| Das Wilhelm Kaisen-Quiz » |
Von ANNE GERLING
Überseestadt. Die Vision einer gerechteren Gesellschaft ist keine Utopie. Das zeigte die Veranstaltung "Sehnsucht nach Veränderung - dem Wünschen und Wollen auf der Spur" des Vereins Blaue Karawane im Café Blau im Speicher XI. Dieser setzt sich für eine Gesellschaft ein, in der niemand ausgegrenzt wird.
Sehnsucht kann große Kräfte entfalten - strebt aber nicht immer das gleiche Ziel an: Das zeigten die Clowns der Blauen Karawane. Ihr symbolisches Sehnsuchts-Band zerriss. Der Versuch, das Ziel ihrer Sehnsucht zu erreichen, scheiterte. Dennoch blieben sie auf ihrem Weg.
Alltägliche Schrullen der Menschen nahm Gabi-Grete Kellerhoff im Kabarett-Beitrag aufs Korn. Als Friseurin kennt sie sich mit den Wünschen von Frauen und Männern aus, die durch die äußerliche Verschönerung ihr Selbstbewusstsein heben wollen, auch wenn "im Kopf eine Glatze" übrig bleibt.
Mateng Pollkläsener vom "théâtre du pain" deklamierte spitzfindige skurrile Gedanken bis zu sprudelnden Kaskaden von Verrücktheiten und schloss voller Empörung über unsere Zeit mit einem furiosen Rock auf der Luftgitarre. Ein Kontrast zu den Gedanken, an den der Bremer Soziologe und Kommunikationswissenschaftler Johannes Beck anschloss: Er erinnerte an den Friedensmarsch zum Bonner Hofgarten gegen die Nachrüstung. Dabei wurde 1981 der Slogan "Entrüstet euch" geprägt.
Dies nahm er als Ausgangspunkt, um über manipulierenden beziehungsweise irreführenden Sprach- und Wortgebrauch in der heutigen Zeit zu sinnieren. Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass Kapital und Börse mit menschlichen Eigenschaften belegt werden könnten wie "reagiert sensibel - erholt sich langsam - stürzt wieder ab".
Auf die anschließend gestellte Frage "Was hält uns gefangen und hindert uns an Veränderungen?" gab es viele Antworten: Resignation, Unvermögen, die Komplexität zu durchschauen, die Last der subjektiven Lebenssituation, die Angst vor Veränderung, das Gefühl mangelnder Solidarität.
Eine Frage beflügelt die Fantasie
Einen Anstoß, der die Fantasie beflügelte und Lust auf Veränderung machte, waren die Gedanken zur Frage "Was schafft uns Freiraum?" aus der "Ansprache der Bürgermeisterin Bremens im Jahre 2014". Die Bremer Autorin Jutta Reichelt las sie vor. Darin bedankte sich die Bürgermeisterin bei den Bürgern der Stadt, die daraufhin ein heiteres, kreatives und blühendes Leben entfaltet hatten.
Dass dieser Blick in die Zukunft einen Bezug zur Realität hat, offenbarte die anschließende Präsentation von neun in ganz Bremen engagierten Initiativen, bei denen Menschen versichern: Dafür stehen wir ein. Sie haben sich auf den Weg gemacht, um Bremen zu verändern und stellten ein breites Spektrum von nachbarschaftlichen, quartierbezogenen, überregionalen bis hin zu global orientierten Aktivitäten vor.
"Der Gewinn für unsere Veranstaltung lag im Kennenlernen der unterschiedlichen Ideen und Wege zur Veränderung - wie auch der emotionalen Befriedigung der Akteure", formulierten die Karawane-Mitglieder Ursula und Uwe Helmke als Fazit der jüngsten Veranstaltung des Vereins im Café Blau. "Die Teilnehmer entdeckten einen gemeinsamen Rahmen für die unterschiedlichen Wege, der einen Ansatz für eine wirkungsvolle Vernetzung bilden könnte."



Regenwahrscheinlichkeit:



