Mittendrin im Stadtteil: Witha Winter von Gregory hat Garten der Menschenrechte im Rhododendronpark initiiert

 - 23.02.2012

Die Frau mit den Bronzebändern

Von MIchaela Uhde
Witha Winter von Gregory hat wesentlichen Anteil daran, dass der Garten der Menschenrechte im Rhododendronpark ins Leben gerufen werden konnte, und sie begleitet ihn bis heute. Außerdem bildet die 67-Jährige Seniorenbegleiter aus und betreut ein Drei-Generationen-Projekt beim Evangelischen Bildungswerk.

Horn-Lehe. Nein, Lorbeeren beansprucht sie nicht für sich und sie kann es auch nicht leiden, im Mittelpunkt zu stehen. Und doch ist es ihrem unermüdlichen Einsatz und ihrer persönlichen Überzeugungskraft zu verdanken, dass seit 2001 in Bremen ein deutschlandweit einmaliges Projekt entstanden ist: Seit nunmehr 12 Jahren setzt sich Witha Winter von Gregory für den "Garten der Menschenrechte" im Rhododendron-Park ein. Ende 2011 erst erhielt sie dafür einen Kiwanis-Preis.

Die Idee dazu ist eher zufällig entstanden. Der Ehemann der Philosophin Barbara Reiter wohnte einige Zeit bei Witha Winter und ihrem Mann, als er in Bremen an der Universität tätig war. Zu dieser Zeit verfolgte Barbara Reiter intensiv die Realisierung des internationalen Projektes "Inscrire - Die Menschenrechte im öffentlichen Raum", gemeinsam mit der belgischen Künstlerin und Architektin Francoise Schein, die es ins Leben gerufen hatte.

Schon bald nach der Anfrage, ob sie solch ein Projekt in Bremen betreuen wollte, entstand bei Witha Winter die Idee, dafür den Rhododendronpark miteinzubeziehen, der mit seinen Pflanzenbeständen aus aller Welt einen internationalen Bezug hat. Zudem rannte sie damit bei der damaligen Leiterin des Parks, Julia Westhoff, offene Türen ein. "Für mich war das auch eine natürliche Weiterführung meiner Biografie", erklärt Witha Winter, weshalb sie keine Sekunde gezögert hat, diese Aufgabe zu übernehmen.

Arbeitsteilung statt Ruhestand

Winter hat in Frankreich, München und Konstanz neben Erziehungs- und Politikwissenschaften auch Französisch studiert. Als ausgebildete Familiensoziologin und Supervisorin kam die aus dem Allgäu stammende Frau Mitte der 70er-Jahre nach Bremen. Die Hornerin hat im Laufe ihrer Berufszeit unter anderem als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Bremer Uni gearbeitet. Obwohl sie bald 67 ist, spielt das Wort "Ruhestand" bei ihr keine Rolle. "Langsam ein bisschen kürzer treten und die Arbeit auf mehr Schultern verteilen", ist die einzige Einschränkung, die sie sich mit Blick auf ihr Alter vorstellen kann. Immerhin gibt das der Mutter von zwei Kindern etwas mehr Raum, Zeit mit ihren sechs Enkelkindern zu verbringen.

Begleiten wird sie den "Garten der Menschenrechte" weiterhin und dort auch den jährlichen Kulturmitmachmarkt mitorganisieren. Doch wie in der Anfangszeit im Jahr 2000/2001, will sie sich nicht mehr einsetzen. Damals habe sie "über Monate das Projekt vorgestellt, um möglichst viele Unterstützer zu gewinnen", erinnert sie sich. Dabei hat sie viele persönliche Kontakte genutzt, aber auch kirchliche und weltliche Einrichtungen sowie politische Parteien, Stiftungen, und Unternehmen und auch den Beirat Horn-Lehe überzeugen können. Neben großer ideeller Unterstützung kam so auch bald Geld zusammen.

Wichtige Anerkennung

Schon Anfang 2001, also noch bevor der 1. Artikel der Menschenrechte im Park eingesetzt war, wurde das Projekt mit dem "Lokalen Agenda-21-Preis" ausgezeichnet. Die "Agenda 21" ist ein Ergebnis der UN-Weltkonferenz 1992 in Rio de Janeiro und sollte Staaten und Gemeinwesen aller Art auffordern, sich für nachhaltige Entwicklung einzusetzen. In Bremen gab es seit Ende der 90er-Jahre einen "Runden Tisch", an dem Fragen, die Umweltschutz, Menschenrechte, Nachhaltigkeit und weitere für die Allgemeinheit wichtige Themen betreffen, weiterentwickelt wurden. Dabei wurden zehn Projekte ausgewählt, die dies am besten umsetzen konnten.

Für den "Garten der Menschenrechte" war diese Anerkennung sehr wichtig. So konnten zwischen Oktober 2001 und 2003 alle 30 Artikel der Menschenrechtserklärung von 1948 der Vereinten Nationen verlegt werden. Sie verlaufen als bronzene Bänder entlang vieler Wege vor allem im neueren Parkteil. Eines der entwickelten Konzepte des Projekts sind auch die Schulpatenschaften mit etwa 10 Schulen, die jeweils einen Artikel betreuen. Zu ihnen gehören das Horner Gymnasium, das Schulzentrum Rockwinkel, das Kippenberg-Gymnasium, sowie die Schwer- und Gehörlosenschule an der Marcusallee. Allerdings verläuft die Zusammenarbeit zum Kummer von Witha Winter mitunter etwas mühsam, denn sie ist abhängig vom Einsatz der Lehrer, die das Projekt im Unterricht mit entsprechenden Themen begleiten müssen.

Träger des Gartens der Menschenrechte sind die Stiftung "Die Schwelle" und das Evangelische Bildungswerk. Beim Bildungswerk bietet Witha Winter auch Qualifizierungskurse für freiwillige Seniorenbegleiter an. Dies sind Fortbildungen für alle, die Hilfe beim Umgang besonders mit desorientierten Menschen suchen. Ebenfalls über das Bildungswerk läuft seit mittlerweile sechs Jahren ihr Drei-Generationen-Projekt "Alte Spiele", bei dem jedes Jahr ein anderes Thema bearbeitet wird und eine Bildungsreise in den Teutoburger Wald stattfindet.





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