Blumenthal. Das umfangreiche Programm bot häufig Gelegenheit zu beobachten, wie die Frische des Musizierens mit dem kunstvollen Interieur des großen Burgsaals korrespondierte. Etwa mit den stoisch die Jahrhunderte überdauernden Tugendfiguren der Deckenmalerei der Renaissance, die zu einer fröhlichen Blockflöten-Bourrée von Mozart einen deutlichen Kontrast boten. "Die Kinder und Jugendlichen wissen den historischen Geist der Burgräume durchaus als etwas Besonderes zu schätzen", bestätigte Prof. Joachim Rieke, der als Pianist das Konzert betreute. "Wir sind dankbar, dass uns diese historischen Räumlichkeiten schon so lange zur Verfügung stehen".
In den seit vielen Jahren veranstalteten Jugendkonzerten gibt die Burg ihren musealen Charakter zugunsten einer quirligen Lebendigkeit auf. "In diesem Haus wird Kunst gelebt", brachte es Joachim Rieke auf eine knappe Formel.
Hier verbindet sich tatsächlich alte mit junger Kunst zu einer fruchtbaren Symbiose. Das empfanden sicher auch die über 150 Gäste des Doppelkonzerts, in dem zunächst die Jüngsten und danach die Musizierenden bis zum Alter von 18 Jahren ihr Können darbrachten.
"Wir bieten keine Musikkonserve", stellte Elke Gerkan-Rieke klar, "die Teilnehmer spielen in allen Programmpunkten das Original mit allen Risiken." In aller Regel feiert die Gesellschaft das perfekte Können. In den Jugendkonzerten der Burg dagegen erleben die Zuhörer nichts Fertiges. Sie nehmen Teil an dem Abenteuer des Werdenden. So gesehen ist die Burg ein Schnittpunkt, quasi eine Nabelschnur des Heranwachsens musikalischer Talente an die Nordbremer Musikkultur.
Vorbereitung auf "Jugend musiziert"
Dieses Werden und Gelingen zeigte sich deutlich im zweiten Teil des Konzerts mit Teilnehmern bis zu 18 Jahren. Vom Publikum reich applaudiert, gab es Leistungen von erstaunlich hohem Niveau. Einige Darbietungen zeigten, dass ausgeprägte kompositorische Modernität auch ohne krasse harmonische Härten möglich ist. Dafür gab es im Bereich Blockflöte ungewöhnliche Farbmischungen. Vibrierende Anblasgeräusche kombiniert mit menschlicher Stimme und melodischen Übergängen entwickelten etwa im "Articulator" faszinierende Klanghorizonte. "Für viele unserer Schüler sind diese Konzerte eine Einübung auf den Wettbewerb "Jugend musiziert" im Februar kommenden Jahres," so Joachim Rieke. "Dazu haben sich bereits 45 Teilnehmer angemeldet."
Kann man schon die fast fünfzig Teilnehmer des Doppelkonzerts nicht einzeln aufführen, so soll doch das ungewöhnliche Bremer Blockflötenorchester nicht unerwähnt bleiben. Unter Leitung von Elke Gerkan-Rieke gab das Ensemble mit 12 Mitgliedern, in dem die gesamte Blockflötenfamilie vom Sopran bis zum hohen Subbass vertreten ist, dem Konzertprogramm einen festlichen Rahmen. Zu Beginn intonierten die Bläser "Sellenger's Round" von William Byrd. Den Schlusspunkt setzte ein Ricercar von M. Maute.


Regenwahrscheinlichkeit:


