Bremer Sportjugend: Bildungs- und Teilhabepaket bedeutet zu viel Bürokratie

 - 10.11.2011

Vereine fürchten Überforderung

Zum ersten Mal hat der Jugendtag im neuen Domizil in der Überseestadt getagt. Im Mittelpunkt der Mitgliederversammlung der Bremer Sportjugend (BSJ) stand das Bildungs- und Teilhabepaket der Bundesregierung. Viele Bremer Vereine befürchten, von der zunehmenden Bürokratie überfordert zu werden. Deshalb fordern sie neue Regeln.

Von CHRISTIAN PALM

Überseestadt. Die Vorgaben des Bundes sind klar: Seit es das Bildungs- und Teilhabepaket gibt, haben bedürftige Kinder und Jugendliche einen Anspruch auf soziale und kulturelle Teilhabe. Konkret heißt das unter anderem, dass sie auf Kosten der Jobcenter oder Sozialämter Mitglieder in Vereinen werden können. Darüber, was das für die Vereine bedeutet, haben die Funktionäre nun auf der Mitgliederversammlung der Bremer Sportjugend (BSJ) diskutiert. Die Ausgangsfrage lautete: "Das Bildungs- und Teilhabepaket - Eine Chance für den Sport?"

In der lebhaften Diskussion beklagten die Vereinsvertreter den hohen bürokratischen Aufwand, der für die Vereine durch das Bildungs- und Teilhabepaket entsteht. Das Verfahren in der Stadt sei einfach zu aufwändig, sagte Heike Kretschmann vom TuS Huchting als Sprecherin von sieben großen Vereinen. Sie seien damit auf Dauer überfordert und auch nicht mehr bereit, diese Arbeit zu leisten. Es zeigte sich, dass die Praxis in Bremen deutlich komplizierter ist, als die in Bremerhaven. Nachdem Michael Schwarz, der Leiter des Landesjugendamts Bremen, die Rahmenbedingungen skizziert hatte, ging es um die Praxis im Land Bremen. Astrid Henriksen, Leiterin des Sozialamts Bremerhaven, erklärte, dass in der Seestadt Gutscheine an die Eltern ausgegeben werden, die für Aktivitäten wie Nachhilfeunterricht, Vereinssport oder Musikunterricht genutzt werden können. Der jeweilige Anbieter, zum Beispiel ein Sportverein, rechne dann mit dem Sozialamt ab.

Viel Aufwand für Anbieter

In der Stadtgemeinde Bremen dagegen, erklärte Schwarz, müssen die Vereine zunächst den Eltern die Leistung bestätigen, die dann damit zum Amt gehen können. Um Kindern und Jugendlichen diese Förderung zu ermöglichen, müssen sich die Sportvereine auf eine Anbieterliste setzen lassen. Mit deren Zustimmung werden sie auf den Internetseiten der Sozialsenatorin veröffentlicht, damit sich interessierte Kinder, Jugendliche und deren Familien über Anbieter informieren können.

Die Rückmeldung der Bremerhavener Delegierten fiel deutlich positiver aus als die der Stadtbremer. Schwarz räumte ein, dass bessere, verständlichere Informationen notwendig seien. Er lud die Funktionäre ein, gemeinsam nach Vereinfachungen zu suchen.

In einem Beschluss zum künftigen Umgang mit dem Bildungs- und Teilhabepaket formulierte der Jugendtag seine Forderungen. Darin heißt es, dass es keinen wesentlichen zusätzlichen Verwaltungsaufwand verursachen dürfe, die Bildungsgutscheine zu bearbeiten. "Der Zahlungsverkehr ist zeitnah und langfristig vorzunehmen", schreiben die BSJ-Vertreter. Gleichzeitig machen sie einen Vorschlag, wie die Verwaltung fortan ablaufen könnte.

Demnach sollen die Antragsteller dem Sportverein beitreten und somit wie alle anderen Mitglieder behandelt werden. Die Jobcenter oder Sozialzentren erhalten danach eine Kopie der Mitgliedsbescheinigung. Anschließend sollen die Jobcenter eine Kopie der Bewilligung an den Sportverein senden und die Mitgliedsbeiträge innerhalb von vier Wochen für mindestens sechs Monate überweisen.

Ferner ging es auf der Versammlung um Personalien. Mareike Sander stellte sich als neue Jugendsekretärin der BSJ vor. Sie ist seit Mitte Oktober die Nachfolgerin von Silke Hinkens. Herzlich von den Delegierten verabschiedet wurde Daniela Maaß, die bisherige Beauftragte für das Freiwillige Soziale Jahr und für die Jugendpolitik. Sie zieht es aus beruflichen und privaten Gründen nach Indien. Der BSJ-Vorsitzende Christian Droste konnte auch Ehrengäste begrüßen, darunter die LSB-Präsidiumsmitglieder Detlev Busche, Waltraud Ehrhardt, Barbara Tülp und Bernd Zimehl. Ebenso Karl Vennegeerts, Geschäftsführer des Lidice-Hauses, Karl-Heinz Steinmann, Geschäftsführer der Niedersächsischen Sportjugend und Petra Krümpfer, sportpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion.





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