Bremen-Burglesum

 - 22.01.2010

Swb stellt Pläne für neues Gaskraftwerk vor

Von Sylvia Wörmke
Burglesum. 'Es wird also keine Dreckschleuder' - so fasste FDP-Beiratsmitglied Agnes Müller-Lang das Gehörte zusammen. Mitarbeiter der swb AG stellten im Beirat die Pläne für ein neues Gas- Dampfturbinenkraftwerk - GuD Mittelsbüren - auf dem bereits vorhandenen Kraftwerkgelände des Stahlwerkes vor. 500 Millionen Euro werden investiert. Der Beirat reagierte zufrieden über den Sinneswandel des Unternehmens. Ursprünglich sollte hier ein Kohlekraftwerk gebaut werden.
Das Kraftwerksgelände der swb AG: Das neue Gas- und Dampfturbinenkraftwerk soll links neben dem Schornstein entstehen.
Das Kraftwerksgelände der swb AG: Das neue Gas- und Dampfturbinenkraftwerk soll links neben dem Schornstein entstehen.

Das neue Gaskraftwerk wird in die schon bestehende sogenannte Gichtgas-Anlage integriert. Es verstromt Gas, das bei der Stahlproduktion von ArcelorMittal anfällt. Die neue Anlage kann aber nicht einfach in ein Maschinenhaus eingebaut werden, sondern muss als gesonderter Bau neben dem sogenannten Block 4 angesetzt werden. Die Hersteller, erläuterte Olaf Busack (swb), bauen weltweit in Modulbauweise. Es hätte viel zu viel Geld gekostet, die Teile in die Maschinenhalle einzusetzen. Außerdem muss eine Wasseraufbereitungsanlage gebaut werden und ein sogenannter Zellenkühlturm.

Der wird eine Höhe von 20 Metern haben. Im Unterschied zu anderen Kühlsystemen, so die Information, wird aufgrund der Höhe das Landschaftsbild nicht so sehr beeinträchtigt. Auch wird nicht so viel Zusatzwasser aus der Weser benötigt. 'Wirtschaftliche Gründe' sind laut Busack aber auch ein Grund, weshalb man sich für diese Lösung entschieden hat.

Einige Grunddaten: Das neue Kraftwerk wird mit Erdgas befeuert, wird eine Leistung von 420 bis 460 Megawatt haben und 1,3 Milliarden Kilowattstunden Strom pro Jahr erzeugen. Rein rechnerisch könnte die Anlage den Bedarf von rund 500 000 Haushalten decken.

Für den Bau der GuD-Anlage in Mittelsbüren gibt der swb-Mitarbeiter eine Reihe von Gründen an. Das Unternehmen besitzt auf dem Stahlwerkegelände bereits Flächen und die passende Infrastruktur. Die Kaufverträge für weitere Flächen von den Stahlwerken wurden bereits vor Weihnachten unterschrieben. Im Sinne der Kundenbindung möchte die swb AG weiterhin die Lieferungen für die Deutsche Bahn gewährleisten. 'Ein Zehntel des Bahnstroms kommt aus Bremen', so Busack. Man denkt auch darüber nach, den Bremer Westen anzubinden, der bisher durch das Kraftwerk im Hafen versorgt wird. Bis 2020 möchte die swb AG zudem 20 Prozent des klimaschädlichen Kohlendioxids einsparen und auch zu einem breiteren Brennstoff-Mix in der Stromerzeugung kommen.

Auch die Flexibilität von Erdgas-Kraftwerken führte der swb-Sprecher an. 'Auch Bioerdgas könnte der Anlage zugespeist werden.' Als Betriebsdauer der Anlage kann von 25 bis 30 Jahren ausgegangen werden. 'Nach Investitionen kann man sie bis zu 40 Jahre weiter betreiben.'

Auf entsprechende Fragen aus dem Beirat teilte Busack mit, dass durch die Lösung Zellenkühlturm die Wesererwärmung und die Wassereinleitung gering ausfalle. 'Das eingeleitete Wasser darf die Grenze von 30 Grad nicht überschreiten.' Auch gebe es Vorgaben, wieviel eingeleitet werden dürfe. Eine Geruchsbelästigung für die Anwohner gebe es durch das Kraftwerk nicht. Der swb-Mitarbeiter musste aber einräumen, dass durch den Bau der neuen Anlage keine Arbeitsplätze entstehen, aber gesichert werden. Der Betrieb sei nicht sehr personalintensiv. Die Anlage werde von 20 bis 30 Leuten betrieben. Lange diskutierte man auch über technische Einzelfragen mit den swb-Mitarbeitern.

Momentan befindet sich das Projekt im Antrags- und Genehmigungsverfahren. Eine öffentliche Auslegung der Pläne wurde angekündigt. Gesucht wird zurzeit von der swb AG ein Partner, der sich an der Investition beteiligt. Geliebäugelt wird mit der Deutschen Bahn. Auch laufen die Ausschreibungen für das Bauvorhaben. Mit den ersten Teil-Genehmigungen wird noch in diesem Jahr gerechnet. 2013 soll das neue Kraftwerk in Betrieb gehen.

Die Kraftwerks-Pläne wurden der Bremer Politik bereits vor einem Jahr vorgestellt und begrüßt. Auch der Beirat schloss sich der Zustimmung an. Vor allem auch mit Blick darauf, dass eigentlich der Bau eines Kohlekraftwerks auf dem Gelände geplant war. Davon hatte sich das Unternehmen aber im August 2007 'aus wirtschaftlichen Gründen' verabschiedet. Bei der jetzigen Variante wurde nur bedauert, dass die entstandene Abwärme nicht genutzt und ins Fernwärmenetz eingespeist wird. 'Sonst wäre die Sache rund', bekundete Beiratssprecher Florian Boehlke für alle Beiratsfraktionen.



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