Zumindest die Fraktionen im Neustädter Beirat wollen anders, als die Initiative will. Die Parteien haben keinerlei Einwände gegen das geplante Einleiten des Regenwassers - und den Antrag der Bedenkenträger abgelehnt: den Bau eines Kanalrohres direkt in die Kleine Weser zu verhindern. Eine Entscheidung, die sich das Gremium nach eigenem Bekunden nicht leicht gemacht haben will. Es hatte sich zuvor von der Umweltbehörde das Vorhaben im De-tail erläutern lassen.
Es stimme zwar, was die Initiative befürchtet, doch: 'Das Straßenwasser ist nicht so belastet, dass Grenzwerte überschritten werden', sagt Beiratsmitglied Thomas Müller (SPD). Zudem gebe es keine Alternative zu dem Projekt, jedenfalls nicht mehr. Die Planung des Baugebiets am Stadtwerder sei zu weit fortgeschritten, und es sei keine Versickerungsfläche mehr vorhanden. Ein Versäumnis, dass Müller sich selbst und allen anderen Politikern vorwarf. 'Da hätten wir aufpassen müssen.'
Während die Protestler von Öl- und Benzinrückständen sprechen, die künftig in die Kleine Weser fließen, hat Bernd Schneider für das Straßenwasser ein harmloseres Attribut: 'gering belastet'. Die Einstufung hat der Mann von der Umweltbehörde nicht selbst getroffen. 'Sie entspricht der Kategorie, die von der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall festgelegt wurde.' Und weil das 'Straßenspülwasser', wie es im Amtsdeutsch heißt, eben nur gering ver-schmutzt sei, könne es auch getrost in ein fließendes Gewässer wie die Kleine Weser geleitet werden. Obwohl die nur mäßig fließt und es zwölf Stunden braucht, bis das Niederschlagswasser von der Einleitungsstelle bis zur Wilhelm-Kaisen-Brücke geflossen ist, wie Schneider errechnet hat. Doch das sei immer noch schnell und weit genug, um den rechtlichen Vorgaben zu entsprechen.
Obwohl Schneiders Behörde gerade mit einer Broschüre fürs Versickern wirbt, hat das Einleiten von Niederschlagswasser für sie keine geringere Bedeutung: 'Beide Verfahren wer-den gleichrangig behandelt.' Auch beim Baugebiet am Stadtwerder sei sowohl die eine als auch die andere Methode geprüft worden. Dass sich die Politik letztlich für einen Kanal entschieden hat, führt der Mitarbeiter nicht zuletzt darauf zurück, dass das Spülwasser von einer einzigen Wohnstraße komme.
Initiative: Badegwässer
Für die Protestler ist das einerlei. Sie wollen gar kein belastetes Wasser in der Kleinen Weser. Schließlich handele es sich nicht um irgendein Gewässer, sondern um ein Badegewässer. 'Jedes Jahr suchen hier mehr und mehr Menschen Abkühlung', sagt Initiativensprecher Michael Riechers. Sogar genau gegenüber der geplanten Einleitungsstelle werde geschwommen. Ein Argument, dass der Beirat nicht gelten lässt - weil dort eigentlich niemand ins Wasser dürfe.
Das Nein zum Antrag der Initiative wertet Riechers zwar als Schlappe, doch aufstecken wollen er und seine Mitstreiter deshalb nicht. Er kündigt weitere Gespräche mit der Umweltbehörde und Politikern an. Viel Zeit bleibt den Kritikern allerdings nicht mehr. Denn für das Kanalrohr sollen zwei Bäume weichen - und gefällt werden darf nach dem Waldgesetz nur noch bis Ende Februar. Bernd Schneider geht davon aus, dass mit dem Leitungsbau im Frühjahr begonnen wird.


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