Nachbarschaftshaus Helene Kaisen beklagt langwieriges Verfahren / Volles Haus beim "Gröpelinger Neujahr"

 - 09.01.2012

Start der Stiftung lässt noch auf sich warten

Von Anne Gerling
Schon seit 27 Jahren startet das Jahr in Gröpelingen mit einer guten Gelegenheit für interessante Begegnungen und Gespräche. Auch gestern zog es wieder etliche Besucher aus dem Bremer Westen ins Nachbarschaftshaus Helene Kaisen. Als Ehrengast war diesmal Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) zu Gast.

Gröpelingen. Immer am zweiten Sonntag im Januar ist es soweit: Dann lädt traditionell das Nachbarschaftshaus Helene Kaisen (na') - "die Wiege der Bremer Bürgerhäuser", wie Peter Sakuth, Vorsitzender des Vereins Nachbarschaftshaus, gern betont - zum Neujahrsempfang ein, der "Gröpelinger Neujahr" heißt und bei dem auch die Sternsinger nicht fehlen dürfen.

Diesmal kamen die Gäste so zahlreich, dass sie Beim Ohlenhof kurzfristig für einen Stau sorgten. Darunter waren Vertreter der Gröpelinger Schulen, der beiden großen Gröpelinger Sportvereine SV Grambke-Oslebshausen und Tura, von Brebau und Gewoba ebenso wie von Polizei, Ortsamt und Beirat, aus dem Diako und vom Martinsclub sowie von unterschiedlichen Dach- und Partnerorganisationen. Auch etliche Bürgerschaftsabgeordnete und die beiden Bundestagsabgeordneten Agnes Alpers (Die Linke) und Carsten Sieling (SPD) nutzten die Gelegenheit, um sich in lockerer Atmosphäre mit alten und neuen Bekannten aus dem Stadtteil auszutauschen.

Für das Nachbarschaftshaus, das in diesem Jahr sein 60-jähriges Bestehen feiern kann, war 2011 ein erfolgreiches Jahr. "Auch 60 Jahre nach der Gründung ist das Haus eine Stätte des Gemeinsinns, der Toleranz, der Integration, der guten Nachbarschaft und der vielfältigen Kultur geblieben", unterstrich Sakuth. Das na' habe seine Besucherzahlen halten können und sei wirtschaftlich im Plan.

Einziger Wermutstropfen ist für Peter Sakuth, dass der Antrag auf Einrichtung einer Stiftung noch immer nicht von der Behörde abschließend bearbeitet wurde. Bislang steht das na' auf städtischem Boden. Dieser soll, so wünscht es sich Sakuth im Sinne der Zukunftssicherung für die Einrichtung - dem Bürgerhaus aber demnächst übertragen werden. "Einige in Bremen sollten ihre Aktendeckel mal ein bisschen schneller bewegen", kommentierte der frühere Senator das langwierige Verfahren.

Erstmals Krippenplätze geschaffen

So erfolgreich das vergangenen Jahr auch war, es gab dabei im na' aber auch baulich bedingte Beeinträchtigungen für alle. Im Vordergrund stand bei dem weiteren Ausbau des Hauses die Kinderbetreuung: "Neben 20 weiteren Kindergartenplätzen haben wir durch die Erweiterung der Kindertagesstätte 'na'kita' in unserem Haus erstmalig 16 Krippenplätze geschaffen. Wir hätten nach den Anmeldungen doppelt so viele Kinder unterbringen können", sagte Sakuth. Als sie von den Erweiterungsplänen hörten, hätten sich etliche Mütter im Stadtteil, insbesondere Alleinerziehende, gefreut, dass sie eventuell durch eine ganztägige Betreuung ihrer Kleinen wesentlich bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt bekommen würden. Die meisten Anfragen hätten sich auf eine tägliche Betreuungszeit von acht Stunden bezogen. Dann habe es jedoch einen Dämpfer gegeben, so Sakuth. "Schließlich mussten sie in den Zeitungen lesen, dass der Senat im Jahre 2010 beschlossen hatte, für neu geschaffene Plätze nur

maximal sechs Stunden pro Tag zu bezahlen. Bei allem Verständnis für den Bremer Sparzwang: Es ist aus meiner Sicht kontraproduktiv, die Chancen der Eltern, besonders der Alleinerziehenden, auf dem Arbeitsmarkt durch die Sechs-Stunden-Regelung zu beschneiden", wandte sich Sakuth schließlich an den Ehrengast Martin Günthner (SPD), Bremens Senator für Wirtschaft, Arbeit, Häfen, Justiz und Verfassung.

Günthner entgegnete: "Wir liegen in Bremen mit sechs Stunden an der Spitze, das ist auch ein Verdienst von Ingelore Rosenkötter, die immer dafür gekämpft hat und heute auch hier ist." Der Senator beteuerte: "Wir würden gerne mehr machen, befinden uns aber auf Sanierungskurs. Die Spielräume sind eng." Bei seinem Amtseintritt vor zwei Jahren am Ende der vormaligen Wirtschafts- und Finanzkrise habe niemand an einen schnellen Aufschwung geglaubt - und doch sei noch nie so viel im Hafen umgeschlagen worden wie im Jahr 2011, ermutigte der Wirtschaftssenator seine Zuhörer, positiv in die Zukunft zu schauen.

"Es ist notwendig, eine Durchlässigkeit in unserer Gesellschaft zu organisieren, weil das die Voraussetzung für den Erfolg unserer Gesellschaft ist", sagte Günthner. Es gelte deutlich zu machen, dass gute Bezahlung etwas mit dem Wert des Menschen zu tun habe. Eindringlich sprach sich Günthner sich in diesem Sinne für einen gesetzlichen Mindestlohn in Höhe von 8,50 Euro aus: "Das ist die Untergrenze, von der wir wollen, dass sie gewährleistet wird."





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