Projekt der Uni führt Schüler an wissenschaftliches Arbeiten heran / Themen werden frei gewählt

 - 20.02.2012

Stadtgeschichte auf dem Stundenplan

Von Sandy Bradtke
Unter Anleitung von Fachkräften der Universität erschließen sich Schüler aus sechs Bremer Schulen verschiedene Aspekte der Stadtgeschichte. Das in diesem Jahr zum zweiten Mal aufgelegte Kooperationsprojekt "Bremer Stadtforscher" möchte den Schülerinnen und Schülern das wissenschaftliche Arbeiten näherbringen und neue Unterrichtsformen anregen.

Horn-Lehe. Rund 200 Schüler aus verschiedenen Stadtteilen werden sich in den nächsten Wochen intensiv mit der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Hansestadt beschäftigen. Sie nehmen am "Stadtforscherprojekt" teil, das die Universität anbietet. Ein "Markt der Ideen" mit insgesamt 20 Ausstellern in der Uni sollte den Schülern jetzt helfen, ihre Forschungsthemen zu finden.

Am Stadtforscherprojekt nehmen Schüler der Jahrgangsstufen neun bis zwölf teil. Mit dem Gymnasium Hamburger Straße, dem Gymnasium Vegesack, der Oberschule Findorff, dem Schulzentrum Walle sowie der Gymnasialen Oberstufe Leibnizplatz an der Delmestraße (LGO) und der St.-Johannis-Schule sind unterschiedliche Schulformen vertreten.

Lüder Rennies (16) aus der östlichen Vorstadt und seine gleichaltrige Klassenkameradin Lale Thiele aus Huchting haben schon eine grobe Idee, was sie erforschen wollen. Die beiden besuchen die elfte Klasse der St.-Johannis-Schule und interessieren sich für den Widerstand gegen den Nationalsozialismus. "Wie sich einzelne Personen oder auch Institutionen, wie die Kirche in Bremen, gegen das Regime gewehrt und für ihre Rechte gekämpft haben, das interessiert mich sehr", sagt Lüder Rennes. Auf welche Weise der Schüler dieses Thema erforschen wird, weiß er jedoch noch nicht. "In dieser Wahl sind die Schüler völlig frei", erläutert die Studentin Kerstin Grau das Prinzip des Stadtforscherprojekts. Sie studiert Geschichte und Spanisch im dritten Mastersemester an der Uni Bremen und betreut für das Projekt Schüler des Gymnasiums Vegesack.

Die jungen Stadtforscher können einen bestimmten historischen Schwerpunkt setzen, sich mit einem Bremer Denkmal beschäftigen oder Zeitzeugen befragen. Erforschen sollen sie dabei ihre Stadt entlang des Rahmenthemas "Bremen zwischen Tradition und Wandel - verändern oder bewahren?". Als erste Ansprechpartner dienen die 20 Aussteller des Ideenmarkts, darunter das Focke-Museum, die Stadtteil-Chronik Horn-Lehe, das Landesfilmarchiv, das Staatsarchiv und das Landesamt für Denkmalpflege.

Das Stadtforscherprojekt geht auf eine Initiative des Zentrums für die Didaktiken der Sozialwissenschaften an der Uni zurück. Es wird von der Denkwerk-Initiative der Robert-Bosch-Stiftung gefördert und von der Senatskanzlei unterstützt. Wissenschaftler, Lehrer und Schüler arbeiten in dem Projekt intensiv zusammen.

Kerstin Grau hat "ihre" Schüler bereits kennengelernt. Die "Nähe zur Lernsituation" empfindet die Studentin als sehr positiv. "Die meisten Schüler finden dieses Projekt sehr spannend", sagt sie. "Viele sind aber auch noch unsicher, was in den nächsten Wochen auf sie zukommen wird", berichtet Grau. Die eigentliche Projektarbeit beginnt mit dem zweiten Schulhalbjahr und endet mit den Osterferien. Graus Aufgabe wird es in dieser Zeit sein, die Schüler zu unterstützen und beispielsweise methodische Hinweise zur Recherche oder Themenbearbeitung zu geben. Im Juni werden die Schulklassen aller teilnehmenden Schulen ihre Forschungsergebnisse auf einem gemeinsamen "Stadtforscher-Kongress" in der Universität zur Diskussion stellen.

Doch noch stehen die jungen Leute ganz am Anfang. Nadine Elvers (17) aus Utbremen und ihre ein Jahr jüngere Klassenkameradin Janine Lebenstedt aus Walle lassen sich von Matthias Grasmann auf einem Globus Bremens Partnerstädte zeigen. Alle 15 Städte eigenständig zu finden, fällt den beiden Schülerinnen nicht leicht. "Es sind Städte dabei, von denen ich noch nie etwas gehört habe", stellt Elvers fest. Sie würde gern mehr über das Thema erfahren und zum Beispiel herausfinden, warum Städte eine Partnerschaft eingehen und "ob das etwas bringt", sagt die Schülerin. Janine Lebenstedt nennt einen weiteren spannenden Aspekt: "Herauszufinden, welche Rolle Bremen in der Globalisierung spielt, finde ich auch sehr interessant."





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