| Das Wilhelm Kaisen-Quiz » |
Grolland. Die Grollander können sich freuen: Die Straßenbahnhaltestelle Norderländer Straße wird saniert und barrierefrei umgebaut. 1,6 Millionen Euro sollen laut ASV-Referatsleiter Thomas Sauer verbaut werden. 1,2 Millionen Euro kosten ihm zufolge die Arbeiten an den Bahnsteigen, und für 400000 Euro wird ein Fahrstuhl an die Brückenkonstruktion gebaut, damit auch Rollstuhlfahrer, Eltern mit Kinderwagen und andere Menschen mit eingeschränkter Beweglichkeit problemlos in die Straßenbahn gelangen.
Die 1976 auf einer langen Brückenkonstruktion gebaute Haltestelle sei schon lange "ein Dorn im Auge, was die Barrierefreiheit angeht", stellte Sauer in einer gemeinsamen Sitzung der Beirats-Ausschüsse für Verkehr und Bau/Umwelt/Stadtentwicklung und vor einigen Dutzend älteren Grollandern in der Schule Brakkämpe fest. Er listete etliche bauliche Mängel auf von Rolltreppen, die seit Jahren stillstehen, über marode Bodenplatten bis zu Betontreppen, aus denen nach Regenfällen noch Tage später Wasser quillt, das bei Frost zu lebensgefährlichen Rutschbahnen gefrieren kann.
Das ASV nutzt die Gunst der Stunde für Arbeiten mit Hochdruck, denn die Bremer Straßenbahn AG stellt in den Sommerferien in diesem Bereich für sechs Wochen den Schienenverkehr ein und lässt Ersatzbusse rollen, weil Schotter und Schienen ausgewechselt werden müssen. "Wir kommen mit diesem Zeitraum nicht hin. Die Fahrgäste müssen vor und nach den Ferien mit umbaubedingten Behinderungen rechnen", kündigte Sauer an. Im Dezember soll dann alles fertig sein.
Lisa Wargalla (Grüne) erinnerte daran, dass die unwirtliche Betonkonstruktion bei Frauen als Angstraum gilt, und Sauer wies darauf hin, dass die Planer Abhilfe schaffen wollen. So werden die aus Beton gegossenen Brüstungen und die von Beton nahezu hermetisch verschlossenen Unterstände für wartende Fahrgäste von luftigen Gitterzäunen und transparenten Wartehäuschen ersetzt. Eine Furt von einem Bahnsteig zum anderen ermöglicht nicht nur das barrierefreie Erreichen beider Bahnsteige von einem Fahrstuhl aus, sie eröffnet Frauen auch zusätzliche Fluchtwege. Die Grollander und Huchtinger gaben dem Behördenvertreter mit auf den Weg, dass auch auf eine gute Beleuchtung der Bahnsteige geachtet und der Einsatz von Videokameras geprüft werden sollte. Wargalla und ihre Parteifreundin Annemarie Werner forderten außerdem mindestens zwei Notrufsäulen auf jedem Bahnsteig.
Das ehemalige Huchtinger Beiratsmitglied Siegfried Wehrmann (CDU) ließ sich von Sauer bestätigen, dass die beiden überdachten Rolltreppen zur Norderländer Straße hin erhalten bleiben, während die beiden anderen, sowieso schon stillgelegt, ausgebaut werden. "Wir dürfen das Projekt nicht in die Länge ziehen", appellierte Wehrmann an die aktiven Beiratsmitglieder, und das mit vollem Erfolg. Einstimmig begrüßten die Fachausschüsse die vorgestellte Planung, die allerdings noch im Detail mit der BSAG und den Trägern öffentlicher Belange abgestimmt werden muss.
Komplettabriss nicht möglich
"Das ist eine Planung, mit der wir leben können", fand der Grollander Bürgerschaftsabgeordnete Manfred Oppermann (SPD). Als kurzzeitig von der Grünen Annemarie Werner die Forderung nach einer Straßenbahnlinie "auf der Ebene Null", also der Abriss der kompletten Brückenkonstruktion durch den Stadtteil Grolland, wiederbelebt wurde, mahnte Oppermann, die aktuelle Planung "nicht totzureden". Auch Werner räumte ein, dass die 1,6 Millionen Euro für die Modernisierung ein schlagendes Argument sind gegen die zehn Millionen für den Komplettabriss und die Verlegung der Straßenbahnschienen auf Straßenniveau. Wehrmann wies darauf hin, dass Werners Lieblingslösung schwer lösbare Probleme der Verkehrsregelung im Bereich Norderländer Straße/Frieslandstraße heraufbeschwören würde. Referatsleiter Sauer setzte noch eins drauf: Ein solcher Umbau bedeute ein Jahr lang Stillstand der Straßenbahnen zwischen Huchting und dem Rest der Stadt. Und er bezweifelte, dass die
Zehn-Millionen-Lösung den gegebenenfalls erforderlichen Kostenvergleich zur - schließlich auch von Werner unterstützen - 1,6-Millionen-Alternative in einem Planfeststellungsverfahren überstehen würde.
In der Fragestunde der Bürgerschaft am Dienstag, 24. Januar, geht es auch noch einmal um das Thema Haltestelle Norderländer Straße. Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen wird drei Fragen an den Senat stellen: Welche Zielsetzung mit welchen Maßnahmen verfolgt der Senat mit dem geplanten Umbau der Haltestelle Norderländer Straße? Gibt es bereits Kostenschätzungen zu den Planungen? Welche Anregungen aus der bisherigen Beteiligung des Beirats Huchting hält der Senat für umsetzbar?



Regenwahrscheinlichkeit:



