Aktuelle Ausstellungen im Viertel: Klink und Breitkopf bei Panciera, Martin bei Humboldt-Schlüter

 - 17.01.2011

Erotische Birnen und Hasen im Kimono

Von Karin Osmers
Ostertor·Steintor. Birnen haben Sex und Hasen tragen Kimono: In der Kunst gibt es nichts, was es nicht gibt - wie zwei aktuelle, nicht gerade humorlose Ausstellungen im Viertel einmal mehr beweisen.

Prächtig ist das kleine Hasenpaar im Kimono, das in den Räumen der Eisdiele Panciera am Ostertorsteinweg ausgestellt ist. Sehr passend zum Kalender, denn laut chinesischem Horoskop ist 2011 das Jahr des Hasen. Die Hasen sind aber nicht allein. Sie werden begleitet von ausdrucksstarken japanischen Puppen und kunstvoll gemalten Schriftzeichen, Werken der in Borgfeld lebenden Japanerin Yuki Sekikawa-Klink.

Die Kalligrafiemeisterin, die auch Puppenbau gelernt hat und unterrichtet, stellt bis zum Sambakarneval gemeinsam mit dem Maler Achim Breitkopf aus. Der Künstler aus dem Viertel hat sehr unterschiedliche Motive gewählt - ein blaues Schiff auf wogendem Meer, Blumen und ein Kopf, den Mund wie zum Schrei geöffnet.

Wer die Wintergalerie betritt, hat allerhand zu schauen, denn hier treffen Ost und West, Farben, Formen und Stile aufeinander. Shodô bedeutet "Weg des Schreibens". Wie andere traditionelle japanische Künste sei auch die japanische Kalligrafie vom Zen beeinflusst, erklärt Yuki Klink. Einzelne Bewegungen werden bis zur Perfektion wiederholt. Das Ziel eines Menschen, der diesen Weg beschreite, sei die absolute Konzentration, Gelassenheit und schließlich das Satori, die Erleuchtung.

Yuki Klink, die 1958 in Tokio geboren, Heavy Metall Fan und Dozentin für Shodô an der Volkshochschule ist, hat bei ihrem Vater Shodô und bei der Meisterin Yuriko Yamayoshi den Puppenbau gelernt. "Ich merkte, dass ich mit den Puppen mich selbst und meinen eigenen Stil ausdrücken kann", beschreibt die Künstlerin die Faszination. Sie brauche dies als Ausgleich zur japanischen Kalligrafie, denn: "Mein großer Meister, mein Vater, steht immer hinter mir. In der Puppenwelt bin ich dagegen völlig frei und unabhängig." An einer Puppe arbeite sie über ein halbes Jahr lang, an einzelnen sogar bis zu fünf Jahre, verrät die Künstlerin.

Ganz so viel Zeit lässt sich der Maler Achim Breitkopf nicht, obwohl manche Werke zwischendurch auch "einige Zeit ruhen und reifen müssen." Er ist Autodidakt und lebt erst seit Mai vergangenen Jahres ganz für und von der Kunst.

Gemalt hat Achim Breitkopf, Jahrgang 1971, schon immer, wie er sagt, aber vorher mehr als Hobby. Als Nachfolger des Familienunternehmens in fünfter Generation ergriff er den Beruf des Juweliers und machte eine solide kaufmännische Ausbildung. Im Laufe seiner Berufsjahre belegte er verschiedene Seminare im Schmuckzeichnen und in Dekorationstechnik.

Zwar habe ihm die Arbeit Freude bereitet, doch habe sich sein wachsendes Interesse an der Kunst nicht in einem streng geregelten Tagesablauf integrieren lassen, erzählt er. Und er hat die Konsequenzen gezogen. Wenn nicht jetzt, wann dann, sagte sich der Bremer, der am Ostertorsteinweg wohnt und bereits Ausstellungen und Performances wie die "Jagd without Schnitzel" im Viertel realisiert hat. Er spachtelt seine Ölbilder und mag sich künstlerisch nicht festlegen lassen. Figürliches wie Abstraktes entsteht unter seinen Händen und anders als früher kann er sich heute von seinen Werken auch käuflich trennen. Als er sah, dass der Eissalon vom Besitzer im Schaufenster im November mit weißem Papier ausgeklebt wurde, ergriff er die Gelegenheit, die Wintergalerie zu eröffnen. "Ich stelle gerne in gastronomischen Räumen aus", versichert der Maler und hofft, dass die Kunst auch 2012 bei Panciera Wintersaison hat.

Sinnliches Obst

Prall, sinnlich und saftig liegen sie da, ganz eng aneinander geschmiegt. Dann wieder gespannt über und unter einander. Und dann sich nur noch leicht und zärtlich berührend. Ihre Haut glänzt samtig, feucht und gesund über den wohlproportionierten Formen, und Betrachter möchten am liebsten gleich zubeißen oder auch eine Birne sein. "Birnen-Kamasutra" heißt die Fotostrecke, die Katherine Martin so gekonnt in Szene gesetzt hat. "Begegnungen" ist der Titel ihrer Ausstellung, die noch bis Sonnabend, 22. Januar, im Kunstverein Humboldt-Schlüter an der Humboldtstraße 67 zu sehen ist. Neben den 16 Stellungen zweier Birnen zeigt die als Fotografin arbeitende Künstlerin schemenhaft gemalte Portraits und verfremdete Gemälde nach Fotografien in der kleinen, nicht kommerziellen Galerie.

Geboren ist Katherine Martin in Chicago. Mit 13 Jahren zog sie mit ihren Eltern nach Wöllmarshausen im Landkreis Göttingen. In Göttingen absolvierte sie auch ihre Ausbildung zur Fotolaborantin. Erst nach und nach sei sie zur Fotografie gekommen, erzählt die Hastedterin, die auf einen abwechslungsreichen Lebenslauf zurückblicken kann. So fotografierte sie bei der Polizei "schwere Jungs und Diebesgut" oder machte wissenschaftliche Fotos von alten Knochen oder der menschlichen Iris für ein anthropologisches Institut, dokumentierte fotografische Veranstaltungen und arbeitete als Webmasterin beim Filmbüro Bremen. 2001 belegte Katherine Martin einen Malkursus an der Bremer Volkshochschule bei Ulf Meyer und malt seitdem. Meist mit Acrylfarben. "Die kommen meinem Temperament entgegen, weil sie schnell trocknen und ich immer wieder drüber gehen kann", sagt die Künstlerin. Sie beschreibt das Verfremden von Fotovorlagen als einen sehr spannungsgeladenen Prozess.

Seit 2006 arbeitet Katherine Martin als selbständige Fotografin und Webdesignerin an der Hastedter Heerstraße. Derzeit ist die 49-Jährige für ProJob Bremen des Vereins für Innere Mission in Bremen als Fotografin unterwegs und dokumentiert die unterschiedlichen sozialen Projekte. Auf die Birne ist sie durch einen Zufall gekommen. Eines Abends sei sie nach Hause gekommen und habe sich köstlich über zwei recht krumme Birnen in der Obstschale amüsiert. "Da habe ich angefangen, damit zu spielen - und die blieben tatsächlich voreinander stehen", erinnert sie sich lachend. "Es fing ganz harmlos an und wurde dann immer wilder."

Birnenkamasutra und ein kleiner Querschnitt der Arbeiten von Katherine Martin: noch bis 22. Januar dienstags bis freitags ab 19 Uhr, Humboldtstraße 67. Sonnabend ist um 20 Uhr Finissage. Kontakt: Kunstverein Humboldt-Schlüter unter 75 033, Katherine Martin unter 244 33 58 und unter www.katherine-martin.de.

Die Wintergalerie bei Panciera mit Werken von Yuki Klink und Achim Breitkopf am Ostertorsteinweg bleibt bis 25. Februar geöffnet - freitags von 16 bis 19 Uhr und sonnabends von 13 bis 16 Uhr. Weitere Werke von Yuki Klink sind derzeit im Stadtteilhaus St. Remberti, Hoppenbank 2-3, zu sehen. Laut neuem Volkshochschulprogramm (Seite 251, Kursnummer 78-101 und folgende) bietet sie drei Kurse in japanischer Kalligrafie im Bamberger-Haus an: ab 23. März mittwochs von 17.30 bis 19 Uhr, ab 24. März donnerstags 17.45 bis 1915 Uhr und ein Wochenendseminar (25. und 26. Juni). Die Kosten: 53 Euro, fürs Wochenende 40 Euro. Anmeldung: 361-12345.





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