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Horn-Lehe. Zwei Ungetüme bahnen sich einen Weg vom chinesischen Teepavillon durch das Publikum. Ab und zu hüpfen sie in die Luft und bewegen sich ruckartig zur Musik. Mit ihren großen Mäulern schnappen beide abwechselnd nach der Kugel, die von der Löwenführerin vor ihnen hergetragen wird.
Der chinesische Löwentanz wird traditionell zum Neujahrsfest aufgeführt. Das Kostüm, das aus einem riesigen Kopf und buntem Plüsch besteht, bewegen zwei Tänzer. Einer bildet das Hinterteil und den Rücken des Raubtiers, der andere schlüpft in den Schädel. Nur die Beine der beiden schauen unter dem Umhang hervor.
Beim Löwentanz gibt es verschiedene Grundschritte, die sich auch im traditionellen Kung Fu wiederfinden. Es gibt verschiedene Stile, die grob in nördlich und südlich eingeteilt werden können. Die Gruppe von Meister Dong Zhao präsentiert den Nordstil. Ihm wird eine fröhliche und Glück bringende Ausstrahlung zugeschrieben.
Der Drachentanz gehört ebenfalls seit mehr als 1000 Jahren zur traditionellen Kunst Chinas. Der Drache, der von elf Tänzern an Stangen durch die Luft getragen wird, schlängelt sich mit wellenartigen Bewegungen auf den Steinwegen durch das nachempfundene Himalayagebirge der Botanika. Sein Weg endet auf einer Empore. Und von weitem sieht es so aus, als würde er fliegen.Helga Lehmann trainiert seit fünf Jahren im "Wushu-Team Zhao". Sie sei aus "Interesse an der Sportart" dazu gekommen, sagt sie. Wushu ist der offizielle Begriff für alle chinesischen Kampf- und Selbstverteidigungskünste, die mit und ohne traditionelle Waffen ausgeführt werden. Auch gymnastische Bewegungsformen wie Tai Ji Quan (abgekürzt Tai Chi) zählen dazu.
Die Gruppe, die mehrmals in der Woche unter der Leitung von Meister Dong Zhao im Turnverein Oberneuland trainiert, besteht zurzeit aus mehr als 30 Kampfsportbegeisterten. Vertreten sind nahezu alle Altersgruppen von sechs bis 65 Jahren. Der Meister Dong Zhao kam vor acht Jahren nach Deutschland und eröffnete 2003, parallel zu seinem Betriebswirtschaftsstudium an der Universität Bremen, eine Kung Fu-Schule in der Hansestadt. Anders als bei westlichen Kampfsportarten, bei denen der Fokus auf Taktik und Kraft gelegt wird, geht es bei der traditionellen chinesischen Kampfkunst um die Harmonie von Körper und Geist.
"Die Kampfkunst fördert die Körperbeherrschung und wird den Schülern immer parallel mit der Philosophie, die dahinter steht, beigebracht", erläutert Zhao. Die Sportart habe außerdem einen starken gesundheitlichen Aspekt.
Maik aus Huckelriede hat als fünfjähriger mit dem Kung-Fu-Training bei Meister Zhao angefangen. "Ich hatte keine Lust mehr auf Fußball und wollte auf jeden Fall weiter Sport machen, um in Form zu bleiben", erzählt der Elfjährige. Kung Fu mache ihm großen Spaß.
Einfühlsamer Schüler
Mit Jakob Stäblein habe Zhao einen Schüler "auf ganz hohem Niveau", so der Meister. Seit acht Jahren trainiert der Student jetzt bei ihm. Anfangs habe er den Sport nicht so intensiv betrieben, bis er irgendwann an den Punkt gekommen sei, an dem er ein Gefühl für die Bewegungen entwickelt habe, erinnert sich Stäblein: "Da merkte ich, was dahinter steckt und trainiere seitdem vier bis fünfmal in der Woche." Auf die Frage, wie er das mit seinem Studium an der Hochschule Bremen vereinbaren kann, antwortet der 21-Jährige: "Man schafft es immer, sich für Sachen, die einem wichtig sind, Zeit zu nehmen." Er müsse dann eben bei anderen Freizeitaktivitäten zurückstecken.
In Sebastian Schäfers Leben spielen Kampfsportarten seit neun Jahren eine wichtige Rolle. Die chinesische Kampfkunst trainiert er erst seit drei Jahren. "Es ist nicht so einfach, eine gute Kung-Fu-Schule zu finden", sagt Schäfer. Deshalb fährt er zweimal pro Woche von Verden nach Oberneuland zum Training von Dong Zhao.
"Man trainiert seinen ganzen Körper und muss völlig konzentriert sein", berichtet Schäfer. Und genau das gefällt dem 17-Jährigen an Kung Fu. "Ich stehe kurz vor dem Abitur und schaffe es beim Training abzuschalten", sagt der Schüler.
Durch seine Kung Fu-Schule verfolgt Wushu-Meister Zhao nicht allein das Ziel, den Kampfsport zu unterrichten. "Westliche Länder haben ein Interesse an chinesischer Kultur", glaubt Zhao: "Durch diese Jahrtausende alte Tradition versuche ich, die ferne asiatische Kultur näher hierher zu bringen."
Weitere Informationen über das "Wushu-Team Zhao" unter www.chinese-wushu.de.



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