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Überseestadt. Für den Klub Dialog war es ein Pilotprojekt, für die zwölf Kulturschaffenden waren es spannende Erlebnisse: Die Bremer Künstlerplattform hat sie im Sommer auf eine "Expedition" geschickt - Reise quer durch Europa.
Die Bremer sollten sich erfolgreiche Projekte aus Kunst, Kultur und Kreativwirtschaft in verschiedenen Städten ansehen, um Anregungen und Ideen für eigene kreative Projekte mitzubringen. Die Ergebnisse der geglückten Missionen stellten die vier Reisegruppen nun in der Stauerei vor.
Unter dem Titel "Sexmex und Wein" waren Doris Weinberger, Claudia Cruz und Annelie Käsmayr im Spätsommer im schwedischen Göteborg unterwegs. Im Fokus stand für die drei Frauen die Frage, welche wirtschaftlichen Alternativen es für Kunstschaffende in anderen Ländern neben der eigenen Kunst gibt. In Göteborg besuchte das Team die Agentur "Tillt", die Künstler, Tänzer und Musiker an kleine und mittelständische Unternehmen vermittelt, um deren Kommunikation mit kreativen Lösungsansätzen zu verbessern. Unter dem Titel "Artistic Intervention" werden Künstler dabei als alternative Coaches eingesetzt.
Politisch geprägte Kunst
Etwas weiter südlich, in Istanbul, war die Gruppe "Kreativnomaden" unterwegs. Ihr gehörten Katrin Bretschneider, Laura Brandt und Majo Ussat an. Auf der Reise durch die türkische Großstadt trafen sie die Kuratorin Nihan Cetinkaya, die sie durch die Künstlerszene der Stadt führte. Dabei entdeckten die "Nomaden", dass die dortige Kunst von aktuellen politischen Themen und Geschehen geprägt ist. "Es sind andere Themen, Themen, die brennen", berichtete Katrin Bretschneider.
Außer einer nicht-kommerziellen Galerie besuchte das Trio das verlassene Garaj-Theater. Wo noch vor einigen Jahren die Stars der Tanzszene auftraten, offenbart sich nun die schlechte finanzielle Lage der zeitgenössischen Kunst, denn es gibt fast keine staatliche Förderung. "Ohne Sponsoren geht nichts in der Kunst in Istanbul", weiß Bretschneider. "Dornröschenschlaf" nennt sie den Zustand der Einrichtung liebevoll, denn das Theater verfügt nach wie vor über die komplette räumliche und technische Ausstattung.
Die Vernetzung von Kreativität und Nachhaltigkeit hat sich das Team "grün, grön, grønt" auf die Fahnen geschrieben. Gemeinsam reisten Janina Schultze, Laura Waste und Niusha Ramzani mit dem Zug durch Skandinavien. In Kopenhagen besuchten sie die Künstlergruppe "Superflex", die mit ihrer Kunst an realen Problemen, wie dem Klimawandel, ansetzen und etwas verändern will. In Stockholm machte das Team einen Ausflug in den "grünen" Stadtteil Hammarby, in dem Architektur, Energie- und Wasserversorgung und die Entsorgung von Müll möglichst umweltfreundlich ausgelegt ist. Damit produziert Hammarby rund 50 Prozent weniger Kohlendioxid als andere Stadtteile.
Wie man herumliegenden Müll zu Kunstobjekten verarbeitet, erfuhr die Reisegruppe bei einem Treffen mit dem Künstlerteam "HansenBoomHansen". Das Trio arbeitet nach dem Motto "Pick a piece of Rubbish" ("Heb' ein Stückchen Müll auf"). Die Idee: Jeder soll bei einem Spaziergang lieber ein Stück Müll mitnehmen, statt etwas wegzuwerfen. Die gesammelten Abfälle werden dann in kreative Kunstwerke umgewandelt. Künstler Johan van den Boom war zur Präsentation nach Bremen gereist, erklärte die Idee und zeigte seine Werke.
Ebenfalls "Recycling" im weitesten Sinne fand die vierte Expeditionsgruppe "In Progress" vor. Regine Beyer, Britta Seidl und Ole Schiesser lernten in Lissabon ein Künstlerprojekt mit besonderem Ausmaß kennen. 16 bekannte Streetart-Künstler gestalteten die kompletten Fassaden von baufälligen Abrisshäusern nach eigener Fasson. Neben riesigen bunten Kunstwerken findet sich auf den Fassaden immer der Schriftzug "Aqui podia viver la gente" ("Hier könnten Leute leben"). Denn die Mieten sind teilweise so hoch, dass Gebäude leer stehen und verfallen. "Crono" heißt das kreative Projekt, mit dem auf die prekäre Situation auf dem Wohnungsmarkt in Portugal aufmerksam gemacht werden soll.
Die unterschiedlichen kreativen Ansätze und Eindrücke der Expeditions-Teilnehmer sollen zu neuen Projekten in Bremen inspirieren. Auf Gund der positiven Resonanz auf dieses Pilotprojekt plant der Klub Dialog ähnliche Projekte für die Zukunft.
Wer sich ausführlich über die mehr als 25 besuchten Projekte in elf europäischen Städten informieren möchte, findet ausführliche Reiseberichte im Expedition!-Magazin. Es ist per E-Mail unter info@klub-dialog.de zu bestellen.



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