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Huchting. Die wohl berühmteste Stadtrundfahrt der Welt namens "Circle Line" können Besucher auf einer Fähre rund um den New Yorker Stadtteil Manhattan genießen. Kulturschaffende planen derzeit in Huchting eine gleichnamige Tour. Die Ziele könnten jedoch unterschiedlicher nicht sein: Anstatt Freiheitsstatue und Empire State Building wollen sie mit einem Bus verschiedene Brachen und Leerstände im Stadtteil ansteuern, die am ersten Juli-Wochenende durch ungewöhnliche Kunstprojekte wieder zum Leben erweckt werden sollen. Darunter sind bekannte Objekte wie die einstige Gaststätte Dorfkrug mitten im Ortskern von Kirchhuchting, das verfallene "Hotel zum Landgraf" an der Huchtinger Heerstraße sowie das ehemalige Schulgrundstück am Willakedamm.
"Wir möchten mit der Aktion dem Gefühl entgegensteuern, dass der Stadtteil verwahrlost", erläutert Claudius Joecke vom Kulturladen Huchting den Hintergrund der Idee. Zusammen mit dem Quartiersbildungszentrum Robinsbalje (QBZ) und vielen weiteren Akteuren ist auch die am Bürgerzentrum beheimatete Kultureinrichtung an dem Projekt beteiligt. Profikünstler und Huchtinger Schüler sollen gemeinsam die verlassenen Spielorte wieder beleben. Von erfundenen Geschichten über vergangene Tage bis hin zu Video-Projektionen an den geschundenen Fassaden sind derzeit viele Ideen im Gespräch. "Gemeinsam mit der Zwischenzeitzentrale (ZZZ) suchen wir nach weiteren geeigneten Flächen und Leerständen, die wir bespielen können", erläutert Projektleiterin Anne Bock den aktuellen Arbeitsstand. Die Aufgabe der vom Bund und Bremen eingerichteten ZZZ ist es, kreative Zwischennutzungen für Leerstände zu erarbeiten. Anne Bock sieht zurzeit das größte Problem in der Tatsache, dass sich viele geeignete Häuser wie
der "Dorfkrug" und das "Hotel zum Landgraf" in Privatbesitz befinden. "Wir suchen das Gespräch und hoffen, Vorbehalte aus der Welt zu schaffen, damit wir hereingelassen werden", so die QBZ-Managerin. Finanzielle Unterstützung wurde den Akteuren bereits von der Arbeitnehmerkammer zugesagt. Zudem soll ein Antrag auf Fördermittel aus dem Topf "Wohnen in Nachbarschaften" (Win) bei der Stadtteilgruppe eingereicht werden.
Als Dreh- und Angelpunkt der "Circle Line Huchting" ist das ehemalige Schulgrundstück am Willakedamm geplant. "Dort wollen wir mit dem Material, das wir vor Ort vorfinden, Landart gestalten", gibt Claudius Joecke bekannt. Für die Idee, vergängliche Kunstwerke aus Holz und Stein in der Natur zu schaffen und per Fotografie zu dokumentieren, ist der Engländer Andy Goldsworthy bekannt. Seine Naturkunst wollen die Huchtinger am Willakedamm im Sommer mit Bürgern imitieren.
Ein Sahnestück
Der Ort ist nicht etwa zufällig gewählt. Beiratsmitglieder und der Huchtinger Ortsamtsleiter Uwe Martin betrachten die etwa 25000 Quadratmeter große Brache als ein Sahnestück im Huchtinger Immobilienangebot. Dass seit Jahren kein Investor für die Fläche gefunden werden konnte, lag jedoch nicht am mangelnden Engagement der Huchtinger. Bereits seit 2004 erarbeitete eine Runde aus lokalen Unternehmensvertretern, sozialen Einrichtungen und Beiratsmitgliedern ein Konzept, das einen Mix aus Wohnen und wohnverträglichem Gewerbe vorsieht. Auch Studenten der Fachhochschule Oldenburg haben sich mit dem Standort auseinandergesetzt und 2005 eigene Vorschläge beigesteuert. "Leider konnten wir während des Ausschreibungsverfahrens 2006 keinen Investor für das Grundstück begeistern", sagt Susanne Engelbertz von Immobilien Bremen. Als Gründe sieht sie die Marktübersättigung und die Größe der Immobilie. "Außerdem kann man so eine Fläche in Schwachhausen bekanntermaßen
einfacher vermarkten als in Huchting", spielt die Pressesprecherin auf Vorbehalte der Geldgeber an.
Doch mit diesem Zustand wollen sich die Projektbeteiligten der geplanten Stadtrundfahrt nicht abfinden: "Wir wollen zeigen, dass eine Wiederbelebung dieser Orte möglich ist", bekräftigt Anne Bock, "auch wenn sie zunächst nur dieses eine Wochenende andauert."
Wer sich beteiligen möchte oder Kontakt zu Eigentümern herstellen kann, kann sich bei Anne Bock unter Telefon 36118484 melden.



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