| Das Wilhelm Kaisen-Quiz » |
Vegesack. Achim Knorr witzelt mit der geruhsamen Bedächtigkeit eines Hinterwäldlers, wobei man genau hinhören muss, um die Pointen nicht zu verpassen. "Der Mitesser. Empörung in der Pore! Was ich nicht begreife, ist Seife!"
Er plaudert wortreich, erzählt scheinbar planlos ins Blaue hinein, besonders über sich, und doch erfährt man dabei wenig über ihn, sieht man einmal ab von seiner Vorliebe für Nutella und Katzenzungen. Knorr kramt in seiner pubertär-chaotischen Vergangenheit, die sich in der biederen Atmosphäre einer spießbürgerlichen Familie abspielte. "Ich wollte immer lange Haare haben, eine richtig schöne lange Matte. Das Problem war nur, dass ich nie lange Haare hatte."
Das krawallige Statement eines Möchtegern-Rockers verpufft ungehört in der kleinkarierten Ordnung eines biedermeierlichen Familienidylls. Und sein Vorhaben, ein rebellischer Rockstar zu werden, blieb schon in der Planung stecken. So konnte er nur ein "heimlicher Rebell" werden, ein Rebell, der hinterhältig kleine Gemeinheiten in den routinierten Alltag einstreut - als überraschende Stolpersteine auf ausgetretenen Pfaden.
Achim Knorr hasst Gewohnheiten als "Fettflecke auf dem Hirn". "Der herrschende Geschmack ist der Geschmack der Herrschenden!", stellt er unvermittelt in einem unsinnigen Diskurs über Haarschnitt, Käse und Buchstabensuppe für Legastheniker fest.
Seine Pointen fallen nebenbei, wie zufällig, als boshafte Abfallprodukte von vorausgegangenen Plattitüden. Als Pseudo-Revoluzzer tönt er: "Ich geh kaputt. Gehste mit?" Und Jeanne d'Arcs Biographie titelt Knorr respektlos: "Ich bin auf dem Haufen gescheitert!"
Zuweilen balanciert der Künstler auch in geradezu halsbrecherischer Weise auf dem schmalen Grad des guten Geschmacks. "Wo die dicken Bohnen wohnen? macht es brrr!"
Nur scheinbar belanglos
Knorrs Entertainment ist ein Endlosband im Plauderton, eine wahre Quasselstrippe, die laufend Nonsens hervorbringt. Scheinbar belanglos plätschert der Erzählstrom dahin, hier und da durch bruchstückhafte Liedeinwürfe aufgelockert. Dabei begleitet er sich gekonnt auf der E-Gitarre.
Brillant zelebriert er das Öffnen eines Nutella-Glases als Hörbild, in dem er mit Lippen und Atem ein ganzes Schlagzeug nachahmt. Knorr spielt mit der Sprache, er reimt dabei schreckliche Lieder zusammen und ist sich für keinen Kalauer zu schade. Im Verlauf seines Programms läuft Knorr zu großer Form auf, singt, reimt, spielt Pantomime und produziert Hörspiele in einer Ein-Mann-Show.
Dennoch kommt dem Zuschauer das Konzept uneinheitlich und merkwürdig zerrissen vor, der rote Faden ist nicht immer zu erkennen, auch wenn Knorr am Schluss versucht, seine Themen in einer Art Zusammenfassung noch einmal zu konkretisieren. Wenn man allerdings keine zu hohen Ansprüche stellte, war der Abend durchaus unterhaltend und amüsant.



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