Universität setzt auf künstliche DNA

 - 07.03.2011

Bremer Polizei zieht positives Fazit des Pilotprojekts

Von Andreas Becker
Horn-Lehe.Es ist eine Sache von wenigen Sekunden: Friedrich Zittlosen schraubt das kleine Fläschchen auf und taucht ein Wattestäbchen in die milchige Flüssigkeit. Dann öffnet er die Haube seines Druckers und verstreicht einen Tropfen an einer unauffälligen Stelle auf dem Kunststoffgehäuse. "Das war schon alles", sagt der Verwaltungsleiter des Fachbereichs Biologie und Chemie und schließt den Drucker wieder. Das Gerät ist jetzt mit der sogenannten künstlichen DNA gegen Diebstahl gesichert.

"Das war schon alles", sagt der Verwaltungsleiter des Fachbereichs Biologie und Chemie und schließt den Drucker wieder. Das Gerät ist jetzt mit der sogenannten künstlichen DNA gegen Diebstahl gesichert.

Um den Drucker in seinem Büro mit der künstlichen DNA gegen Diebstahl zu sichern, braucht Friedrich Zittlosen, Mitarbeiter der Universität, nur einen Tropfen der Flüssigkeit auf das Gerät aufzubringen.
Um den Drucker in seinem Büro mit der künstlichen DNA gegen Diebstahl zu sichern, braucht Friedrich Zittlosen, Mitarbeiter der Universität, nur einen Tropfen der Flüssigkeit auf das Gerät aufzubringen.

So wie der Drucker in Zittlosens Büro sind bereits alle wertvollen und beweglichen Gegenstände im Fachbereich Biologie und Chemie an der Universität Bremen mit dem unsichtbaren Diebstahlschutz ausgerüstet. Seit einigen Monaten werden unter anderem Beamer, Laptops, Mikroskope, Labor- und Bürogeräte mit der künstlichen DNA markiert. "In der Tinktur sind Kennungen enthalten, die diese Geräte eindeutig der Uni zuordnen", sagt Martin Mehrtens, Dezernent für Organisation an der Uni. Trägersubstanz der Informationen sind winzige schwarze Punkte, sogenannte Mikrodots, die eine Zahlenkombination tragen. Diese kann dem jeweiligen Benutzer zugeordnet werden.

Mit bloßem Auge ist die getrocknete Flüssigkeit auf den Geräten zwar nicht mehr erkennbar. Mit einem speziellen Blaulicht, das die Polizei mittlerweile ständig mitführt, kann die Markierung aber wieder sichtbar gemacht werden. Dann ist auch die Herkunft der Beute zu entschlüsseln.

Bremer Schulen bereits ausgerüstet

Dies, so die Hoffnung der Anwender, sei einerseits für potenzielle Täter abschreckend. Andererseits könne Diebesgut durch die Markierung eindeutig seinem rechtmäßigen Eigentümer zugeordnet werden. Aufkleber mit der Aufschrift "Diebstahlschutz durch DNA" weisen an den Fenstern auf die Maßnahme hin. "Das soll natürlich die Täter daran hindern, einzubrechen", sagt Zittlosen.

Noch im vergangenen Oktober wurde sein Büro von Einbrechern heimgesucht. Der oder die Täter hebelten ein Fenster auf und entwendeten einen wertvollen Computer. "Den haben die offenbar gezielt ausgewählt, denn sonst fehlte nichts", sagt der Verwaltungsleiter. Kein Einzelfall - immer wieder wird die Universität das Ziel von Einbrechern. "Wir haben alleine etwa 10000 Computer im Haus. Dazu kommen die hochtechnisierten Forschungsgeräte, ohne die eine wissenschaftliche Arbeit überhaupt nicht mehr möglich ist", sagt Mehrtens. Da außerdem die Arbeitsplatzausstattungen von rund 3000 Mitarbeitern und 19000 Studierenden mit der künstlichen DNA gesichert werden, sind Aufwand und Kosten entsprechend hoch. Pro Gerät rechnet die Universität mit Kosten von einem Euro. Ein Fläschchen der Markierungsflüssigkeit reicht für etwa 50 Geräte, schätzt Zittlosen.

Die Einführung der künstlichen DNA im Land Bremen läuft seit Oktober 2009 als Pilotprojekt der Polizei. "Das Projekt ist dazu da, die künstliche DNA einzuführen und zu erproben", sagt Polizeisprecher Gundmar Köster. Alle Bremer Schulen sind bereits damit ausgerüstet. Außerdem gibt es zwei Pilotregionen: eine in Bremerhaven und die andere in der Bremer Neustadt. Rund eintausend Privathaushalte verwenden den Einbruchschutz bereits. "Dort ist die Häufigkeit der Einbrüche massiv zurückgegangen", zieht Köster ein positives Fazit. Das Projekt ist ausdrücklich nicht zeitlich begrenzt. "Die künstliche DNA wollen wir als normales Handwerkszeug zur Verbrechensbekämpfung etablieren", betont der Polizeisprecher. Ein Schwerpunkt sei die Prävention. "Das ist eine Möglichkeit, um sein Eigentum effektiv zu schützen", sagt Köster. Auf der anderen Seite bietet die künstliche DNA der Polizei bessere Möglichkeiten, um Täter zu überführen. "Wenn jetzt jemand mit drei Handys geschnappt wird, kann man ihm

wegen der Markierung den Diebstahl nachweisen. Das war früher nicht möglich, weil wir die Herkunft der Gegenstände nicht belegen konnten", so der Polizeisprecher. Heute hingegen könnten die Mikrodots unter dem Mikroskop ausgelesen und dem rechtmäßigen Eigentümer des Diebesguts zugeordnet werden.





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