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Regensburger Straße. Für Jane Haardt und Wilma Pannen hat das neue Jahr gut angefangen. Die Beschäftigten des Bremer Standortes von ArcelorMittal haben 3000 Euro für die Arbeit des Vereins "Hand zu Hand" gesammelt. Für die psychosoziale Beratungsstelle für Gehörlose und Hörgeschädigte ist Unterstützung dieser Art überlebenswichtig. Dass ihre Spende in Findorff gut angelegt ist, davon konnten sich Peter Backhaus und Marion Müller-Achterberg von ArcelorMittal persönlich bei einem Besuch an der Schwarzburger Straße überzeugen.
"Für hörende Menschen gibt es viele professionelle Beratungsangebote", sagt Jane Haardt. "Gehörlose oder hörgeschädigte Menschen können sie nicht nutzen." Auch die meisten der üblichen Informationswege blieben ihnen verschlossen: "Bei Vortragsveranstaltungen wird selten gedolmetscht, Fernsehsendungen sind häufig nicht untertitelt." Vielen hörenden Menschen sei auch nicht bewusst, dass selbst Zeitungen und Bücher von Gehörlosen nicht so einfach genutzt werden könnten: "Sie haben häufig Schwierigkeiten beim Lesen, weil sich die deutsche Gebärdensprache in der Grammatik wesentlich von der deutschen Lautsprache unterscheidet", erklärt Wilma Pannen. "Das ist vergleichbar mit den Schwierigkeiten, die die meisten Hörenden hätten, fremdsprachige Tageszeitungen oder Fachbücher zu verstehen."
Einzige Beratungsstelle ihrer Art
Die psychosoziale Beratungsstelle ist im Umkreis von 100 Kilometern die einzige ihrer Art. Gehörlose und hörgeschädigte Menschen aus Bremen und der gesamten Region kommen nach Findorff, wenn sie Unterstützung in Krisen des Lebens suchen: Wenn es zum Beispiel darum geht, das Ende einer Beziehung oder den Tod eines nahestehenden Menschen zu verkraften, Gewalterlebnisse zu verarbeiten oder eine Suchtmittelabhängigkeit zu überwinden. Rund 900 kostenlose Beratungsgespräche führen Wilma Pannen und Jane Haardt durchschnittlich pro Jahr. Seit zwei Jahren bieten Jane Haardt und Wilma Pannen auch psychosoziale Beratung und Therapie speziell für Kinder und Jugendliche an.
"90 Prozent aller gehörlosen Kinder wachsen in hörenden Familien auf, und 90 Prozent aller gehörlosen Eltern haben hörende Kinder", erklärt Wilma Pannen. Die innerfamiliäre Kommunikation sei dabei häufig ein Problem, bestätigen auch Sylvia Krenke-Felten und Silke Junge vom gehörlosen "Kids Club Bremen" sowie Thomas Plotzki, Lehrer an der Schule für Gehörlose an der Marcusallee: Denn dass Eltern von gehörlosen Kinder die Gebärdensprache beherrschten, sei keine Selbstverständlichkeit, bedauert Sylvia Krenke-Felten. Sie wünscht sich auch, dass mehr hörende Eltern den Weg in den sogenannten Kids Club fänden. Umso wichtiger sei das Beratungsangebot in Gebärdensprache von "Hand zu Hand", betont denn auch Thomas Plotzki.
Seit 2008 verzichten die 3600 Bremer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von ArcelorMittal freiwillig auf einen Teil ihres Gehaltes - auf die Cents hinter dem Komma. Die Summe, die durch diese "Restcent-Initiative" zusammenkommt, wird vom Arbeitgeber verdoppelt, das Geld für verschiedene wohltätige Projekte gespendet.
"Hand zu Hand" kommt völlig ohne öffentliche Mittel aus und wird ausschließlich über Spenden finanziert. Im Jahr 2010 wurde die Beratungsstelle als, so der Titel, "Ausgewählter Ort im Land der Ideen" ausgezeichnet, einer Initiative unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten. Zu den prominenten Fürsprechern der Einrichtung gehören Hape Kerkeling und Caroline Link, Regisseurin des Films "Jenseits der Stille".
Die Beratungsstelle von "Hand zu Hand" befindet sich an der Schwarzburger Straße 34. Der Kontakt ist über Telefon 375756 oder auch per E-Mail an hand.zu.hand@web.de möglich.
Weitere Informationen finden sich auf der Internetseite www.handzuhand.net.



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