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Neue Linien, neue Fahrzeiten: Die BSAG hat ihr Busnetz bekanntlich zum Jahreswechsel komplett erneuert. Das Unternehmen reagierte damit auf den Ausbau der Regio-S-Bahn. Die Züge fahren auf einer durchgehend elektrifizierten Strecke von Farge bis zum Hauptbahnhof. Und die BSAG passte ihre Nordbremer Buslinien an. Doch die Eingriffe in die alten Strukturen schafften Probleme: Es hagelt seit Jahresbeginn Proteste. Nach BSAG-Angaben sind seit der Umstrukturierung "mehr als 50 Eingaben" von Fahrgästen bei dem Betrieb eingegangen.
Zur Erinnerung: In den ersten Tagen quollen die Busse unter anderem auf den Strecken Neuenkirchen-Vegesack und im Bereich des Blumenthaler Bahnhofs über. In St. Magnus gründete sich eine Bürgerinitiative, die für die Wiedereinrichtung der Linie 70 rund 300 Unterschriften sammelte.
Das Verkehrsressort hat die Gründe für vielzählige Probleme längst erkannt. So sei die BSAG aufgrund diverser Gutachten davon ausgegangen, dass Fahrgäste nach der Umstrukturierung des Busnetzes bereits in Farge oder Blumenthal in die Regio-S 1 umsteigen, heißt es in einem Bericht für die Deputierten. Doch die umsteigefreie Verbindung gibt es derzeit noch gar nicht. Die Folge: Die Fahrgäste bleiben in den Bussen - und dann wird es dort eben voll. So weit das erste Problem.
Die zweite große Schwierigkeit: Die Schüler nutzen die Regio-S-Bahn nicht wie erwartet. "Bekannt ist, dass Schüler nach der Änderung der Fahrpläne der RS 1 sogar von dort wieder zurück zum Busverkehr gewechselt sind, weil sie hier ein zeitgerechtes Angebot vorfinden", schreibt die Verwaltung. Die Folge ist wieder: Es wird voll in den Bussen.
Es ist nicht so, dass die BSAG nicht schon gegensteuert. Laut Verwaltungsbericht wurden mehr und größere Busse vor allem auf den 90er-Linien eingesetzt. Die Situation soll sich inzwischen auch deutlich verbessert haben, heißt es im Verkehrsressort und beim Verkehrsbetrieb unisono. Und es soll noch besser kommen: Ab diesem Frühjahr soll es eine umsteigefreie Verbindung der Regio-S-Bahn geben.
Darüber hinaus prüfen Verkehrsressort und BSAG gerade, ob sich weitere Maßnahmen umsetzen lassen. Drei Veränderungen stehen konkret auf dem Prüfstand: Erstens soll eventuell ein zusätzlicher Schülerwagen ab Neuenkirchen zum Schulzentrum Lerchenstraße eingesetzt werden. Zweitens soll es möglicherweise vier zusätzliche, bis zum Bahnhof Vegesack durchfahrende Busse auf der Linie 96/97 geben, um den morgendlichen Schülerverkehr zu entzerren. Und drittens könnte, um die stark besetzten Busse der Linien 90, 93 und 94 auf dem Heerstraßenzug zu entlasten, eine zusätzliche Fahrt Burgdamm-Gröpelingen angeboten werden.
Der Politik reicht das alles noch nicht. "Wir haben die Verbesserungen begrüßt, aber wir haben das Ressort auch aufgefordert, im Interesse der Nutzer weiter nachzubessern", berichtet der SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Martin Pohlmann aus der jüngsten Deputationssitzung. Im Auge hat Pohlmann dabei vor allem Beschwerden seitens des Klinikums Bremen-Nord.
Der dortige Betriebsratsvorsitzende Wilfried Sulimma hat sich über die Fahrplanänderung mokiert. Für Kollegen, die nördlich des Klinikums wohnen, ist es demnach neuerdings nicht mehr möglich, sonntags pünktlich zum Frühdienst zu erscheinen - wenn sie mit dem Bus fahren. Der hält Sulimma zufolge um 6.14 Uhr am Krankenhaus. Der Dienst beginnt aber um Punkt sechs Uhr. "Ausnahmen gibt es für diese Kollegen nicht, später zu kommen. Sie müssen sich etwas anderes überlegen", begründet Sulimma sein Engagement.
Die Forderungen der Krankenhaus-Belegschaft hat Verkehrsplaner Michael Rode, bei der BSAG für Bremen-Nord zuständig, auf dem Zettel: "Wir werden noch ein Gespräch mit dem Krankenhaus führen." Ebenfalls angekommen ist bei der BSAG der Protest der Bürgerinitiative. "Es gibt vielleicht die Möglichkeit, Leistungen umzuschichten", so Rode. Eine für März geplante Fahrgasterhebung werde Aufschluss darüber geben, ob die BSAG ihr Netz ein weiteres Mal verändert.
Alle geplanten Verbesserungen, auch das wird im Gespräch mit Rohde deutlich, könnten noch etwas auf sich warten lassen. Die Bremer Straßenbahn AG will in Abstimmung mit dem Senator für Umwelt, Bau und Verkehr abwarten, ob der für April geplante durchgehende Betrieb der Bahn eventuell schon ausreichend Entlastung im Busbetrieb schafft. "Die Situation wird sich dann ändern, weil die Fahrgäste eher in die Bahn umsteigen", meint Rode. Wobei es trotz Kundenbeschwerden bei einer sechsminütigen, betriebsbedingten "Zwangspause" am Vegesacker Bahnhof bleibe. Und das Verkehrsunternehmen wartet auch noch auf schöneres Wetter: In der warmen Jahreszeit, so die Überlegung, nutzen viele vielleicht doch lieber das Rad als Bus und Bahn.



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