| Das Wilhelm Kaisen-Quiz » |
Freuen, das darf man wohl unterstellen, durften sich gestern jedenfalls die Schüler der Schule Pürschweg. In der Früh war im Radio zu hören, dass dort nämlich wegen Heizungsausfalls der Unterricht erst um 10 Uhr beginnen würde.
Zwei Stunden Zeit also, um vielleicht (und das auch nur hypothetisch) Besorgungen auf dem Grünmarkt in Vegesack zu machen. Wer hier gestern eintraf, der musste einen deutlichen Stände-Schwund registrieren.
Insgesamt fanden sich noch 13 Betriebe, die ihre Waren anboten. Beim Bäcker, Fleischer oder Suppenverkäufer kein Problem: Hier liefen in den Wagen die Heizlüfter, zum Teil stand das Personal auf Gummimatten, die Schutz vor dem bloßen, kalten Platten boten.
Beim Gemüse war's dann aber schon anders. Bärbel Lange und Elfriede Emken aus Nikolausdorf bei Cloppenburg arbeiteten in ihrem Verkaufsstand bei 7 Grad plus im Zelt. Bei Ihrer Ankunft um 6 Uhr waren es minus 15 Grad Außentemperatur. "Eigentlich ist alles wie gehabt", sagte Bärbel Lange, "man muss nur aufpassen, dass das Gemüse keinen Frost abbekommt. Deswegen achten wir darauf, dass die Planen auch gut geschlossen sind". Einen Frostzuschlag gibt es aber nicht. Die Preise sind wie sonst auch. "Na ja, über einen Obolus für den Gasverbrauch würden wir uns schon freuen", lacht sie und wendet sich dem nächsten Kunden zu.
Kalt also auf dem Grünmarkt, aber Geschäft wie gehabt. Anders sieht das dieser Tage bei Teilen des Handwerks aus. Zum Beispiel bei der Zunft des Sanitärs- und Heizungshandwerks. Aus der Firma Bergmann in Walle war zu hören, dass hier seit Dauerfrost 160 Hilferufe eingegangen seien, auch von Kunden aus Bremen-Nord: Heizungsausfall, eingefrorene Wasserleitungen, Rohrbrüche. Und das sowohl außerhausig wie auch drinnen, da wo die Häuser nicht ausreichend isoliert sind. Eine Mitarbeiterin des Betriebes sagte, "der Terminkalender ist voll und wir arbeiten über die normale Arbeitszeit hinaus. Wir haben 24 Stunden Notbereitschaft." Und alles mit eigenem Personal. Aufgestockt werde nicht, da man vertraute Qualität garantieren möchte. Dafür würden auch nur noch Stammkunden bedient, Aufträge von Neukunden dagegen nicht angenommen. Fazit: "Das hatten wir noch nie in 16 Jahren."
Der Frost lässt es auch beim Sanitär- und Heizungsfachmann Bernhard Lehmann in Bremen-Nord in der Kasse klingeln. Wir erreichen ihn gerade vor Ort: eine eingefrorene Dieseltankanlage. Und sonst Aufträge? "Anrufe bis elf am Abend und morgens geht's ab vier weiter." Auch hier werden die Stammkunden zuerst bedient. Auch hier wird kein zusätzliches Personal angeheuert. Generell heißt das: "Wir können die Störungen nur noch abarbeiten."
Frostig gut läuft das Geschäft in diesen Tagen natürlich auch für das Kfz-Handwerk. Autohaus Schleef in Rekum zum Beispiel verzeichnet zurzeit "das beste Geschäft". Das Mehr an Aufträgen ist vor allem leeren Batterien geschuldet, die bei dieser Kälte einfach streiken. Dann heißt es, entweder den Wagen anschleppen oder gleich die Batterie austauschen.
Auch das Autohaus Bloch&Hänisch in Lesum hat es dieser Tage vermehrt mit Kunden zu tun, deren Autobatterien streiken. Täglich seien das sieben, acht Fälle, sagt Torsten Hänisch. "Aber es gibt auch Probleme mit eingefrorenen Scheibenwaschanlagen. Oder angefrorenen Türen." Hier rät Hänisch, die Dichtung mit Rindertalg zu behandeln oder wegen entsprechender Mittel beim Fachhandel nachzufragen.
Soweit der Frost also als konjunkturbelebendes Element. Aber es gibt auch die andere Seite der Medaille: Das Baugewerbe liegt, was den Außenbereich betrifft, brach. Hoch- und Straßenbau machen lauf Aussage der Kreishandwerkerschaft Bremen Winterpause. Alles liegt darnieder, sagt auch Thomas Kurzke, Obermeister und Sprecher der Maler- und Lackierer-Innung. "Wir können weder außen noch innen arbeiten. Auch innen allein deswegen nicht, weil niemand bei dieser Kälte die Räume würde lüften wollen." Trotz anhaltender Kälte gibt es in seinem eigenen Betrieb keine Kurzarbeit. Jedenfalls noch nicht. "Zwei, drei Wochen noch, dann machen wir vielleicht davon Gebrauch."
So weit das Leben. Aber auch nach dem Ableben hat uns dieser Tage die Kälte im Griff. So hört man auf Anfrage bei der Friedhofsverwaltung St.Martini in Lesum, dass zurzeit täglich nur eine Erdbestattung stattfindet. Normalerweise sind das zwei. Aber trotz "schweren" Geräts, der Friedhof verfügt über einen eigenen Kleinbagger, lässt der gefrorene Boden keinen weiteren Termin zu. Doch auch wenn es zu Verzögerungen komme, machten die "keine Probleme".



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