Zusammenbruch der Bremer Bootsbau Vegesack heute Thema im Senat und morgen in der Deputation

 - 07.02.2012

Schulden der Pleite-Werft nicht beziffert

Von Patricia Brandt
Die Höhe der Gesamtverschuldung der Qualifizierungswerft Bremer Bootsbau Vegesack (BBV) bleibt auch eine Woche nach dem Zusammenbruch offen. Nach einer Übersicht der BBV von Dezember 2011 betrugen die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten 252000 Euro. Das geht aus einem nichtöffentlichen Papier für die heutige Senatssitzung hervor.

Vegesack. Bis Ende Februar will der Senat die Abwicklung der Projekte der Traditionswerft sicherstellen, um Schaden von Bremen abzuwenden. Dazu soll ein Betrag von 50000 Euro, der aus vorhandenen Mitteln des Projektes Schaufenster Bootsbau finanziert wird, nicht überschritten werden. Hintergrund: Das Fahrgastschiff "Marie" und die Bootsanleger sollen wie geplant an den Bürgerverein ausgeliefert werden können.

Wie berichtet, hat ein strukturelles Defizit zum Aus des Beschäftigungsträgers geführt. Die Christdemokraten bewerten die Schließung der Werft als schweren Schlag für die Region, der hätte abgewendet werden können. "Rot/Grün hat es billigend in Kauf genommen, dass es eng wird für die BBV", so das Vegesacker CDU-Beiratsmitglied Detlef Scharf. Ebenfalls sei abzusehen gewesen, dass das Schaufenster Bootsbau für Besucher nicht attraktiv genug war.

Neues Konzept ohne BBV

Die CDU hat im Zuge des Insolvenzverfahrens eine kleine Anfrage an die Bremische Bürgerschaft gerichtet und sich Zahlen und Fakten zum Themenkomplex BBV erbeten. Unter anderem haben sich die Christdemokraten darlegen lassen, wie hoch die öffentlichen Investitionen der Stadtgemeinde für BBV und Schaufenster Bootsbau waren und wie sich die Zahl der Maßnahmen-Teilnehmer entwickelt hat. Die Antworten liegen nun vor.

Insgesamt waren in die Planungen für das Gelände, auf dem sich die BBV und das Tourismus-Projekt "Schaufenster Bootsbau" befinden, seit dem Jahr 2003 etwa 3,3 Millionen Euro geflossen. Das Wirtschaftsressort zahlte den Unterlagen zufolge zuletzt im Sommer 11000 Euro für den Betrieb Schaufenster Bootsbau an die BBV aus. Ihre Miete hat die BBV für das Gelände an der Schulkenstraße 1 wegen ihrer wirtschaftlichen Probleme schon seit Februar 2011 nicht mehr gezahlt. "Bis zum Insolvenzantrag ist eine Mietschuld in Höhe von 82000 Euro entstanden", heißt es in dem Papier. Forderungen gegenüber dem Jobcenter seien noch nicht bezifferbar: "da die Maßnahmen noch abzurechnen sind". Die Gesamthöhe der Schulden bleibt offen.

Die Zahl der Maßnahmen-Teilnehmer der Qualifizierungswerft ist der Vorlage zufolge zwar kontinuierlich von 155 (2009) auf 255 (2011) gestiegen. Im Mittel tendiert jedoch auch die Abbrecherquote nach oben: 2009 lag sie bei 9,6 Prozent, 2011 bei 16,1 Prozent.

Wie aus den Senatsunterlagen hervorgeht, soll nun ein Fortführungskonzept für den Standort ohne die BBV entwickelt werden: "Hierbei ist auch zu klären, ob und wie eine Fortführung des Projektes Schaufenster Bootsbau möglich ist. Vor diesem Hintergrund lassen sich dann mögliche Folgen für den Tourismusstandort und die Maritime Meile Vegesacks bewerten."

Das Schaufenster Bootsbau hinkte Zielvorgaben bei Besucherzahlen und Einnahmen bisher bekanntlich hinterher. Obgleich Veranstaltungen wie Kindergeburtstage auf der "Kinderwerft" gut angenommen worden seien, sei es nur begrenzt gelungen, überregional Touristen anzuziehen, heißt es in einer Vorlage für die Deputationen für Wirtschaft, Arbeit und Häfen. Die Deputierten haben den Themenkomplex am Mittwoch auf der Tagesordnung.

Unterdessen weigern sich die Vegesacker Bürger in Wut, das Projekt BBV zu begraben. Die Werft müsse "notfalls in modifizierter Form" weiterbestehen, schreiben sie. Als Lösung will Fraktionssprecher Cord Degenhard dem Beirat vorschlagen, die BBV unter der Regie des Beschäftigungsträgers Arbeit- und Lernzentrums neu aufzustellen. Ein Ansatz, den der Insolvenzverwalter bereits verworfen hat.

Der Wirtschafts- und Strukturrat Bremen-Nord mahnt indes bei geplanten Überlegungen zur Neuausrichtung des BBV-Geländes zur Eile an: "Der Wirtschafts- und Arbeitssenator wünscht zwar keinen Schnellschuss; dem kann man nur zustimmen. Aber schießen sollte er schon."





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