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Horn-Lehe. Das Spielstraßenschild ist weg! Der Pizzabäcker Bodo hat die blaue Hinweistafel einfach mitgenommen. Ein tolles neues Blech für seinen Ofen, hat er sich gedacht. In der Aula der Marie-Curie-Schule ist es mucksmäuschenstill. Das Publikum, bestehend aus Erst- und Zweitklässlern sowie Vorschulkindern des Kindergartens Curiestraße, weiß, dass ohne das Schild Gefahren drohen. Und so kommt es dann auch. Autos brausen mit Tempo durch die Straße, aus dem das Schild gestohlen wurde.
"Wrumm" ertönt es aus den Lautsprechern , als Herr Wichtig mit seinem Sportwagen vorbeidonnert. Vollkommen in den Bann gezogen vergessen die Kinder, wer sich hinter dem Puppentheater verbirgt: Polizeibeamte aus den Bereichen des Revier- und Kontaktdienstes, der Verkehrsüberwachung, der Kriminalpolizei und der Verkehrssicherheitsberatung unterstützt von Ehrenamtlichen mit ihrer "Mobilen Präventionspuppenbühne".
Mit dem Stück sollen vier- bis achtjährige Jungen und Mädchen, also die Gruppe, die im Straßenverkehr besonders gefährdet ist, fit gemacht werden. "An oberster Stelle stehen: Gefahren erkennen und selbstständiges Handeln erlernen", so Alfred Faust von der Puppenbühne. 40 Dienstage im Jahr ist das Team um Alfred Faust im Einsatz und zeigt an insgesamt 87 Schulen in Bremen das Stück "Das verschwundene Spielstraßenschild".
"Es macht jede Woche wieder Spaß", bekräftigt Thomas Mehmke, der mit dem witzigen Ganzkörpereinsatz eines Louis de Funès die Inhalte des Stücks vor der Bühne vermittelt. Der vierfache Vater weiß, wie er sein Publikum bei der Stange hält. "Wo ist denn links? Und wo ist rechts?", fragt er und will erhobene Arme sehen. "Und jetzt mal ganz schnell", fordert er auf und rattert: "links, rechts, links". Großes Gelächter.
Schmissige Mitwipp-Musik
Auch den Reim "Will ich über die Straße geh'n, bleib ich vor dem Haltstein steh'n", können die Kinder am Ende aus dem Effeff. "Die Lerninhalte sind noch nach einem Jahr abrufbar", weiß Faust aus der Erfahrung mit Kindern, die das Stück zum zweiten Mal zu sehen bekommen. Durch Wiederholung und Kommunikation bleiben die wichtigsten Inhalte haften, versichert der Polizist. Durch die abschließende Polonaise nach schmissiger Mitwipp-Musik, angeführt von Schutzpolizistin Claudia Winkler, sind am Ende auch die letzten Berührungsängste mit den Ordnungshütern verschwunden.
Karin Parlak, Gruppenleiterin und Betreuerin der Vorschulkinder des Kindergartens Curiestraße, ist begeistert von der Art der Vermittlung: "Durch Bewegung und aktive Einbindung in das Stück ist der Lerneffekt für die Kinder größer", sagt sie. Dafür, dass der Auftritt auch nach zig Darbietungen nicht heruntergeleiert wirkt, legen sich alle Mitwirkende mächtig ins Zeug. Zwei Stunden vor dem Stück beginnt das Motivationstraining, berichtet Faust.
In einer internen und einer externen Fortbildung bei der Vereinigung der Polizeipuppenbühnen geht es genau wie bei der regelmäßigen Vor- und Nachbereitung der Auftritte ans Eingemachte. Jeder Darsteller müsse in der Lage sein, zwei Puppen mit ihren Charakteren zu spielen, falls ein Teamkollege ausfalle. Bei allem Engagement weiß die Truppe, dass sie nur helfen kann, das Bewusstsein der Kinder für die Gefahren auf der Straße zu schärfen. "Wir sehen uns als unterstützendes Element", betont Faust. Ohne die Kooperation zwischen Elternhaus und Schule mache die Aktion wenig Sinn. "Auf Nichts können wir nicht aufbauen", sagt der Polizist.
Kinder, die das Stück sehen, sollten vor dem Auftritt in mindestens einer Unterrichtseinheit über mögliche Gefahren im Straßenverkehr mit ihrem Kontaktpolizisten oder der Lehrkraft gesprochen haben. So sind auch die fünfjährige Hanne und die sechsjährige Friederike nicht ganz unvorbereitet in das Puppenspiel gegangen: "Wir wussten schon, dass man links, rechts und wieder links guckt, bevor man über die Straße geht", berichten die beiden stolz.
Die Bremer Polizeipuppenbühne ist seit acht Jahren auf Dauertournee, bundesweit sind es übrigens 105 Beamten-Ensembles.
Die Bremer Puppenspieler-Truppe sucht noch Unterstützung. "Wer Lust hat mitzumachen, ist willkommen", ruft Alfred Faust Interessierte auf, sich bei ihm zu melden und am besten gleich an der nächsten Puppenbühnen-Schulung in der Zeit vom 13. bis 16. März teilzunehmen. Per E-Mail ist er unter alfred.faust@Polizei.Bremen.de zu erreichen.



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