruhig, denn "wenn sich alle an dich gewöhnt haben, dann wirst du unsichtbar und kannst zuhören" beschreibt Olsen das Verschmelzen mit seiner Umgebung.
Vielfältige Eindrücke
Er hat nicht den Anspruch, nur lustig zu sein. Zu Beginn seiner Lesung erzählt der Autor von der Vielfalt seiner Eindrücke auf dieser Tour: von anrührend, über traurig, lustig und auch mal langweilig. Diese schwankenden Stimmungen versteht er auch im Buch umzusetzen. Mit sehr viel Feingefühl und Wortwitz kriegt Olsen die Kurve von Imbissgesprächen über Sitzrasenmäher bis hin zu KZ-Erfahrungen eines Stammgastes.
Und der Zuhörer sieht sie förmlich vor sich, die vielen liebenswerten Protagonisten des Buches. Beschreibungen wie "für die Ewigkeit gebräunt", "in einer sehr tiefen Tasche nach Kleingeld suchend" oder "Gesichtsform und Körpermitte weisen ihn als guten Esser aus" lassen die ohnehin schon sehr lebendig wirkenden Gestalten noch deutlicher vor den Augen der Zuhörer erscheinen.
Nach der Reise in Lude's Imbisswelt liest Olsen aus dem Kapitel Saarland. Dort hat er im Betrieb des Adolf Müller seine Erfahrungen gesammelt, die ebenso nachhaltig, aber weniger heimelig waren. Die Besitzer und Mitarbeiter nennt er die Weißrücken. Denn Olsen selbst ist im Betrieb recht überflüssig, nur geduldet (weil er die Wurst nicht so gut drehen kann wie der Juniorchef), steht meistens in zweiter Reihe neben dem Kühlschrank und starrt auf die weißen Rücken der geschäftigen Imbisstruppe. Die Kunden schauen ihn an, als sei er "ein Langzeitarbeitsloser aus der Psychiatrie". Olsen sucht und findet seinen Platz als Tellerwäscher, denn "das ist besser, als ein Nichts zu sein", beendet er das Kapitel.
Am Ende animiert Olsen das Publikum noch zum Fragenstellen. Die erste lautet natürlich, wo sich die Bremer Bude befindet, die er auf seiner Reise durch Imbiss-Deutschland besucht hat. In Kattenturm lautet die Antwort. Bei Heiko (Ex-Boxer) und Margret, wo Rene Weller Stammgast ist. Er verrät nicht zu viel, denn das Buch soll ja schließlich auch verkauft werden, nur soviel: Er sei bei dem Bremer Imbiss auch der Frage nachgegangen, was Menschen eigentlich dazu bewegt, Imbisswirt zu werden, denn es sage ja niemand nach der Schule: "So, nun mach ich ?nen Imbiss auf."
Olsen berichtet auch von dem guten Verhältnis, das er zu den meisten seiner 16 "Cheffamilien" aufgebaut hat und das auch heute noch nachwirkt. Sie telefonieren regelmäßig. "Ich gehöre jetzt irgendwie dazu", sagt Olsen. Kein Wunder, denn der Mann ist neugierig auf Menschen und hat ein echtes Interesse an ihren Geschichten. Also, keine Sorge Volker, der zieht sein Ding durch.


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