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Altstadt. "Zeit" steht auf einem der Kärtchen, die Christine Bongartz in ihrem Vorleseseminar aufhängt. Zeit zum Vorlesen. Zeit zum Zuhören. Mit DVDs und Hörbüchern schenke man Kindern keine Zeit, sondern stelle sie damit eher ruhig, sagt die Hastedter Lesebotschafterin der Bremer Leselust im Seminarraum der Sparkasse. Beim Vorlesen widme sie sich den Zuhörern. In ihrem Seminar geht es diesmal schwerpunktmäßig um das Vorlesen für Kinder.
Die Frage nach Gelegenheiten und Räumen zum Vorlesen eröffnet ungeahnte Möglichkeiten: In Kultureinrichtungen wird vorgelesen, im Krankenhaus, im Altenheim, in Freizeiteinrichtungen, in der Familie, auf öffentlichen Plätzen wie beim Speakers Corner im Skulpturengarten der Bremer Bürgerschaft freitags von 16 bis 17 Uhr und in Kirchengemeinden, in Bibliotheken und Kindergärten.
Kirchliche Lektorin
Christine Bongartz liest seit 30 Jahren in einem privaten Kreis, aber auch in Kirchen. Außerdem ist sie kirchliche Lektorin in Gottesdiensten und engagiert sich seit vier Jahren bei der Bremer Leselust. Die "Gebrauchsanweisung für Japan" mit Klavierbegleitung von Naoko Marutani zu lesen, erwies sich als gute Idee. Auf dem "Bunten Sofa" in Blockdiek sitzt Bongartz regelmäßig mit einem Buch. Liest sie Kindern vor, hat sie immer ihren Werderschal dabei, den mit den vielen Buttons, auf denen ihr Name steht. "Ich vergesse meinen Namen schon, weil ich so alt bin. Aber weil ich lesen kann, ist das kein Problem", sagt sie dann, um die Kinder für sich einzunehmen, und buchstabiert ihren Vornamen. Neuerdings bringt sie auch schon einmal eine Glocke mit - die verhindert angeblich, dass sie beim Lesen einschläft, und verschafft ihr zuverlässig wieder Aufmerksamkeit, wenn sich Unruhe einstellt. Warmes Wasser und Salbeibonbons sind gut für die Stimme, während kaltes Mineralwasser
eher reizt.
Kritisches Zuhören
Eine gute Vorleserin muss an vieles denken, an die richtige Brille, das richtige Licht, und sie muss sich mit dem Raum vertraut machen, bevor die Lesung beginnt, sie sollte den passenden Stoff auswählen für das jeweilige Publikum und dessen Alter. Michael Ende für Kinder und Erich Kästner oder Erich Fried für Erwachsene sind fast Garanten für einen vollen Saal.
Die Teilnehmer des Seminars bereiten sich mit Leseproben aus Michael Endes "Momo" auf den Praxisteil vor. Kritisch zuzuhören, aber auch Kritik an der eigenen Darbietung auszuhalten, ist nicht einfach, weiß Christine Bongartz. Besonders in neuen Gruppen können Spannungen aufkommen. Auf einem der Stichwortzettel steht deshalb auch "Kritik überstehen".
"Mein Leben hat sich als Lesebotschafterin der Bremer Leselust sehr verändert", sagt Christine Bongartz. "Ich lerne viele Menschen und spannende Geschichten kennen und mache dabei wunderbare Erfahrungen und freue mich, dass ich noch so viel bewirken kann." Für solche Erfahrungen lohne es sich, Leseseminare zu besuchen. Etwas ganz Besonderes sind ihre Lesungen auf Torfkähnen, die 2011 zum ersten Mal gebucht werden konnten. Viele Einrichtungen nehmen Angebote des Vorlesens gerne an. Ein Tipp von Christine Bongartz ist, sich einen Leseort gleich in der Nachbarschaft zu suchen. Schnell werde eine regelmäßige Sache daraus. Das "Bunte Sofa" der Kinderbibliothek Düsseldorfer Straße in Blockdiek ist so etwas Regelmäßiges - am letzten Freitag des Monats um 16.30 Uhr, also wieder am 24. Februar.
Ein Termin für das nächste Seminar mit Christine Bongartz steht noch nicht fest. Der Vorleseclub gibt zweimal jährlich Leseempfehlungen für Neuerscheinungen auf dem Kinderbüchermarkt heraus - und zwar gut 100 Titel - und veröffentlicht dreimal jährlich die Vorleseclub-Zeitung mit praktischen Anregungen.
Kontakt: Christine Bongartz ist per E-Mail zu erreichen unter christine.bongartz@nord-com.net. Der Kunst- und Geschichtenladen der BremerLeselust befindet sich in der Zentralbibliothek, Am Wall 201, ist erreichbar unter der Telefonnummer 0176/70 188 886 und hat die E-Mail-Adresse leselust@wfb-bremen.de.



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