Delikte haben in diesem Winter in allen Gröpelinger Parzellengebieten stark zugenommen

 - 06.02.2012

Einbruchserien beunruhigen Kleingärtner

Von Anne Gerling
Gröpelingens Kleingärtner sind in Alarmbereitschaft: In diesem Winter wird dort besonders häufig eingebrochen. Die Parzellisten haben schon einiges probiert, um ihre Gärten zu schützen. Was sie besonders ärgert: Selbst wenn ein Täter auf frischer Tat ertappt wird, ist er anschließend meist schnell wieder auf freiem Fuß.

In den Wischen. Sie kommen bevorzugt im Winter, wenn sich schon früh die Dunkelheit über die Gärten legt. Mal wird eine Scheibe eingeschlagen, mal ein Fenster aufgehebelt oder gleich eine ganze Tür herausgebrochen: Alle Jahre wieder registrieren die 89 bremischen Kleingärtnervereine nach Ende der Gartensaison zwischen Mitte Oktober und März verstärkt Einbrüche in den Parzellengebieten - so auch im Bremer Westen.

Dieses Jahr hat sich dort das rund 290 Gärten umfassende Gebiet Am Mittelwischweg als unfreiwilliger Schwerpunkt herauskristallisiert. "Wir hatten in den letzten dreieinhalb Monaten 67 Einbrüche. Allein im Prinzenapfelweg waren es 25. Und im Dezember wurde in einer Nacht in 19 Gärten eingebrochen", erzählt Rolf Heide vom Verein der Gartenfreunde Am Mittelwischweg, der auch Vorsitzender der Kleingärtner-Interessengemeinschaft Gröpelingen-Oslebshausen ist.

Die benachbarten Vereine hat es ebenfalls getroffen, wenn auch längst nicht so heftig: Jürgen Huss, Vorsitzender des Vereins "Blüh' auf" sind 21 Einbrüche bekannt; 18 Einbrüche hat Heinrich Bultmann, Vorsitzender des Vereins "Waller Marsch", gezählt. Und bei den Vereinen "Bauernweide" und "Morgenland", schildern deren Vorsitzende Bodo Wille und Joachim Bruns, wurden jeweils zehn Einbrüche gemeldet. "Es gibt sicher eine gewisse Dunkelziffer", schätzt außerdem Heide, denn nicht jeder melde einen Vorfall.

Viel Täter gehen stümperhaft vor

Fest steht: Es gibt unterschiedliche Täter. "Manche gehen stümperhaft vor und brauchen 15 Versuche, um ein Fenster aufzustemmen. Andere kommen mit dem Kuhfuß", so Heide. "Die gucken vorher gar nicht, ob da was ist - die machen gleich auf", schildert er die übliche Vorgehensweise. Zu holen ist in den Gärten nicht viel, oft geht es nur um eine Flasche Schnaps, Lebensmittel oder einen DVBT-Receiver. In Jahren, in denen die Metallpreise hoch seien, würden auch mal Wasserhähne mitgenommen, schildert Hans Senkpiel, Vorsitzender der Gartenfreunde. Außerdem gebe es "Schlafeinbrüche", die für die Betroffenen besonders unangenehm seien: "Das ist ekelig. Da kann man dann hinterher alles wegschmeißen - die Matratze, Decken und so weiter."

Gut für den, der dann privat versichert ist; es gibt aber auch eine Kollektivversicherung über die Vereine. Für manch Parzellisten ist aber ohnehin der finanzielle Schaden bei weitem besser zu verschmerzen als der Schock darüber, dass jemand Fremdes in die eigene Privatsphäre eingedrungen ist. So ist zum Beispiel Jürgen Huss ein Fall noch besonders in Erinnerung, der sich vor rund drei Jahren ereignete. Der Einbrecher hatte damals extrem viel Dreck in der Laube hinterlassen. "Die Frau konnte dort seitdem nicht mehr hingehen. Ihr Mann hat lange gehofft, dass sich das wieder bessert. Aber jetzt gibt er die Parzelle auf."

Und so treffen die Einbrüche nicht nur die einzelnen Kleingärtner, sondern auch deren Vereine. "Das kostet uns Mitglieder", schildert Senkpiel, "und der Verein bleibt dann auf den Kosten für Strom, Versicherung und Unkosten sitzen."

Rund 2000 Gärten gehören zum Gebiet der sechs Vereine "Gartenfreunde", "Blüh' auf", "Waller Marsch", "Bauernweide", "Morgenland" und "Gute Gemeinschaft". Seitdem dort nur noch sehr wenige Kaisenhäuser bewohnt sind, haben die Störenfriede nachts nahezu freie Bahn. "Früher waren die Wege beleuchtet", schildert Heinrich Bultmann. Doch mit dem Verschwinden der Kaisenbewohner wurde das Gebiet "verdunkelt", wie Hans Senkpiel es umschreibt. Bei der Polizei ist das Problem bekannt. "Und die gehen hier nachts auch oft Streife. Manchmal hören sie sogar etwas klirren - wissen dann aber nicht, wo", erzählt Bultmann. Er hat deshalb von der Polizei den Tipp bekommen, Bewegungsmelder zu installieren. Dass die helfen, bezweifelt Bodo Wille, Vorsitzender des Vereins Bauernweide: "Das ist das Erste, was sie kaputt hauen."

Einiges haben die Kleingärtner schon ausprobiert, um die ungebetenen Gäste zu vertreiben: Sie sind nachts durchs Gebiet gefahren, haben die Wege mit Schranken versperrt und sogar einen Wachdienst engagiert - alles ohne durchschlagenden Erfolg. So versucht sich inzwischen jeder auf seine Weise zu helfen: "'Hier ist nichts zu holen. Bitte lasst mich in Frieden' hat einer unserer Parzellisten in vier Sprachen auf ein Schild an seiner Gartenpforte geschrieben. Und ein anderes Mitglied schließt inzwischen nicht mehr ab und stellt den Eindringlingen Chips hin - so hat er wenigstens hinterher die Unordnung nicht mehr", erzählt Huss.

Einige Male konnte die Polizei übrigens tatsächlich einen Täter dingfest machen - allerdings immer nur für kurze Zeit. Dafür, dass die Einbrecher jeweils schnell wieder auf freien Fuß gesetzt wurden, haben die Vereinsvorstände kein Verständnis: "Wir wünschen uns von der Regierung, dass die da was machen", unterstreicht Jürgen Huss.





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