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Sebaldsbrück. Für Herrn Parseval, einen deutschen Luftschiffbauer, wären es sicherlich ungewohnte Klänge gewesen, die am Wochenende in der nach ihm benannten Straße zu hören sind. Das "Haus für unsere Freundschaft" veranstaltet beim 9. Jugendfestival Hemelingen ein Hip-Hop- und Rap-Konzert in der Schule an der Parsevalstraße in Sebaldsbrück.
Musikalische Pioniere können dort, bei ihren zum Teil erstmaligen Auftritten, gehört und bejubelt werden. Unter der Schirmherrschaft der Senatorin für Soziales, Kinder, Jugend und Frauen, Anja Stahmann, dürfen die ganz jungen, aber auch die älteren Künstlerinnen und Künstler ihr Können beweisen.
"Die Jugendlichen, die hier auftreten sind zwischen 14 und 23 Jahren alt", sagt Cemal Kocas vom Verein Ein Haus für unsere Freundschaft. Es ist nicht nur von der Altersstruktur her ein gemischtes Publikum, sondern auch, was die Herkunft der Künstlerinnen und Künstler angeht. "Die Jugendlichen kommen aus dem ganzen Bremer Stadtgebiet", sagt Cemal Kocas. Das Konzert in der Parsevalstraße solle nur der Auftakt für viele weitere Veranstaltungen im Rahmen des Hemelinger Jugendfestivals sein, erklärt Kocas. Mit dem Festival verfolge man insbesondere zwei Ziele: "Wir wollen erstens den Nachwuchs fördern und zweitens Jugendliche aus unterschiedlichen Kulturen und Stadtteilen zusammenbringen."
Sozialkritische Texte
Zwei Musiker, die an diesem Abend auf-treten, sind Justus und MCS von der Gruppe "Zeitgeist Musik". Die beiden Musiker machen Hip-Hop und haben schon die ersten Schritte zu einer möglichen musikalischen Karriere unternommen. "Wir produzieren gerade unser erstes Album", sagt der 20-jährige Justus aus der Neuen Vahr. Musikalisch grenzen sie sich deutlich von dem sogenannten "Gangsta-Rap" ab. "Wir machen eher sozialkritische Texte. Unsere Musik als Gangsta Rap zu bezeichnen, wäre ganz falsch", sagt der achtzehnjährige MCS aus Schwachhausen. Ursprünglich haben die beiden Musiker Punkrock gehört. "Ich war bis zwölf Punk, aber dann habe ich das Hip-Hop-Leben übernommen", erklärt MCS. Hip-Hop sei nicht nur Musik, sondern eine ganze Lebenskultur, sagen die beiden Jungs von Zeitgeist. Was für sie guten Hip-Hop auszeichnet: "Solide Texte, kein Playback und ein vernünftiger Beat", sagt Justus. Dem Haus für unsere Freundschaft ist Justus auf enge Weise verbunden, dort hat er ein
Freiwilliges Soziales Jahr geleistet.
Sozialkritisch sind auch die Texte des Stargastes, der an diesem Abend auftritt: der Bremer Rapper JokA. Schon mit zehn Jahren kam JokA in Kontakt mit Hip-Hop und hat sich über die Jahre einen Namen in der deutschen Hip-Hop-Szene gemacht. Fernab von jeder Gangsta-Attitüde kennzeichnen seine Texte inhaltliche Tiefe. Für Cemal Kocas ein passender Musiker für diesen Abend. "JokA vermittelt inhaltlich gute Themen und er hat eine Vorbildfunktion für die Jugendlichen." Er spreche mit seiner Musik alle an.
Unter den Gästen ist auch Ullrich Höft, der Ortsamtsleiter von Hemelingen. Als Kooperationspartner unterstützt das Ortsamt das Jugendfestival. Auch er freut sich über die zahlreichen Jugendlichen, die zu dem Konzert gekommen sind. "Es ist zwar nicht so ganz meine Musik, aber es gehört zu der Jugendkultur und die Nachfrage ist sehr groß, und die Musiker und Tänzer können zeigen, was sie drauf haben", sagt Ullrich Höft. Als Nachbar sehe er tagtäglich die wichtige Arbeit, die im Haus für unsere Freundschaft gemacht werde. "Sie spielen eine große Rolle in der Integration und sie haben meine Hochachtung für die Arbeit, die dort geleistet wird", betont Höft.
Während die ersten Tanzgruppen, wie die sehr gut choreografierten Auftritte der "dritton dance school" aus Oslebshausen, und die ersten Musiker, wie zum Beispiel "Youngballer" auftreten, und sich die Aula der Schule mit immer mehr begeisterten Jugendlichen füllt, wendet sich schließlich auch Anja Stahmann an die Jugendlichen. In ihrer kurzen Ansprache betont sie, dass es eine große Ehre für sie sei, die Schirm-herrschaft zu übernehmen. "Was ich bisher gesehen habe, fand ich großartig", sagt Stahmann und drückt damit aus, was viele der Besucher denken.
Tani aus Osterholz und Mayamee aus Huchting jedenfalls hätten nicht mit so vie-len Menschen gerechnet. "Wir haben über Facebook und über Freunde von diesem Konzert gehört und sind überrascht, dass es so groß und voll ist", sagt Tani. "Ich finde das toll, dass sie so was machen", sagt ihre Freundin Mayamee.
Auch Yannic aus Hemelingen hat sich mit einem Freund unter das Publikum gemischt. "Ich bin wegen ein paar Freunden hier, die nachher auftreten", sagt er. "Es ist schön laut, die Beats sind ganz gut und die Leute können zeigen, was sie können und vielleicht auch untereinander Kontakte knüpfen", sagt Yannic, der auch selber Musik macht.
Das Ziel, Jugendliche aus unterschiedli-chen Stadtteilen und mit unterschiedlicher Herkunft zusammenzubringen, wird an diesem Abend erreicht.
Mehr zum 9. Jugendfestival Hemelingen und über die Arbeit des Hauses für unsere Freundschaft, Godehardstraße 21, und das dort angeschlossene Jugendtonstudio im Internet auf der Seite www.einhausfuerunserefreundschaft.de oder unter Telefon 414670.



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