Verändertes Liniennetz der BSAG zwingt Passagiere zu verändertem Tagesrhythmus

 - 04.02.2012

Noch läuft nicht alles rund

Von Albrecht-Joachim Bahr
Mitte Dezember hat die BSAG in Bremen-Nord ihr Bus-Netz umgestellt: Neue Linien, neue Linienführung, neue Fahrzeiten und das alles, so wurde versprochen, im Gleichtakt mit der S-Bahn zwischen Farge und Bremen-Burg und darüber hinaus. Am Sonntag der Umstellung, da sah's noch gut aus. Der Alltag aber, der brachte dann die Probleme. Von Anfang an war und ist die BSAG dabei nachzubessern. Aber auch gut sechs Wochen nach den Umstellungen gibt es noch Engpässe. Kein Wunder, wenn sich Bürger beklagen. Es gibt aber auch Stimmen die sagen, dass es eigentlich nicht so schlimm sein kann, zehn Minuten früher aufzustehen.

Bremen-Nord. Die Busse der BSAG bewegen in Bremen-Nord täglich 56000 Fahrgäste. Das ist die Zahl, die sich während der vergangenen Jahre eingependelt hat. Eingependelt haben sich auch Zeiten und Wege, haben sich Bus-Linien und deren Umstiegsmöglichkeiten, danach eingependelt hat sich natürlich auch die individuelle Gestaltung eines Teils des Tagesablaufs. Und ganz allmählich bewegen wir uns - von kleinen Misslichkeiten mal abgesehen - auf sicherem Terrain.

Nun aber hat sich die BSAG in Bremen-Nord neu aufgestellt: Die neuen Linien, geänderte Abfahrtszeiten und Taktfrequenzen bringen, auch wenn sie gut gemeint und wie gut auch immer vorbereitet sind, einen neuen Rhythmus in den Alltag der Fahrgäste, der gewöhnungsbedürftig ist. In einigen Bereichen scheint der neue BSAG-Rhythmus nicht kompatibel mit dem bisherigen Tagesablauf der Nordbremer.

So waren in den ersten Tagen nach der Umstellung unter anderem auf den Strecken Neuenkirchen-Vegesack, beziehungsweise Rönnebeck-Vegesack, im Bereich des Blumenthaler Bahnhofs und darüber hinaus die Busse übervoll. Hier hat die BSAG quasi aus dem Stand nachgebessert, sie arbeitet weiter daran.

Wie BSAG-Sprecher Michael Rode versichert, soll der "Knoten Bahnhof Blumenthal bald durchschlagen sein". Zum Beispiel wird es ab dem 12. April zwischen 7 und 8 Uhr vier Fahrten von Rönnebeck zum Vegesacker Bahnhof ohne Umsteigemöglichkeit in Blumenthal geben. Zum gleichen Zeitpunkt wird es darüber hinaus noch eine weitere Entlastung der Linie 90 zwischen Farge und Vegesack geben: Jetzt schon als Nachbesserung auf Haltestelle Wasserweg verlegt, starten die Linien 91 und 92 ab dann schon am Bahnhof Farge.

Wo bitte geht's hier nach Lesum?

Eine Änderung der Linienführung kann unter Umständen auch politische Folgen haben. In St. Magnus hat sich eine Bürgerinitiative für die Wiedereinrichtung der Linie 70 eingesetzt. Das Problem: Für Anwohner entlang der Lesumer Heerstraße gibt es keine direkte Anbindung an den Lesumer Ortskern.

Hier setzt die BSAG auf Durchgangsverkehr: Entweder geht es von Vegesack in Richtung Burg über den Heerstraßenzug oder durch Knoops Park. Zwischen den fast auf Steinwurfweite nur auseinanderliegenden Haltestellen Bahnhof Lesum und Lesum Kirche gibt es keine direkte Verbindung.

Besagte Bürgerinitiative führt "viele ältere Menschen" an, die sowohl durch die alte wie auch durch die neue Linienführung benachteiligt würden. Ein Bürgerantrag im Beirat Burglesum ist gestellt und bei einer Unterschriftensammlung sind in kürzester Zeit 300 Unterschriften zusammengekommen.

Vielleicht, dass man hier, also am Bahnhof Lesum, die Linien 95 oder 94 und 91 oder 92 kreuzen lassen könnte. Für den Nahverkehr ganz toll. Aber für die, die zum Beispiel von der Richthofenstraße nach An Smidts Park fahren möchten, gäbe es dann einen Umweg über den Burgdammer Postweg. Da stehen den grob geschätzten 200 Meter Fußweg einer zusätzlichen Fahrzeit von gut drei Minuten gegenüber.

Nach den anfänglichen Problemen im Bereich Farge-Blumenthal-Vegesack scheint jetzt die Verkehrsanbindung von Marßel ganz oben auf der Beschwerdeliste der BSAG-Kunden zu stehen. Gestern hat sich gar der SPD-Ortsverein Burgdamm-Marßel zu Wort gemeldet. Der lässt in einer Presseerklärung verlauten, dass "Bürger und Bürgerinnen aus dem Ortsteil mit der Linie 95 am Sonnabend unzufrieden sind", weil sie phasenweise gar nicht verkehrt.

Hier wohnen sehr viele alte und gehbehinderte Menschen, die gerne am Sonnabend nach Vegesack fahren würden, das jetzt aber nicht täten, weil sie umsteigen müssten. Der stellvertretende Vorsitzende des Ortsvereins, Michael Häfker, dazu: "Es kann doch nicht sein, dass in der Hauptgeschäftszeit keine direkte Verbindung angeboten wird."

Der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins, Lars Rebenstorff, ergänzt: "Der Einzelhandel in Vegesack und auch in Lesum kann von einer Direktverbindung von den Kunden aus unserem Bereich nur profitieren." Jedenfalls werde man die BSAG ansprechen und darum bitten, den Linienplan nochmals zu überarbeiten und zu verbessern.

Umsteigen zuweilen hinderlich

Umsteigen im städtischen Busverkehr ist eigentlich eine ganz normale Angelegenheit. Aber es gibt (Einzel-)Fälle, in denen das Umsteigen lästig, schwierig, zuweilen hinderlich oder fast unmöglich ist. Im Falle einer 73-Jährigen aus Marßel hat es sich ergeben, dass sie früher direkt von ihrer Haustür bis zum Fährgrund fahren konnte. Dort nimmt sie regelmäßig im Freizeitbad an Rückengymnastik teil.

Nach der Umstellung aber, die ihr, wie sie sagt, zudem mehr Fahrzeit abnötigt, ist sie gezwungen, mit der Linie 95 spätestens am Gustav-Heinemann-Bürgerhaus aus- beziehungsweise umzusteigen. Und sonnabends könnte sie, um einen Besuch zum Beispiel auf dem Friedhof Grohn machen zu können, tagsüber zwar den 93-er nehmen, müsste dann allerdings an der Stader Landstraße umsteigen.

Soweit dieser Fall, stellvertretend für, wie die Burgdammer SPD meint, "sehr viele alte und gehbehinderte Menschen". Ob das statistisch belegt ist, sei dahingestellt. Trotzdem sollte die BSAG auch diese Beschwerde auf dem Schirm haben. Anders sieht es dagegen in folgendem Fall aus.

Zehn Minuten früher aufstehen

Wieder Marßel: Hier beklagen sich Eltern, dass ihr Kind - Erstklässler der Schule Am Mönchshof - mit der Buslinie 95 jetzt um 7.55 Uhr an der Haltestelle Stenckenshoff ankommt, statt wie vorher um 7.50Uhr. Jetzt sei die Zeit für den Weg von der Haltestelle bis zur Schule (rund 200 Meter, Anm.d.Red.) nur noch "ganz knapp" bemessen. Dazu meint ein anderer Kunde der BSAG mit gewissem Recht, die Schüler könnten vielleicht zehn Minuten früher aufstehen, um dann 20 Minuten vor 8 Uhr von der Haltestelle bequem zur Schule gehen zu können.

Es sei noch einmal daran erinnert, dass die BSAG in Bremen-Nord täglich 56000 Fahrgäste befördert, mithin - und dabei jeweils Hin- und Rückfahrt angenommen - gut ein Viertel der Bevölkerung. Dass es da zu Engpässen und Härtefällen kommt, ist nahezu naturgegeben. Die abzustellen, darum ist die BSAG offensichtlich bemüht. Wiederholt hat sie darum gebeten, sich bei Problemen an sie zu wenden.





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