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Ganz hinten, als letzte, neueste: Bernhard Grzimek und ein Gorilla, eine 55-Cent-Marke mit hohem Schmunzelfaktor, eine der amüsantesten der Agentur „Haase und Knels“.
„Guten Abend, meine lieben Freunde.“ So pflegte Bernhard Grzimek seine Zuschauer zu begrüßen. Drei Generationen von Deutschen fühlten sich angesprochen. Die Titel seiner Livesendung „Ein Platz für Tiere“ (1956-1987) und des oscargekrönten Kinofilms „Serengeti darf nicht sterben“ haben sich wie Werbeslogans eingeprägt. Für die Haases steht fest: Der Mann war ein PR-Talent. Der 1909 geborene Veterinär, Zoodirektor und Mitbegründer des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND) hat die Sache der Tiere zu seiner gemacht.
Als Motiv für die Briefmarke zum 100. Geburtstag hat Sibylle Haase ein frontales Porträt ausgesucht, Grzimek und der Gorilla Wange an Wange, zwei gute alte Freunde. „Guck mal, wer da guckt“, drückt der aufs Publikum gerichtete Zeigefinger aus und erinnert im Wechsel der Perspektive an Uncle Sams Rekrutierungsplakate. „We want you, meine lieben Freunde!“, könnte dieser Grzimek sagen. Der 50er-Jahre-Fernseher ist der perfekte Rahmen für diese Inszenierung. Mit Unterhaltungselektronik kennen sich die Haases aus. Ihre Agentur arbeitet seit Jahrzehnten für die Branche.
„Ich finde es schade, dass wir auf Briefmarken festgelegt werden“, sagt Sibylle Haase, auch wenn es ihr offenbar Freude macht und ihre Entwürfe bei Philatelisten so hoch im Kurs stehen. Die schönste deutsche Briefmarke 1989, das war beispielsweise ihr Worpswede. Fast zehn Dutzend ihrer Entwürfe sind seit 1978 als Porto um die Welt gegangen, in Auflagen, von denen andere Grafiker träumen. Ein einziges Mal, bei den Bremer Sehenswürdigkeiten, durfte sich das Designerehepaar ein Motiv wünschen. Die beiden wählten die Böttcherstraße, für die sie schon seit Jahrzehnten Werbung machen. Vier Wochen haben sie Zeit für einen Entwurf, bis die Marke in den Handel kommt, vergeht ein Jahr.
Bei Grzimek entschied sich die Jury gegen Zebras, Schimpansen und Geparden, die Entwürfe der Konkurrenz. „Das letzte Wort hat der Bundesfinanzminister“, sagt Fritz Haase. Das galt auch im Kölner Kirchturmstreit. Dass der Propst ihre Briefmarke mit aller Macht verhindern wollte, geht den Haases, die stets akribisch recherchieren, heute noch nahe. „Wir waren im Urlaub in Italien, da kamen Anrufe vom Fernsehen: Wir sollen doch mal sagen, wie es kommt, dass der Kölner Dom einen dritten Turm hat“, erinnert sich Sibylle Haase an den handfesten Skandal. Die Vorlage stammte aus dem von der Domkanzlei empfohlenen Buch und brachte nach Ansicht der Designer die komplizierte Struktur besonders gut zur Geltung. Der Medienrummel war groß und hat den Verkaufszahlen nicht geschadet. „Als die Marke rauskam, standen die Leute Schlange an der Domsheide.“
Seit sie gemeinsam Kunst studiert haben, sind Marken das Metier der Haases. Sie machen Werbung für Genussmittel, für Zigaretten und Zigarren, für Porzellan und Fernsehgeräte, sie arbeiten für die Flugzeugindustrie ebenso wie für den Martinshof und immer wieder für Museen. Kaum etwas aber löst so starke Emotionen aus und weckt Begehrlichkeiten wie ihre unsignierten Sammlerstücke. Die bedruckten Papierchen sind gültige Zahlungsmittel, und so werden sie auch bewacht. „Früher durften wir in die Bundesdruckerei“, erzählt Sibylle Haase. „Da bin ich begleitet worden von Sicherheitskräften mit Waffen und wurde vorher fotografiert, damit klar war, dass dieselbe Person rauskommt, die reingegangen ist.“ Jetzt werden ihr die Andrucke zugeschickt.
Das eine oder andere kleine Privileg genießen Briefmarkendesigner aber immer noch. Haases haben die Jungfernfahrt des ersten Intercity Express nach Mannheim mitgemacht, weil sie die ICE-Marke entworfen hatten. Sibylle Haase durfte die Premiere der Marke „125 Jahre Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger“ auf einem Schiff mitfeiern. Ausgerechnet die DGzRS brachte die Designer in Not. „Wir sollten sturmerprobte Männer zeigen, die sich mutig in die Fluten stürzen“, erzählt Fritz Haase ohne hörbare Begeisterung. Der Tag der Abgabe rückte näher. Fritz Haase ging in die Kneipe nebenan, um sich ein Bier zu holen, und fand ein Motiv: das Spendenschiff aus dem „Kaiser Friedrich“.
Jede Briefmarke hat ihre Geschichte, und Fritz Haase spielt mit dem Gedanken an ein Buch. Über Bremen und über Bremerhaven hat der Erfinder des „Bremer Lochs“ vor drei Jahren schon zwei Flanierbände herausgegeben: „Wunderwege/Wanderwege“ im Hauschild Verlag. Beide Haases schreiben täglich, sie kurze, prägnante Mails, er lange Briefe mit Tinte und Feder. Und immer wenn ihm die eigenen Marken ausgehen, kommt schon die nächste heraus.



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