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Bahnhofsvorstadt. Die Proben laufen auf Hochtouren, in ein paar Tagen ist es soweit: Am Donnerstag, 9. Februar, feiert das Union-Theater mit dem Stück "Ein Schlüssel für Zwei" Premiere. Eine Komödie um eine Zweitfrau, die zwei Liebhaber hat, um ihren Lebensstandard zu finanzieren. Momentan bereitet sich das Amateurensemble in seinem Probenraum an der Hans-Böckler-Straße auf die Premiere vor.
Harriet öffnet in einem beinahe durchsichtigen, babyblauen Negligee die Tür. Unerwartet kommt ihr Liebhaber, Fischhändler Alec, zu Besuch. Mit süßer, säuselnder Stimme bittet sie ihn herein. Sie lässt sich nicht anmerken, dass sie in Bedrängnis ist, weil ihr anderer Liebhaber, Hühnerzüchter Gordon, im Schlafzimmer liegt. Harriet ist die Geliebte zweier Männer, die nichts voneinander wissen. Gekonnt wickelt sie beide um den Finger, denn einer alleine könnte der bezaubernden Blondine ihren gehobenen Lebensstandard kaum sichern. So plant Harriet aufwändig die Schäferstündchen und kassiert Haushaltsgeld von beiden. Ein perfekter Plan, bis die zwei Liebhaber sich zu begegnen drohen.
Schwerstarbeit
Christina Richter spielt in "Ein Schlüssel für Zwei" die Rolle der Harriet, einer Geliebten mit zwei Liebhabern und der Schwerstarbeit, dass diese sich nicht begegnen. "Hier im Union-Theater bin ich eigentlich nur Gast", sagt sie.
Abseits der Bühne säuselt die Beckedorferin kein bisschen. Auch sonst scheint die Ehefrau und Mutter zweier Kinder nichts gemein zu haben mit ihrer Rolle der Harriet. "Es ist natürlich viel Zeit, ich muss halt immer da sein", erzählt Christina Richter von dem Aufwand neben dem Job noch für das Theaterstück zu proben. Aber die selbstständige Kosmetikerin hatte schon immer Lust am Theaterspielen. Bereits in der Schule stand sie bei Aufführungen auf der Bühne. "Das ist wie so eine Sucht", vergleicht sie es. Bisher hat Christina Richter am Stadttheater Vegesack gespielt, war aber auch vorher schon für Gastspiele am Union-Theater. Zu der Rolle der Harriet ist sie ganz unverhofft gekommen, als sie Zuschauerin einer Aufführung des Union-Theaters war. "Da haben sie mich gleich verhaftet", erzählt sie. Dass sie die Hauptrolle übernehmen soll, war ihr da noch nicht bewusst. Erst beim Lesen des Drehbuchs, sah sie welchen Part man ihr zugedacht hatte.
Mit Ausnahme eines Berufsregisseur spielen und arbeiten am Union-Theater alle unentgeltlich und aus Spaß am Theatermachen. Bis Mai vergangenen Jahres war das Theater, das seit 1892 besteht, im Packhaustheater im Schnoor zu Hause. Mit dessen Insolvenz muss auch das Union-Theater eine neue Spielstätte finden. "Da hängen wir auch noch in der Luft", sagt Theaterleiterin Karin Schütze. Vorerst kann das Union-Theater für zwei Spielzeiten noch im ehemaligen Postamt 5 bleiben. Dort musste das Amateurensemble von Null anfangen: die riesige Halle aufteilen, technisches Zubehör leihen, die Spielstätte bespielbar machen und eine Gastronomie einrichten. "Das ist ja eben die Krux, wenn man aus einem fertigen Theater kommt", sagt Karin Schütze. Sie ärgert sich über die verschwendeten Möglichkeiten. "Da steht ein Theater leer", schimpft Karin Schütze über das ehemalige Packhaustheater, dass seit der Schließung brach liegt.
Regisseur Rudolf Plent drängt darauf die Pause zu beenden und mit der Probe vortzufahren. Hier und da sitzt noch nicht alles hundertprozentig und bis zur Premiere sind nur noch wenige Tage Zeit. Aber bis dahin wird, mit noch ein paar Proben, jeder seinen Text kennen und jede Geste perfekt sitzen.
"Ein Schlüssel für Zwei" hat am Donnerstag, 9. Februar, 20 Uhr, im Theater An der Weide 50A (ehemaliges Postamt 5), Premiere und wird bis Sonntag, 26. Februar, von dienstags bis sonnabends jeweils um 20 Uhr, am Sonntag, 19. Februar, um 18 Uhr, und am Sonntag, 12. und 26. Februar, um 16 Uhr, aufgeführt. Kartenverkauf in der Kartenausgabe der Geschäftsstelle, Schnoor 27/28 (Waldemar-Koch-Haus), montags bis freitags von 9.30 bis 12 Uhr; der Union-Theater-Hotline unter Telefon 320541; per E-Mail an info@uniontheater.de; im Pressehaus, Martinistraße 43, sowie bei Nordwest-Ticket unter 363636.



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