Im Falle von Malte Battefeld, Jakob Köhler und Torben Otten, die es nach dem gemeinsamen Abitur am Gymnasium Vegesack parallel zu Studienzwecken in die Hauptstadt und dort sogleich auch in dieselbe Wohnung verschlug, beantwortet sich diese Frage wie folgt: Aus einer spontanen Laune heraus verfassen die drei einen plattdeutschen Text über ein Playback der 'Village People', drehen dazu einen amüsanten Null-Budget-Videoclip, benennen ihr Projekt in Anlehnung an den amerikanischen Rapstar '50 Cent' in 'De Fofftig Penns' und verbreiten das Ergebnis via Internet.
Ebenso zahlreiche wie positive Resonanzen spornten das Trio daraufhin an, noch weitere Popwerke mit plattdeutscher Mundart zu versehen, wofür man sich nun jedoch mit Vorliebe Klangerzeugnissen moderner Elektronika bemächtigte. Mit dem daraufhin erfolgenden öffentlichen Interesse an dem Projekt hätten die Akteure selbst jedoch am wenigsten gerechnet: Bereits nach ersten Liveauftritten machten regionale TV- und Radiostationen 'De Fofftig Penns' zu ihrem Thema, und nach kürzester Zeit treten 'Riemelmeester Malte', der 'Kommodige Jakob' und der 'Plietsche Torbän', wie sie sich mittlerweile nennen, bei internationalen Popwettbewerben in regionalen Dialektsprachen an, werden als Gastdozenten zu Lehrerfortbildungen eingeladen und sind immer häufiger auf Konzertbühnen zu bewundern; sogar gänzlich eigenes Liedgut ist mittlerweile in Planung.
'Es besteht vor allem in der plattdeutschen Szene offenbar ein reges Interesse an uns', bestätigt 'Riemelmeester Malte', der einen Tag vor Heiligabend gemeinsam mit dem 'Kommodigen Jakob' das Repertoire der 'Fofftig Penns' erstmals im Horizont auch in der alten Heimat der Gruppe konzertant präsentierte.
Als Traditionspfleger oder Generationenvermittler will das Trio sich und sein Tun dennoch nicht verstanden wissen: 'Für uns ist das Ganze ein Spaß. Es ist einfach lustig, Plattdeutsch zu singen, vor allem über diesen Sound, was ja zunächst so gar nicht zusammen passt.'
Dementsprechend machen die Drei vom Weserstrand auch keinen Unterschied, ob sie nun in einer Kirche, einer hansestädtischen Szenedisco, einem hochoffiziellen Musikwettbewerb oder einer Nordbremer Kneipe auftreten und untermalen ihr 'plattdütsch-angetrashtes voll-auf-die-zwölf Elektro-Hiphop-Geschranze', wie sie selbst ihren Sound definieren, mit entsprechender Optik und Gestik.
So sorgten die ausnahmsweise als Duo antretenden 'Plattsnacker' auch daheim mit ihrem kultverdächtigen Konzept für reichlich Party- und Mitsingstimmung bei ihrem vorwiegend jüngeren Publikum, welches das Horizont bis auf den letzten Platz inklusive Treppenstufen füllte. Größtenteils unbekannte Elektrobeats werden von den 'Fofftig Penns' ebenso 'plattgemacht' und mit trashigen Bühnenoutfits, sarkastisch-cooler Bühnenpräsenz und Megaphon unters Auditorium gebracht wie zum Schmunzeln anregende Szeneklassiker.
Anstatt 'I like to move it, move it' heißt es hier eben 'Ick mog dat, mik to rögen', Chics 'Le Freak' wird zu 'Wo geit' und die 'Schwulen Mädchen' von Fettes Brot zu 'Plietschen Jungkeerls'. Zwischendurch fahren die beiden auch recht derbe Schranz- und Elektrogeschütze auf, was die Lautsprecheranlage zeitweilig sogar gänzlich in die Knie zwingt.
Für die plietschen Plattsnuten jedoch kein Problem: 'Bannig Kommodig' fordert Köhler via Megaphon von den bereitwillig antwortenden Zuhörern. Kurz darauf ist der Sound wieder da, der Spaß kann weitergehen: 'Raven tegen Hochdüütsch'.


Regenwahrscheinlichkeit:

