Beide Institutionen sind noch neu im Stephaniviertel, aber schon lange Teil dieser Stadt. Normalerweise fährt Andreas Ebert am späten Nachmittag oder frühen Abend nach Hause. Mittwochs wird es regelmäßig später, denn der Waller ist eine Spielernatur im Dienste der Volkshochschule, und in ungeraden Kalenderwochen ist von 18.30 bis 22.15 Uhr offener Spieletreff im Bamberger-Haus, Faulenstraße 69. Drei Dutzend Männer und Frauen spielen dann Brett- und Kartenspiele, vier Seniorinnen über 75 Jahre sind jedes Mal dabei. Sie bevorzugen die klassischen Brettspiele, während die Jungen lieber 'Siedler von Catan' in Varianten spielen. Den ersten Bremer Spieletag 2007 hat Andreas Ebert organisiert und eine Überraschung erlebt: Statt der erwarteten 400 kamen damals 1300 Leute, zwei Jahre später waren es bereits 2300. Viele Spiele werden von den Verlagen zur Verfügung gestellt, 1000 hat die Volkshochschule jetzt schon in ihrer Sammlung.
Am 5. September, dem autofreien Sonntag in Bremen, wird auch mobil gespielt - in einer Niederflurstraßenbahn, die auf einem Rundkurs fährt. In der Bahn stehen 16 Spieltische. Mitfahren und Mitspielen sind gratis. Andreas Ebert bereitet auch die Bremer Spieltage vom 20. und 21. November vor, während er am VHS-Programm für 2012 strickt. Am Sonnabend, 4. September, hat er ebenfalls etwas vor - am Tag der offenen Tür mit Schnupperangeboten und von 14 bis 18 Uhr im Bamberger-Haus. Der Gesundheitstag, der gleichzeitig ist, wird von anderen Mitarbeitern der VHS vorbereitet. Gut 60 Kolleginnen und Kollegen hat Ebert, die Honorarkräfte noch nicht mitgezählt. Die Volkshochschule hat gerade ihr neues Herbst-Winter-Programm vorgelegt, dick wie ein Atlas, aber wesentlich biegsamer. Besonders beliebt sind derzeit Kurse, die zwei Dinge miteinander verbinden, wie das Zubereiten von Coq au vin mit französischem Sprachunterricht oder Spanischlernen mit Paellakochen. Im Bereich der Umwelt und Ökologie geht der Trend von den praktischen Kursen 'Wie baue ich meine Solaranlage' zu den grundlegenden Kursen über Zusammenhänge von Biologie und Ökologie oder Politik und Umwelt.
2600 Veranstaltungen im Semester und 52 000 Besucher pro Jahr hat die Bremer VHS mit ihren vier Zweigstellen. 65 Prozent der Kosten hat die VHS mit den Kursgebühren decken können. Das ist laut Ebert bundesweit ein guter Schnitt bei deutlich unter bundesdurchschnittlichen Kursgebühren. Trotzdem werden in den nächsten fünf Jahren Stellen gestrichen.
40 Prozent der Kurse im Katalog Herbst/Winter der VHS sind neu. Dabei ist berücksichtigt, dass Kurse wie die Einführung in die Weltreligionen weniger besucht wurden wie erwartet und deutsche Geschichte wieder gefragt ist. Einer der Höhepunkte im Programm ist die Sommerakademie mit Künstlerinnen und Künstlern der Bereiche Malerei und Bildhauerei.
Andreas Ebert sucht ständig nach neuen Trends und Themen. Er spricht mit Kursleitern, um Kurse zu entwickeln, und nimmt Anregungen von Kursteilnehmern auf. Jeweils im November und Mai müssen die Kurse des kommenden Programms feststehen. Eher ein Vergnügen ist für Ebert das Ermitteln von Spieletrends, denn dann kann er verlagsfrische Spiele zu Hause mit seiner Frau und den beiden Kindern testen. Seinem zweiten Hobby, dem Sport, geht er häufig auf dem Rad zwischen Walle und der Altstadt nach. Sein Lieblingsort im Bamberger-Haus ist der öffentlich zugängliche Turm, die Plattform im neunten Stock. Von da aus hat man einen schönen Blick über die Siedler von Bremen.
Die Teilnahme an einem Spieleabend kostet 1,50 Euro. Fünf Termine kosten zusammen sechs Euro, zehn Abende zehn Euro. Mehr im Internet. Anmeldung unter 361-12345. Bis 17. September verlängerte Öffnungszeit zum Einschreiben: montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr.


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