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Der Begriff "selig" ist aus dem Alltagsgebrauch fast vollständig verschwunden. Er hat sich im religiösen Kontext erhalten, und in einem religiösen Umfeld sind auch die Bilder und Objekte der Ausstellung entstanden. Die "Künstlergruppe Plantage" besteht aus Mitgliedern der Adventsgemeinde Bremen-Findorff. Seit Jahren tritt sie mit Gruppen- oder Einzelausstellungen an die Öffentlichkeit, die sich mit biblischen Themen befassen - anlässlich des Bremer Kirchentages lud die Gemeinde etwa zum Thema "Genesis" ein. Es gehe aber nicht darum, "die Bibel zu bebildern", erklärt Künstlerin und Gemeindemitglied Regina Mudrich, sondern darum, die Themen so umzusetzen, dass ihre gesellschaftspolitische und ethische Relevanz in der Gegenwart sichtbar wird.
Man könne die Seligpreisungen Jesu als Vertröstungen auf eine bessere Existenz im Jenseits begreifen, sagt etwa Heinz Ottschoffsky. Der Pastor im Ruhestand, der der Gemeinde bis 2004 vorstand, sieht es anders. Für ihn sprach Jesus für das Heute; "mitten im Leben, aber mit anderen Werten". Die entscheidende Frage, die für jeden Menschen von Bedeutung sei: "Wie lebt man jetzt und hier, so dass ein glückliches Leben möglich ist?", fragt der Pastor im Ruhestand.
Die Antwort kann ganz naiv sein, findet Marcus Nern, und nennt seinen bildlichen Vorschlag "Paradoxe Intervention". Der winzige Mensch, ein Bruder im Geiste des "kleinen Prinzen" von Antoine de Saint-Exupery, hat seinen Planeten in ein Blumenmeer verwandelt - einfach, weil er auch "dem Schlechten mit dem Guten begegnet", erklärt der Künstler. Der Effekt des Zwischenmenschlichen ist für ihn von zentraler Bedeutung - künstlerisch, wie in seiner Serie sich berührender Hände zu sehen ist, und in seinem Alltag als Ergotherapeut: "Es geht immer darum, Menschen Perspektiven zu geben", so Nern.
"Selig" - das bedeute, in Gottes Nähe zu sein, sagt Regina Mudrich. Für sie sei die zentrale Aussage der Bergpredigt, dass Gott denjenigen besonders nah ist, die am Rande der Gesellschaft stünden - den Traurigen, Benachteiligten und Einsamen. Dieses Wissen sei es, das "selig" machen könne. Das müsse man nicht so sehen, und es gehe ihr in ihrer Kunst keinesfalls darum, "andere zu missionieren", sagt die Musikerin: Ihr Wunsch sei es, "Denkanstöße zu geben".
Die Adventgemeinde Bremen-Findorff, gegründet vor zehn Jahren, ist eine von drei Bremer Gemeinden der Freikirche der "Siebenten-Tags-Adventisten". Aber darunter eine besonders offene und unkonventionelle, erklärt Claudia C. Ottschoffsky. In der kleinen Gemeinde mit rund 60 eingetragenen Mitgliedern, von denen regelmäßig mehr als die Hälfte bei den Gottesdiensten am Sabbat - dem heiligen Tag der Adventisten - anwesend ist, befindet sich eine erstaunliche Dichte an künstlerisch Tätigen, mit und ohne kunstakademischem Hintergrund. Nicht nur die eigene Kunstproduktion möchte man gerne nach außen tragen, sagt Regina Mudrich; auch das ambitionierte kulturelle Veranstaltungsprogramm der Gemeinde ist der Öffentlichkeit zugewandt: So wird heute Abend ab 20 Uhr Stephan Schrader, Cellist der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, seinen "Cello-Loop" präsentieren (Eintritt zehn, ermäßigt acht Euro). Am 27. Juni ist das "Schné-Ensemble" zu Gast mit einer musikalischen Mischung aus Pop, Jazz,
Kammermusik und Chanson. Am 29. Juni liest der ehemalige Rundfunksprecher und Fernsehmoderator Peter Otto Kurzgeschichten von Leo Tolstoi. Karten für alle Veranstaltungen gibt es beim Bremer KartenKontor und bei allen Nordwestticket-Vorverkaufsstellen. Der Eintritt zur Ausstellung "Selig ist anders" ist frei; sie ist bis zum 3. Juli täglich zwischen 16 und 21 Uhr geöffnet. Weitere Informationen finden sich im Internet unter www.plantage22.de.



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