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Die Lage ist ernst. Bremen nimmt im Städtevergleich den letzten Rang ein, wenn es um Einbrüche und Raubüberfälle geht. Das berichtete Polizeipräsident Holger Münch gestern während einer Pressekonferenz im Vegesacker Stadthaus.
"Raubüberfälle und Einbrüche - das sind deshalb zwei elementare Schwerpunkte unserer Arbeit", so der Polizeipräsident. Er nannte in diesem Zusammenhang eine Zahl: "Acht Prozent aller Opfer von Raubüberfällen sind nach dem Vorfall psychisch so belastet, dass sie in Rente gehen müssen." Ähnlichen Belastungen seien Opfer von Wohnungseinbrüchen ausgesetzt. "Stellen Sie sich vor, dass jemand in Ihre Privatsphäre eindringt und vielleicht noch Ihre Schränke durchwühlt."
Tatgelegenheiten gebe es in Bremen-Nord derzeit reichlich, so der Leiter der Inspektion Nord, Uwe Schröter. Davon hat sich die Polizei erst im vergangenen Monat überzeugt. 16 Beamte machten sich Schröters Bericht zufolge in den drei Stadtteilen auf die Suche nach Gelegenheiten, in Häuser einzusteigen. 142,5 Arbeitsstunden verwandten sie darauf. Und stießen auf gut 110 Möglichkeiten, Beute zu machen. Schröter: "Das typische Beispiel ist die Leiter an der Hauswand oder das Fenster auf Kipp."
Wie sich Einbrecher abschrecken lassen, sagte der Polizeipräsident. Mit einer neuen Quote für Festnahmen, im Zwölf-Wochen-Rhythmus seien es derzeit um die 150, und eben mit Prävention. Darunter fällt das Programm "Künstliche DNA", bei dem Wertgegenstände mit einer speziellen Flüssigkeit markiert werden. Die ersten 1500 der Markierungs-Sets hat die Polizei kostenlos ausgegeben. Mit Erfolg: "Wir hatten hier nicht einen einzigen Einbruch", so Münch. Inzwischen seien 3000 Sets in Bremen im Umlauf.
900 weitere Fläschchen künstliche DNA und Aufkleber zur Abschreckung sollen in den kommenden Wochen mit Unterstützung von Sponsoren in Bremen-Nord vergünstigt ausgegeben werden. "Es geht nicht um Einzelpersonen, sondern um Initiativen von circa zehn Haushalten", erläuterte Schröter.
Die Polizei will Nachbarschaften für den Einbruchschutz sensibilisieren. Die Anlieger sollen statt regulär 75 Euro nur 20 Euro für den Diebstahlschutz durch DNA zahlen. Dazu bekommt jede Initiative mindestens ein Straßenschild mit dem Hinweis auf die Aktion. Der Inspektionsleiter stellte das Konzept vor: Bis Juli sollen sich Straßengemeinschaften um den Zuschlag bei der Polizei bewerben, ab Juli sollen die Sets dann bei Informationsveranstaltungen verteilt werden. Läuft das DNA-Projekt in Bremen-Nord erfolgreich, könnte es in ganz Bremen Schule machen, hieß es vonseiten der Polizei.
Einige Initiativen haben sich schon vormerken lassen. Wie die Anlieger der Bertholdstraße in Vegesack. Heiko Jacobi, auch bekannt als Sprecher der Aktionsgemeinschaft Lindenstraße, hatte seine Nachbarn vorab zu einem Straßentreffen geladen. Nach zahlreichen Wohnungseinbrüchen und Autoaufbrüchen an der Bertholdstraße habe er handeln wollen: "Ich fand: Jetzt reicht's." 35 Nachbarn konnte er nach seinen Worten für die Aktion der Polizei auf Anhieb mobilisieren. "Ich habe das Geld schon mitgebracht", sagte Jacobi während der Pressekonferenz. Besonders von den Aufklebern der Polizei, Diebstahlschutz durch DNA, versprechen sich die Nachbarn einiges. "Ich hoffe, dass es bei uns überhaupt nicht mehr zu Einbrüchen kommt", meinte Jacobi. Die Chancen stehen gut.
Einen positiven Erfahrungsbericht lieferte gestern Detlef Gorn, Sprecher der Anliegergemeinschaft der Straße An der Lehmkuhle. Die Lüssumer sind Vorreiter in Sachen Einbruchsschutz. Schon vor zwei Jahren hatten die Lüssumer für sich Rabatte mit der Herstellerfirma für die künstlichen DNA ausgehandelt. Auch ein Straßenschild wurde in dem Gebiet aufgestellt.
Wer ein Set kaufen möchte, kann sich zur Tageszeit an die jeweilige Polizeidienststelle wenden.



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