Vegesack. Ein klebrig-süßes Tohuwabohu herrscht in der Gemeinschaftsküche des Hauses am Vegesacker Bahnhofsplatz 2. Mit hohem Eifer wird geschmolzen, geformt, kombiniert, verziert, dekoriert und schnabuliert; schließlich geht es an diesem Nachmittag um die Schokolade.
"Schokolade ist ein dankbares Arbeitsmaterial, das sich sehr gut formen lässt", weiß der kanadische Meisterkoch Warren Laine-Naida. Seit gut zehn Jahren hat er sich neben seiner aktuellen Tätigkeit an der Jacobs University auf die Schöpfung von immer neuen, kunstvollen Schokoladenkreationen spezialisiert und war mit seiner "Chocolate Art" bereits weltweit auf Ausstellungen vertreten.
In der Gemeinschaftsküche des den meisten Vegesackern vermutlich eher als "Haus am Hafen" bekannten "Blue House" teilte er das grundlegende Basiswissen dieser Tätigkeit ebenso wie zahlreiche Tipps aus der Praxis unlängst mit den Teilnehmern eines "Chocolate Workshops". Dass das Gros des Teilnehmerfeldes dem direkten Umfeld der Jacobs University entstammt, verwundert wenig, handelt es sich beim "Blue House" doch um eines der Studentenwohnheime.
Camembert, zart ummantelt
Neben Studenten, Mitarbeitern und Mäzenen der Universität versammeln sich jedoch auch weitere interessierte Schokoladenliebhaber sowie in Person des amtierenden Vegesacker Jungen Max Neumeyer auch Lokalprominenz an den Tischen. Im Kollektiv wird nach Herzenslust kombiniert und experimentiert, unter anderem entstehen kleine Pralinés, Schokoschalen, Ravioli aus weißer Schokolade und Rosmarinblättern, Schokoladenröllchen mit diversen Füllungen und vieles mehr; der Fantasie und Kreativität der Teilnehmer sind keine Grenzen gesetzt.
"Man kann Schokolade mit fast allem kombinieren, außer mit Fisch", weiß Laine-Naida, der gerade im Begriff ist, ein Stück Camembert mit geschmolzener Zartbitterschokolade zu ummanteln. Dementsprechend variationsreich liest sich die Liste der den Teilnehmern zur Verfügung gestellten Kombinationszutaten: Neben Marzipan, Mandeln, Kirschen, Walnüssen und Krokant finden sich auf dieser auch Creme Fraiche, Anis, Chili, geraspelte Kokosnüsse und Zitronenstückchen.
Mittels einfacher Alltagsgegenstände wie Streichmessern, Luftballons, Garnierspritzen oder präparierten Luftpolsterfolien wird die geschmolzene Schokolade in ihre gewünschte Grundform gebracht, die süßen Unikate anschließend ebenso liebevoll verziert. "Man könnte am ehesten sagen: Statt Weihnachtsplätzchen machen wir hier eben Weihnachtskonfekt", schmunzelt der Meisterkoch, dessen langjährige Großküchenerfahrung ihm sekündlich anzumerken ist.
Unablässig streift der Kanadier tigerartig durch die Küche, scheint seine Augen gleichzeitig überall zu haben, versorgt die Teilnehmer kumpelhaft, aber auch mit der gebotenen Knappheit mit kleinen Tricks und Kniffen zur Formgebung und arbeitet parallel hierzu selbst an kleinen Kreationen. "Die Arbeit mit Schokolade ist wirklich nicht schwer, selbst mit einfachen Haushaltsgegenständen lassen sich ebenso schmackhafte wie anschauliche Ergebnisse erzielen; man braucht nur ein bisschen Fantasie und Experimentierfreudigkeit", instruiert er die Teilnehmerrunde.


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